Eintracht-Spieler Hasebe

Der Vielspieler

Von Jörg Daniels
 - 07:33

Makoto Hasebe höflich und honorig wie immer: „Mit Herrn Fredi und Herrn Bruno“ habe er in der vergangenen Woche „kurz zusammengesessen“, berichtete der Eintracht-Profi am Dienstag. Der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner waren die beiden wichtigen Gesprächspartner des 34 Jahre alten Japaners. Das Thema der Unterredung auf höchster sportlicher Führungsebene: Die Zukunft des vielseitigen Defensivspielers. Hasebe, dessen sportliches Zuhause längst Frankfurt geworden ist, wo er seit 2014 aktiv ist, wird wohl auch in der kommenden Bundesliga-Saison seinen Arbeitsplatz in Hessen haben. „Die Wahrscheinlichkeit ist relativ groß, dass ich noch ein Jahr in Frankfurt spiele. Beide Seiten haben ein ganz gutes Gefühl“, sagte er auf Nachfrage fünf Tage vor dem Auswärtsspiel an diesem Sonntag (18 Uhr) gegen Borussia Dortmund.

Sein Knie hält jetzt. Und damit steht der Vertragsverlängerung mit dem Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, über die sich auch Cheftrainer Niko Kovac freuen würde, eigentlich nichts mehr im Weg. Auf die Frage, ob er ein neues Knie habe, antwortete Hasebe am Dienstag mit ja und lachte. Im März 2017 war er noch frustriert. Damals war der 106 malige Nationalspieler in der Begegnung in München bei einer Rettungsaktion mit dem Pfosten kollidiert. Es folgte eine Knieoperation, bei der ein freier Gelenkkörper arthroskopisch entfernt und eine Knorpelglättung vorgenommen wurde. In der Hinrunde dieser Spielzeit plagten Hasebe dann weiter Schmerzen, mal war es besser, mal schlechter. „Ich hatte nicht so ein gutes Gefühl, ich konnte nur mit 80 bis 90 Prozent spielen.“

Seit zweieinhalb Monaten schmerzfrei

Doch seit zweieinhalb Monaten ist der Musterprofi endlich schmerzfrei. Keine Beschwerden, volle Leistung: „Ich kann jetzt wieder hundert Prozent spielen“, sagt er. Die genauen Gründe für seine vollständige Genesung vermag Hasebe nicht zu benennen. Vielleicht habe die Winterpause ein bisschen geholfen. Und die „Physios“ hätten „alles gegeben. Ich war fast jeden Tag in Behandlung“, blickt der Vollprofi zurück. „Das alles hat wohl geholfen.“ Und schließlich dazu geführt, dass er aktuell ein sehr verlässlicher Vielspieler ist. In allen acht Rückrunden-Begegnungen ging Hasebe über die volle Distanz, das galt auch für das gewonnene Pokalspiel gegen Mainz.

An diesem Donnerstag lenkt Kovac nun seit zwei Jahren die Geschicke der Eintracht, die als Tabellenvierter fest die internationalen Startplätze ins Visier genommen hat. Von nichts kommt nichts: Kovac habe „sehr viel geändert – Taktik und Training sind anders – und unglaublich viel gearbeitet“, lobt Hasebe seinen Chef. „Auch die Abläufe sind professioneller.“ Für den hoch geschätzten Führungsspieler hat der Trainer auf zwei Positionen Verwendung. Elf Mal nominierte Kovac ihn als Abwehrspieler für die Startelf, sechs Mal begann Hasebe im Mittelfeld. Im mit 1:0 gewonnenen Duell mit Hannover 96 am vergangenen Samstag war der Japaner der zentrale Mann in der Abwehrkette, rechts von ihm spielte der Argentinier David Abraham. „David ist der Abwehrchef“, sagte Hasebe, der als Libero aktuell bessere Leistungen abliefert. Seine Lieblingsplatz bleibt trotzdem die Sechserposition im defensiven Mittelfeld. Nur 27 Gegentreffer in 25 Spielen haben die Frankfurter bisher hinnehmen müssen, damit präsentieren sie hinter Bayern München die zweitbeste Defensive. Das Erfolgsrezept? „Die Verteidigung fängt ganz vorne an“, sagt Hasebe. „Die Stürmer und das Mittelfeld arbeiten ganz viel mit.“

Der Japaner, der es bisher auf 105 Erstliga-Spiele für Frankfurt bringt, kann sich vorstellen, auch über die aktive Karriere hinaus gemeinsame Sache mit der Eintracht zu machen. In einer Funktion, die noch festgelegt werden müsste. Womöglich auch als namhafter Eintracht-Botschafter für sein Heimatland Japan. „Die Stadt Frankfurt hat viel Potential, die Eintracht auch“, sagt Hasebe. „Zwar vielleicht nicht wie Bayern München, aber die Eintracht kann ein noch größerer Verein werden.“

An diesem Mittwoch (15 Uhr) bestreiten die Frankfurter unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Testspiel gegen den FC Kazanka Moskau, das ist das U23-Team von Lok Moskau. Ob Alexander Meier nach langer Verletzungspause in der Begegnung zu einem Einsatz kommen wird, darüber hatte Kovac nach dem Training am Dienstag noch nicht entschieden. Mittelfeldspieler Omar Mascarell ist definitiv kein Kandidat für das Privatspiel. Seine Verletzung am Fuß – nach dem Köln-Spiel wurde eine schwere Prellung diagnostiziert – sei nicht besser geworden, hieß es am Dienstag.

Quelle: F.A.Z.
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