Reaktion nach F.A.Z.-Interview

AfD-Anzeige gegen Eintracht-Präsident Fischer

 - 12:56

Nach verbalen Attacken gegen Anhänger der AfD haben die beiden hessischen Landessprecher der Partei Strafanzeige gegen Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung gestellt. „Wir hätten gern auf diesen Schritt verzichtet. Aber die völlig inakzeptablen Bezeichnungen wie ’braune Brut’ und ’Nazis’ von Herrn Fischer, die sich gegen alle AfD-Wähler und damit auch gegen uns richten, können und dürfen so nicht beibehalten werden“, sagte Sprecher Klaus Herrmann in einer Mitteilung des AfD-Landesvorstands vom Mittwoch. Er und sein Sprecherkollege Robert Lambrou haben die Anzeige demnach in Vertretung des Landesvorstands der Partei gestellt. Das Polizeipräsidium in Frankfurt am Main bestätigte dies. Sportvorstand Fredi Bobic hat dem Eintracht-Boss unterdessen den Rücken gestärkt. „Peter Fischer ist einer, der wirklich das Herz am richtigen Fleck hat und Dinge klar anspricht. Das gefällt mir. Seine Aussagen sind absolut nachvollziehbar“, sagte Bobic der „Bild“-Zeitung.

Vorausgegangen war ein öffentlicher Schlagabtausch des Eintracht-Präsidenten mit der AfD Hessen. Zunächst hatte Fischer in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt: „Es verträgt sich nicht mit unserer Satzung, AfD zu wählen.“ Nach Kritik aus der AfD legte er in einem Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk nach: „Es gibt für die braune Brut keinen Platz. Solange ich da bin, wird es keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben.“ Die AfD Hessen hatte danach angekündigt, juristische Schritte gegen Fischer zu prüfen.

Die beiden Landessprecher haben aus Protest auch Mitgliedsanträge bei der Eintracht gestellt. Auf diese gibt es nach AfD-Angaben noch keine Reaktion der Eintracht. Laut Vereinssatzung bedarf eine Ablehnung des Aufnahmeantrags keiner Begründung. Fischer hatte im F.A.Z.-Interview gesagt: „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt.“ Er sei „nicht naiv und sich sicher“, dass es auch unter Eintracht-Mitgliedern AfD-Wähler gebe. „Aber ich werde sehr deutlich klarmachen, was wir davon halten und dass der Verein für andere Werte und Ziele steht“, sagte Fischer, der seit 2000 Präsident ist und am 28. Januar abermals für das Spitzenamt kandidiert. „Der Sport muss vielmehr auch ganz klar politisch sein und seine Stimme erheben gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen, wenn es angebracht und notwendig ist“, sagte er. Als Eintracht Frankfurt, als einer der größten und bedeutendsten Vereine in Deutschland, müsse man bereit sein, „klare Kante zu zeigen und Position zu beziehen“.

Die Landessprecher der AfD Hessen, Lambrou und Herrmann, kritisierten danach die Aussagen Fischers und wiesen seine Behauptung, es gebe in der AfD rassistische und menschenverachtende Tendenzen sowie Antisemitismus, zurück. „Wer wie Herr Fischer im Falle der AfD, einer demokratischen, durch Wahlen legitimierten Partei, angesichts der AfD-Wahlerfolge von „gesellschaftlichen Fehlentwicklungen“ spricht und in haltloser Art und Weise der AfD Antisemitismus unterstellt, begibt sich selber ins demokratische Abseits“, sagte Lambrou laut einer Mitteilung der AfD Hessen in der vergangenen Woche.

Beide AfD-Sprecher forderten Fischer auf, den Fußball und Eintracht Frankfurt als Sportverein nicht für seine eigenen politischen Ansichten zu instrumentalisieren. „Bei einer Mitgliedschaft sollte nicht die politische Überzeugung zählen, sondern die sportliche Ausrichtung“, meinte Herrmann. Zusammen mit Lambrou habe er „nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Äußerungen von Peter Fischer“ einen Mitgliedsantrag bei der Eintracht gestellt. Lambrou forderte auch, keine Hass-Mails an die Geschäftsstelle von Eintracht Frankfurt zu schreiben. Er forderte Fischer-Kritiker dazu auf, Mitglied bei dem Klub zu werden, um bei der Mitgliedsversammlung am 28. Januar stimmberechtigt zu sein.

Auch die frühere CDU-Politikerin und bekennende AfD-Wählerin Erika Steinbach kritisierte Fischer. „Ihre Aussage ,wer die AfD wählt, kann bei uns kein Mitglied sein’ ist ungeheuerlich“, schrieb sie in einem Offenen Brief an den Eintracht-Präsidenten. „Wollen Sie jetzt von jedem Ihrer Mitglieder eine eidesstattliche Versicherung verlangen, dass sie keine AfD-Wähler sind?“ Demokratie funktioniere anders. „Es wäre lohnenswerter, wenn Sie sich mehr um Ihre ziemlich radikalen Fans kümmern würden. Das ersparte unseren Ordnungshütern viel Arbeit“, meinte Steinbach. Alice Weidel, die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, twitterte: „Irgendwie belustigend, zu was sich drittklassige Proleten eines Fußballvereins so äußern.“

Quelle: tora./dpa
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