Lehren aus schwieriger Saison

Mainzer Kurskorrekturen

Von Daniel Meuren
 - 13:40

Zwei Jahre ist Sportvorstand Rouven Schröder nun bei Mainz 05 tätig. Ein Jahr davon ist Sandro Schwarz der Trainer. Nach Punkten und Tabellenständen liest sich die Bilanz gerade so befriedigend: Zweimal ist Mainz 05 hauchdünn dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga entronnen, jeweils mit dem entscheidenden Schritt am vorletzten Spieltag. Das grundsätzliche Klassenziel Klassenverbleib ist somit zum zehnten Mal in Serie gelungen. In diesem Jahr reichten 36 Punkte zu Rang 14, nachdem das Team im Vorjahr Fünfzehnter wurde mit einem Punkt mehr. Vielleicht aber muss die Bilanz am Ende der Transferperiode auch ganz anders gezogen werden, wenn möglicherweise vor wenigen Jahren noch astronomisch anmutende Einnahmen von 60 bis 100 Millionen Euro den Verein finanziell für die kommenden Jahre absichern.

Spieler wie das für elf Millionen Euro zu Schalke 04 wechselnde Eigengewächs Suat Serdar sowie die umworbenen Franzosen Jean-Philippe Gbamin und Abdou Diallo sowie der Japaner Yoshinori Muto hätten dann in der selbsternannten Aus- und Weiterbildungsstätte Mainz 05 eine Wertsteigerung erfahren, die dem Klub neue Möglichkeiten eröffnet. Das wäre dann auch Ergebnis der Arbeit von Schröder und Schwarz und müsste in die Bilanz positiv einfließen. Das Trainingsgelände am Bruchweg soll dann mit noch mehr Tempo ausgebaut werden, die Mannschaft aber auch verstärkt werden, wie Schröder und Schwarz am Dienstag bei einer Saisonbilanz betonten.

Einnahmen in Beine investieren

„Wir werden in jedem Fall einen großen Teil unserer Einnahmen ins Team investieren“, sagte Schröder, ohne sich in die Karten schauen zu lassen, welche Abgänge er schon in seinen Investitionsplan eingebaut hat. Stattdessen pokert Schröder, indem er sagte, dass der Klub nicht gewillt sei, Diallo bei fünf Jahren Vertragslaufzeit nach nur einem Jahr abzugeben. „Und Gbamin ist auch erst im zweiten Jahr bei uns“, sagte Schröder. Das Heft des Handelns hält Mainz 05 in der Hand, es ist aber nur schwer zu glauben, dass der Verein Angebote von 30 oder 40 Millionen Euro aus der Premier League ablehnen und auf abermalige Angebote im Folgejahr hoffen würde.

Zur Suche nach Neuzugängen hält sich Schröder zugleich bedeckt. „Bislang hatten wir ja die Angel auch ohne Köder ausgeworfen. Jetzt hängt die Bundesliga dran, sodass jemand anbeißen kann“, sagte er. Der 42 Jahre alte Sportvorstand geht von einer Geduldprobe aus durch die WM, zudem werde die um vier Wochen vorgezogene Schließung des Transferfensters in England dafür sorgen, dass auf dem Kontinent das Geschäft erst nach dem 31. Juli richtig in Gang komme. „Wir sind nach wie vor nicht am Ende der Nahrungskette. Aber wir können jeden Spieler ersetzen, den wir abgeben müssen“, sagt er.

Rückkehrer aus Kiel

Sicher ist bislang nur, dass Stoßstürmer Aaron Seydel von einer Ausleihe an Holstein Kiel ebenso zurückkehren wird wie Linksverteidiger Gaetan Bussmann aus Freiburg. Im neuen Jahr soll ohnehin vieles besser werden, wie Trainer Schwarz voller Optimismus sagt. „Wir haben jetzt alle ein gemeinsames Erlebnis gehabt, das uns voranbringt. Die Jungs wissen jetzt, dass sie mit dem Kerl da vorne einen Abstiegskampf bestehen können. Wir haben Jubelbilder produziert, die uns Kraft geben werden“, sagte er.

Zudem habe er mit dem Trainerteam Lehren aus der Saison gezogen. Schwarz gestand ein, dass er zu Beginn seiner ersten Spielzeit als Profitrainer etwas zu viel gewollt habe mit dem Anspruch, besseren Ballbesitzfußball spielen zu wollen. „Dann fehlten die Ergebnisse und es machte sich Verunsicherung breit“, sagte er. „Im Endspurt haben wir dann wieder die richtige Reihenfolge gehabt: Erst Intensität und Umschaltfußball, dann Anspruch.“

Quelle: F.A.Z.
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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