Eintracht-Spieler Hasebe

Eine respektvolle Geschichte

Von Ralf Weitbrecht
 - 08:10

Noch einmal zur WM. Für einen wie Makoto Hasebe wäre dies ein Traum. Zwei Mal schon hat der Fußballprofi der Frankfurter Eintracht an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Russland 2018 kann, ja soll seine dritte Teilnahme werden. Und, ganz ehrlich, was spricht dagegen? Hasebe ist ein untadeliger Sportsmann, der in seiner japanischen Heimat besondere Aufmerksamkeit erfährt: Er ist Kapitän der „Blaue Samurai“ genannten Nationalmannschaft.

Hasebe hat ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, als er über Gegenwart und Zukunft spricht. Auch die Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle, denn es war jener Tag in München, als Hasebe in höchster Not ein Gegentor verhindern wollte, bei seiner kühnen Rettungstat an den linken Pfosten prallte – und sich eine schwere Knieverletzung zuzog. Mitte März 2017 ist das gewesen. Doch nun – das Knie wurde seinerzeit operiert – sei alles wieder gut. Dem Japaner, der sich wie der Rest des Teams nach der Rückkehr aus dem Trainingslager an der Costa Blanca über eineinhalb freie Tage freuen kann und erst an diesem Dienstagnachmittag wieder die Vorbereitungen für das erste Bundesliga-Rückrundenspiel zu Hause gegen den SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr) aufnimmt, ist die Erleichterung darüber anzumerken. „Ich fühle mich viel besser. Jetzt muss ich auf dem Platz zeigen, dass ich fit bin.“ Schmerzmittel braucht er keine mehr, und so fühlt er sich wieder stark genug, um als freier Mann in der Abwehrkette, bei Bedarf aber auch davor auf der sogenannten Sechserposition, der Eintracht eine wertvolle Hilfe zu sein.

Eine besondere Ehre

Zum Abschluss des Trainingscamps unter spanischer Sonne ließ Trainer Niko Kovac seinen ältesten aktiven Profi – der am 17. Januar 35 Jahre alt werdende Alexander Meier war zu Hause geblieben und setzt nach seinen Rückschlägen und dem schon dritten Eingriff am Sprunggelenk weiterhin alle Kräfte in eine baldige Rückkehr in das Mannschaftstraining – als Libero agieren. Eine Rolle, die Hasebe gegen die Sachsen vom FC Erzgebirge Aue behagte und ihn kaum vor Probleme stellte. Besondere Ehre für den Mann aus Fernost: Er durfte die Eintracht auf der schmucken Sportanlage in San Pedro del Pinatar als Kapitän anführen.

Dass Hasebe nicht mehr der Jüngste ist und einen Tag nach Meiers 35. Geburtstag 34 wird, ist ihm bewusst. Trotzdem hat er die Hoffnung, dass sein im Sommer auslaufender Vertrag verlängert wird. Nicht nur in Japan, auch in Frankfurt ist die Zahl seiner Anhänger groß. Bei der Eintracht genießt Hasebe große Wertschätzung. Fredi Bobic sagte während des Trainingslagers an der Costa Blanca: „Makoto ist ein Top-Profi. Wenn er gesund ist, ist er ein unheimlich wichtiger Spieler für uns.“ Der Sportvorstand der Eintracht will sich mit dem Kapitän der japanischen Nationalmannschaft zeitnah zusammensetzen, um zu schauen, ob und wie eine weitere Zusammenarbeit aussehen könne. „Wir werden sehen, wie gesund und stabil er ist, und uns in den nächsten Wochen sicherlich auch über seine Zukunft unterhalten.“ Bobic sprach im Eintracht-Quartier in Campoamor von einer „sehr respektvollen Geschichte“ zwischen Spieler und Verein. Kein Geheimnis ist, dass Hasebe nach dem Ende seiner Karriere, in welcher Form auch immer, bei der Eintracht Unterschlupf finden soll. Denkbar wäre eine Art Markenbotschafter für Fernost. Doch so weit ist es noch nicht.

„Alles ist vorstellbar“

Hasebe würde gerne über den Sommer zeigen, dass er der Mannschaft auch künftig eine erstklassige Hilfe sein kann. Dabei will der zurückhaltende Japaner keinerlei Hektik aufkommen lassen. „Im Moment ist alles offen, ich fühle mich hier sehr wohl. Natürlich würde ich gerne weiter bei der Eintracht spielen“, sagte Hasebe, der sich fit genug fühlt, möglicherweise auch andere Herausforderungen anzunehmen. Fußball spielen in Japan, vielleicht aber auch in den Vereinigten Staaten – „alles ist vorstellbar“, sagt er.

„Wenn ich ein interessantes Angebot bekomme.“ Fest steht aber schon: Der Mittelpunkt seines Lebens nach dem Ende der aktiven Profizeit soll in Deutschland sein. „Meine Familie fühlt sich sehr wohl in Frankfurt und in Deutschland. Ich habe ja schon 100 Mal gesagt, dass ich nach der Karriere in Deutschland bleiben will.“ Bis dahin wird Hasebe noch so manches wichtige Spiel bestreiten. Im Dress der Eintracht – und mit Sicherheit auch als Anführer der japanischen Nationalmannschaft, mit der Hasebe in Russland eine gute Rolle spielen möchte. Dass in Frankfurt der Wunsch nach Eintracht-Spielen in Europa groß ist, weiß Hasebe. „Wir können träumen, müssen aber bescheiden bleiben.“

Träumen – das macht auch Branimir Hrgota. Ebenso wie Hasebe will der Schwede im Sommer dabei sein, wenn in Russland Weltmeister Deutschland seinen Titel verteidigen will. Dafür aber braucht er Einsätze in der Bundesliga, um noch den Sprung in das schwedische Nationalteam zu schaffen. Hrgota weiß, dass Sébastien Haller und Ante Rebic ihm bei der Eintracht ein Stück weit voraus sind. Doch als sich ihm im Testspiel gegen Aue die Chance bot, nach seiner Einwechslung in der 50. Minute Werbung in eigener Sache zu betreiben, nutzte er dies beherzt. Der am Freitag 25 Jahre alt werdende Hrgota erzielte in der 66. Minute den Treffer zum 2:0, und später sagte er nach dem 3:1-Sieg, der im XXL-Format über drei Mal 45 Minuten zustande gekommen war: „Der Trainer vertraut mir. Er will mich haben. Ich werde versuchen, meinen Platz zu kriegen. Ich will hier in Frankfurt spielen.“ Genau wie Hasebe.

Quelle: F.A.Z.
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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