Eintracht-Torhüter

Dortmund hat Interesse an Hradecky

Von Ralf Weitbrecht
 - 07:30

Am Tag, als bei der Eintracht der Ball ruhte, war trotzdem Tempo im Spiel. Überraschend ist dies nicht, denn im Fußballgeschäft ist vieles im Fluss – und mancher Profi schon halbwegs auf dem Absprung. Dass die Zukunft von Lukas Hradecky über den Sommer hinaus nicht unbedingt mit dem Namen Eintracht verknüpft sein muss, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Nach etlichen Gesprächsrunden zwischen dem aktuellen Tabellenvierten der Bundesliga und Hradeckys Vater, der die Interessen seines Sohnes wahrnimmt, sind beide Parteien bislang ohne Ergebnis auseinandergegangen. Konkret haben sich die Frankfurter Verantwortlichen zuletzt im spanischen Trainingslager an der Costa Blanca zur Causa Hradecky geäußert, jenes Spielers, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft und der den Klub ablösefrei verlassen könnte.

Sportdirektor Bruno Hübner kämpft um einen Verbleib des Finnen, der nicht nur auf dem Feld als verlässlicher Torhüter überzeugt, sondern auch abseits des Rasens zum Kreis jener Frankfurter Spieler gehört, der bei den Fans beliebt ist und als meinungsstarker Profi eines der Gesichter der Eintracht ist. „Wenn wir in der Sauna sitzen und wir uns fragen, ob wir nicht noch mal einen Anlauf nehmen wollen“, sagte Hübner, dann werde man dies selbstverständlich tun, um den Schlussmann vielleicht doch noch zum Bleiben zu bewegen. „Wir sind gesprächsbereit. Wir wissen, dass es relativ schwer werden würde, aber wenn wir die Vorstellungen korrigieren können, ist es nicht aussichtslos.“

Weidenfeller hört beim BVB auf

Gesprächsbereit, das sind nach Informationen des „Kicker“ auch die Führungskräfte von Borussia Dortmund. Weil beim BVB im Sommer eine Karriere zu Ende geht und Torwart Roman Weidenfeller den Dienst quittiert, suchen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc nach einem adäquaten Ersatz. Dem Vernehmen nach soll Hradecky in den Fokus der Borussia geraten sein, die grundsätzlich entscheiden will, ob sie einen Kandidaten als Nummer eins haben möchte, der in einen Wettstreit mit Roman Bürki treten soll. Oder ob ein Nachwuchskeeper perspektivisch aufgebaut werden soll. Dortmunder Planspiele, über die Zorc am Montag sagte: „Wir haben in dieser Frage noch keine grundsätzliche Entscheidung getroffen. Wir schauen uns das noch ein bisschen an.“

Anschauen, was in Frankfurt und mit Omar Mascarell passiert, das machen auch die Strategen von Real Madrid, womit die zweite Eintracht-Personalie zu Wochenbeginn ins Gespräch kommt. Spanische Medien wollen erfahren haben, dass die Zeit von Mittelfeldspieler Mascarell im Sommer bei der Eintracht zu Ende geht. Überraschend wäre dies nicht, denn Real besitzt die Transferrechte und hat sich gegen Zahlung von vier Millionen Euro eine Rückkaufoption gesichert. Ob die „Königlichen“ davon Gebrauch machen und ob sie im Fall der Fälle Mascarell behalten oder weiter ausleihen oder teurer verkaufen würden, ist ungewiss. Sportdirektor Hübner hielt sich am Montag auf Anfrage der F.A.Z. bedeckt.

Volltreffer und Stammspieler

Richtig ist grundsätzlich: Auch Mascarell könnte vom Fluch der guten Tat betroffen sein. Schon sein spanischer Landsmann Jesus Vallejo durfte nur über einen vorab vertraglich vereinbarten Zeitraum für die Eintracht spielen und in der Innenverteidigung erstklassige Dienste leisten. Vallejo wurde in Frankfurt sofort zum Volltreffer und Stammspieler – und damit interessant genug, um nach Madrid zurückzukehren. Dort sitzt der 21 Jahre alte Abwehrspieler, wenn er denn überhaupt zum Kader gehört, zumeist auf der Bank. Drei Einsätze nur in dieser Saison dürften Vallejo keinesfalls zufrieden stellen.

Mascarells Berufungen in die Frankfurter Bundesligamannschaft bewegen sich in dieser Saison auch nur im einstelligen Bereich. Doch dies hat allein verletzungsbedingte Gründe. Aufgrund seiner Achillessehnenoperation, wegen der er mehr als sieben Monate lang kein Fußball spielen konnte, hat es der Spanier bislang auf fünf Spiele gebracht. Fünf Spiele, in denen der 25-Jährige stets zu den Besten gehörte und viel Lob für seine kreativen Darbietungen als Antreiber vor der Abwehrkette erhielt. Zuletzt, bei der 0:1-Niederlage in Stuttgart, konnte er wegen einer Blessur am Fuß nicht mithelfen, die Bilanz vormaliger guter Auswärtsspiele zu bestätigen. Am Samstag gegen Hannover und dann noch bis mindestens zum Saisonende will Mascarell wieder aktiv in das Geschehen eingreifen und seinen Beitrag dazu leisten, den insgesamt guten sportlichen Eindruck der Eintracht zu einem guten Ende zu führen. Hradecky auch.

Quelle: F.A.Z.
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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