Aymen Barkok

„Mein Lachen ist wieder da“

Von Jörg Daniels, Frankfurt
 - 07:30

Niko Kovac, der Trainer der Frankfurter Eintracht, lässt Aymen Barkok nicht aus den Augen. Und der offensive Mittelfeldspieler stört sich nicht daran, wenn ihm Kovac wie im Testspiel gegen Aue (3:1) im Trainingslager in Spanien von außen reichlich Regieanweisungen oder ein Feedback gibt. „Der Trainer gibt mir immer Ratschläge wie: Dreh auf! Lass den Ball klatschen, oder orientiere dich nach vorne!“, sagt der 19-Jährige. Am Mittwoch beim Training in Frankfurt musste Barkok ohne die ihn begleitenden Kommentare seines Vorgesetzten auskommen.

Kovac – die Eintracht-Verantwortlichen arbeiten in diesen Tagen offenbar mit Hochdruck daran, den Vertrag mit ihrem Trainer vorzeitig über das Jahr 2019 hinaus zu verlängern – stand wegen einer Magen-Darm-Grippe nicht auf dem Platz, die Übungseinheit leiteten seine Assistenten Robert Kovac und Armin Reutershahn. Zur aktiven Trainingsgruppe gehörten auch Abwehrchef David Abraham (Hämatom in der Wade) und Ante Rebic (Erkältung) nicht. Der Einsatz von Abraham beim Rückrundenstart an diesem Samstag (15.30 Uhr) zu Hause gegen Freiburg wird damit immer unwahrscheinlicher.

„Ich bin nie abgehoben“

Und Barkok? Wird das große Talent nach sportlich wechselhaften Zeiten von Kovac einen Startplatz im ersten Pflichtspiel dieses Jahres erhalten? Ein Signal zu seiner Verwendung habe er noch nicht bekommen, berichtete Barkok. Der U-21-Nationalspieler darf optimistisch sein. Wieder nah dran an den ersten elf Spielern zu sein ist für ihn ein großer Fortschritt. Mit Beharrlichkeit und Fleiß hat sich Barkok aus seinem persönlichen Leistungsloch herausgearbeitet. Zehnmal fand er in dieser Runde keine Aufnahme in den Spieltagskader. Aber von Dezember an durfte sich der gebürtige Frankfurter dem Publikum wieder zeigen: erst 45 Minuten gegen Berlin, dann 81 gegen Bayern München und schließlich 45 gegen Hamburg und acht gegen Schalke 04. Barkok wird wieder spielend gebraucht. „Wenn man Selbstvertrauen kriegt, spielt man besser und lockerer“, sagt er. „Mein Lachen ist wieder da.“ Der Frankfurter Bub aus der Nordweststadt ist auf dem besten Weg, seine Unbekümmertheit, die ihn bei seinem Raketenstart in der Bundesliga ausgezeichnet hatte, zurückzuerlangen.

Gedanken über eine neue berufliche Perspektive zum Beispiel in Form eines Ausleihgeschäfts macht sich Barkok, der einen Vertrag bis zum 1. Juli 2020 hat, nicht mehr. „Ich hatte mal ein paar Überlegungen im Kopf, wenn ich das ganze Jahr nicht zum Einsatz kommen würde. Aber diese habe ich dann schnell verworfen“, sagt er. Und von Seiten der Eintracht wurde er mit diesem Thema schließlich auch nicht konfrontiert. „Auf mich ist keiner zugekommen und hat mir etwas vorgeschlagen.“ Im Herbst des zurückliegenden Jahres waren die Verantwortlichen allerdings hin- und hergerissen. Mitte September hatte Kovac bemängelt, dass Barkok seine großen Fähigkeiten zu wenig zeigen würde. Auch dessen riskante Spielweise in der eigenen Hälfte missbilligte der Cheftrainer. Für den technisch hochbegabten Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen sprach in den schweren Zeiten, dass er sein großes Potential wenigstens immer mal wieder andeutete.

F.A.Z.-Newsletter Familie
F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

Wie prachtvoll der Fußball-Rohdiamant Barkok glänzen kann, hatte er im November 2016 bewiesen. Seinem spektakulären Siegtor in Bremen (2:1) ließ er einen Monat später beim Derby zu Hause gegen Mainz (3:0) einen Treffer und eine Torvorlage folgen. Damals eroberte der Neue die Bundesliga im Sturm und wurde zum hochgeschätzten Senkrechtstarter. „Ich bin aber nie abgehoben und immer ich selbst geblieben“, sagt Barkok. Er hat dazugelernt und muss weiter dazulernen. „Ich soll nur zwei oder drei Ballkontakte haben und dann abspielen. Mit Dribblings soll ich mich vor allem im vorderen Drittel austoben.“ Die Konkurrenz ist groß. Warum soll Kovac also auf ihn setzen? „Ich kann den entscheidenden Pass spielen und in Eins-gegen-eins-Situationen gehen“, sagt Barkok.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenNiko KovacArmin ReutershahnAymen Barkok