Eintracht Frankfurt

Der gute Wolf

Von Ralf Weitbrecht
 - 06:34

Der Erfolg der vergangenen Monate hat sich bei Marius Wolf körperlich bemerkbar gemacht. „Es kommen jetzt viel mehr Schulterklopfer.“ Sogenannte neue Freunde, die ganz nah bei einem sein wollen, der zuletzt eine wundersame Entwicklung genommen hat. Vor gut einem Jahr noch musste sich Wolf in der zweiten Mannschaft von Hannover 96 fit halten. Dann wurde die Eintracht auf ihn aufmerksam, und es begann der rasante Aufstieg des heute 22 Jahre alten Profis.

„Im Fußball geht alles so schnell“, sagt Wolf, der gemeinsam mit seinen neuen Frankfurter Spielkameraden zu Beginn des Jahres 2018 für sechs Tage auf einem Hügel an der spanischen Costa Blanca residiert und es immer noch nicht so recht fassen kann, den Sprung von einem Nobody zum Stammspieler von Eintracht Frankfurt geschafft zu haben. „Ich habe viel an mir gearbeitet und gebe in jedem Training Gas“, sagt er lapidar. Trainer Niko Kovac habe ihm von Beginn an verdeutlicht, dass er deutlich an Muskelmasse zulegen müsse. Und auch Wolf selbst, als eine Art Hänfling im Rahmen eines Ausleihgeschäfts von Hannover nach Frankfurt gekommen, wusste sofort: „Ich musste was tun, die Eintracht ist meine letzte Chance.“ Und jetzt? „Eintracht Frankfurt, das ist mein Verein.“

Mehr Muskelmasse, mehr Fitness, mehr Selbstvertrauen

Erstes sichtbares Ergebnis: Wolf hat sein Körpergewicht von 74 auf knapp 80 Kilogramm erhöht, „und vielleicht geht ja noch ein bisschen mehr“. Mehr Muskelmasse, mehr Fitness, mehr Selbstvertrauen: Zweites sichtbares Ergebnis ist Wolfs Statistik am Ende der aktuellen Bundesliga-Hinrunde. In zwölf Spielen hat der variabel einsetzbare Mittelfeldmann drei Tore erzielt. Das erste gleich gegen Borussia Dortmund. Schon da meldeten sich die ersten Schulterklopfer. Marius wer? Der gar nicht so „böse“ Wolf, der in Hannover in der Versenkung zu verschwinden drohte und zuvor zweitklassig für die „Löwen“ des TSV München 1860 am Ball gewesen ist, hat sich in Frankfurt den Ruf des guten Wolfs erarbeitet.

Egal ob auf der rechten Außenbahn vorne oder hinten oder auch zentral vor der Abwehr: Die von Trainer Kovac gewünschten Leistungen hat der gebürtige Coburger bislang stets gezeigt. In Zeiten, da der rechte Stammverteidiger Timothy Chandler monatelang ausfiel, wusste Wolf auch auf dieser Position zu gefallen. „Mir ist es egal, wo ich spiele“, sagt er. „Ich will mich immer weiterentwickeln und möchte einfach nur so viel Spielzeit wie möglich bekommen.“

Wolf rennt und rennt und rennt

Über die Zeit nach dem 30. Juni 2018, wenn das Ausleihgeschäft mit Hannover endet, mag Wolf zum Ausklang des freien Freitagvormittags in Campoamor nicht so recht sprechen. „Jetzt ist Fußball angesagt, und dann sehen wir am Ende der Saison weiter.“ Dem Ligafinale im Mai kann er aber gelassen entgegensehen, denn sowohl Trainer Kovac als auch Sportvorstand Fredi Bobic haben schon mehrmals betont, von der Kaufoption, die sie sich seinerzeit für angeblich eine halbe Million Euro gesichert haben, Gebrauch zu machen. „Das ist einer, den kriegt man nicht tot“, sagt Bobic. Soll heißen: Wolf rennt und rennt und rennt.

„Marius hat eine richtig gute Entwicklung genommen“, so Kovac. „Ich bin sicher, dass wir ihn behalten und noch viel Freude an ihm haben werden.“ Freude über Wolfs Entwicklung empfindet auch einer seiner Spezis. „Mit Julian Weigl bin ich im regen Kontakt. Er freut sich für mich.“ Einst hatten Wolf und Weigl bei 1860 gemeinsame Sache gemacht. Dann trennten sich ihre Wege. Weigl reifte bei Borussia Dortmund zum Nationalspieler, und Wolf vollzog den großen Qualitätssprung in Frankfurt.

Neymar im Blick

Eintracht-Trainer Kovac hat nicht vergessen, „dass wir Marius erst ein bisschen aufpäppeln mussten“. Auch Wolf hat nicht vergessen und jetzt in Spanien daran erinnert, „dass ich damals sofort wie jeder andere in der Mannschaft auch freundlich aufgenommen worden bin“. Dass er sich seitdem zur Stammkraft entwickelt hat, habe an seiner Stellung nichts geändert. „Ich wurde schon vorher genauso behandelt wie jetzt.“ Auch, als es sofort funkte zwischen ihm und Kevin-Prince Boateng, war alles ganz normal. „Bei uns hat es einfach vom ersten Tag an gepasst“, sagt Wolf und meint damit die Freundschaft zu dem 30 Jahre alten Führungsspieler der Eintracht, die über das reine Tagesgeschäft hinausgeht.

Bis heute unvergessen für Wolf ist der Ausflug mit Boateng in dessen vormalige Heimat Mailand. „Wir waren in einem Restaurant essen, und ein paar Tische weiter hat Neymar gesessen.“ Der brasilianische Weltstar, der für die Weltrekord-Ablösesumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St- Germain gewechselt war, in Sichtweite von Wolf. Dass Wolf den Brasilianer nicht aus den Augen verlieren will, hat er nun unter spanischer Sonne gesagt. „Vielleicht spiele ich ja mal mit ihm oder gegen ihn.“

Das erste Spiel des neuen Jahres wird Wolf an diesem Samstag um 15 Uhr in San Pedro del Pinatar gegen den Zweitligaklub FC Erzgebirge Aue absolvieren. Trainer Kovac hat angekündigt, nicht alle zur Verfügung stehenden 25 Feldspieler in den mit den Sachsen abgesprochenen drei Halbzeiten einzusetzen. Aus Deutschland angereiste Fans werden neben Aufsteiger Wolf auch die Rückkehrer Marco Fabián und Omar Mascarell erstmals seit längerer Zeit wieder spielend zu sehen bekommen.

Quelle: F.A.Z.
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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