Eintracht in der Umbaupause

Warten auf große Haie

Von Jörg Daniels
 - 08:21

Auf den Beutezug der Konkurrenz wäre Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic vorbereitet. Business as usual auf dem Fußball-Spielermarkt: Es sei ja immer möglich, dass „plötzlich ein Großer Interesse hat“, sagt Bobic zum Thema Abwerbeversuche durch andere Vereine. „Und es gibt eben große Haie, die mehr besitzen als wir kleinen Fische.“ Für den Fall eines solchen Angriffs, dass sich ein finanzstarker Klub in diesem Sommer die Dienste eines Frankfurter Profis sichern will, kündigte Bobic an, genau abwägen zu wollen, was die Eintracht „wirtschaftlich verantworten“ könne. Mit einer Summe zwischen wohl 25 und 30 Millionen Euro verfügt diese für ihre Verhältnisse aktuell über ein stattliches Investitionsvolumen für neues Personal.

Der zusätzliche Verkauf eines Spielers würde die Handlungsmöglichkeiten auf dem Transfermarkt noch einmal erhöhen. Nur ein großer Umbruch in der Mannschaft wäre nicht im Sinne von Bobic und der Eintracht, die nach dem Start der Saisonvorbereitung Anfang Juli mit ihrem neuen Trainer Adi Hütter ihr erstes Testspiel am 5. Juli (18 Uhr) beim südbadischen Verbandsliga-Klub Offenburger FV bestreiten wird. Der Pokalsieger muss bereits die Weggänge von Torhüter Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen) und Marius Wolf (Borussia Dortmund), zweier wichtiger Spieler, wegstecken.

Rebic auf der großen Bühne

Der Sportvorstand ist gespannt, was an Kaufinteressenten kommen wird. „In diesem Transfersommer kann zwischendrin immer mal was passieren“, meint er. Auf der großen Bühne Fußball-Weltmeisterschaft in Russland wird sich der Pokalheld Ante Rebic mit der kroatischen Nationalmannschaft präsentieren, sein Marktwert ist schon jetzt ordentlich gestiegen, und mit guten WM-Auftritten würde er das Interesse an seinen Fußball-Fähigkeiten weiter steigern. Allerdings würde eine berufliche Umorientierung von Rebic, der am Sonntag mit Kroatien im Testspiel gegen Brasilien in Liverpool 0:2 unterlag und dabei nach 64 Minuten ausgewechselt wurde, die Eintracht in ihrem Fortkommen erheblich schwächen.

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Neuer Eintracht-Coach„Natürlich stehe ich für offensiven Fußball“

In der Bundesliga mit seiner Abschlussstärke vor allem nach Einwechslungen in den Fokus gerückt ist auch der Serbe Luka Jovic (acht Saisontreffer). Im Alter von 20 Jahren wird der Frankfurter Angreifer in Russland nun zum ersten Mal an einem Großereignis teilnehmen. Jovic, das hat er schon mehr als einmal bewiesen, gehört sportlich die Zukunft. Das sollte auch der Maßstab für die Eintracht bei ihren Zukunftsplanungen sein. Als Profi der Frankfurter Eintracht hingegen könnte Marco Fabian schon bald der Vergangenheit angehören. Zwar endet der Vertrag des mexikanischen Nationalspielers, der beim 1:0-Testspielsieg gegen Schottland nach einer Stunde eingewechselt worden war, in Frankfurt erst am 1. Juli 2019, aber dessen vorzeitiger Wechsel wäre der Eintracht wohl eine Überlegung wert, wenn sie für ihn eine lukrative Ablösesumme erhalten würde. Gleiches dürfte für Mijat Gacinovic gelten, denn im Bundesliga-Spielbetrieb stagnierte der 23 Jahre alte Serbe zuletzt. Nun wurde er von Nationaltrainer Mladen Krstajic aus dem Aufgebot für die WM in Russland gestrichen. Für Gacinovic endete die Saison mit einem persönlichen Paukenschlag, weil sein „großer Traum“ auf der Zielgeraden zerplatzte.

Was wird aus Boateng und Mascarell?

Aus Spanien wird derweil ein Interesse an Eintracht-Führungsspieler Kevin-Prince Boateng kolportiert, der Erstliga-Klub UD Levante soll sich mit dessen Verpflichtung beschäftigen. Unter dem ehemaligen Trainer Niko Kovac schwang sich Boateng zum Leitwolf auf und neben dem Platz auf. Es kann also nicht im Interesse der Frankfurter sein, ihre dominante Spielerpersönlichkeit zu verlieren. Hütter, zu dessen Assistenztrainern Armin Reutershahn aus dem Trainerstab von Kovac gehören wird, muss vielmehr daran gelegen sein, möglichst schnell ein Vertrauensverhältnis zu Boateng aufzubauen. Der wiederum hat mit Kovac und seinem ehemaligen Mitspieler Wolf zwei persönliche Korsettstangen verloren.

Ob sich Hütter auch an den Fähigkeiten des Spaniers Omar Mascarell wird erfreuen können, wird sich zeigen. Die spanische Sportzeitung „Marca“ berichtet von einem Werben des FC Bayern München um den Mittelfeldspieler. Bei Mascarell besitzt Real Madrid in diesem Sommer eine Rückkaufoption in Höhe von vier Millionen Euro. Die Münchner und deren neuer Cheftrainer Kovac müssten sich damit gegebenenfalls an den Champions-League-Sieger wenden. So oder so: Hütter möchte mit derEintracht in der neuen Saison am liebsten „hohe Ziele“ verfolgen. Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und er werden „schauen, dass wir das Bestmögliche zusammenbekommen“, sagte er bei seiner Vorstellung in der Vorwoche. Zum Kreis möglicher Verstärkungen wird der Mittelfeldspieler Stefan Schwab, der Kapitän von Rapid Wien, gezählt. Er überzeugte in der abgelaufenen Runde mit zwölf Toren und acht Vorlagen.

Quelle: F.A.Z.
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