Mainz 05

Müller im Tor, Adler auf der Bank

Von Daniel Meuren, Mainz
 - 17:19

Dieser Tage führte Sandro Schwarz ein Einzelgespräch mit einem seiner Spieler. Es ging vermutlich um die Drucksituation des Abstiegskampfs. Und dann überraschte der Trainer des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 seinen Spieler mit einer Frage: „Wie viele Gedanken hast du dir damals jeden Tag in der Schule gemacht, als es wichtig war, ein gutes Zeugnis nach Hause zu bringen?“ Der Spieler habe ihm dann geantwortet, dass er sich nicht so viele Gedanken gemacht habe. Und genauso soll sich der Spieler nun nicht allzu viel sorgen, wo er in der Bundesliga der schönsten Sache nachgehen könne. Er soll also die Gedanken an die gefährdete Versetzung beziehungsweise den drohenden Abstieg verdrängen und sich stattdessen einfach sagen: „Es ist nur Fußball, und das soll Spaß machen.“

Bundesliga

Schwarz erzählte vor dem Spiel gegen Schalke 04 an diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und im Eurosport-Player) bewusst von dem Dialog mit seinem Spieler. Der 39 Jahre alte Mainzer Trainer will Lockerheit in das Team des Tabellensechzehnten bringen, der zuletzt beim Spiel in Hamburg der außerordentlichen Situation eines Duells mit dem auf dem Abstiegsplatz rangierenden direkten Verfolger ausgesetzt war. In Hamburg merkte man den Mainzern die Last dieser Drucksituation ab dem Anpfiff, erst nach einem vom überragenden Torhüter Florian Müller abgewehrten Elfmeter und in Unterzahl infolge der Gelb-Roten Karte für Leon Balogun in der Schlussphase wirkten die Mainzer etwas befreiter in ihren Aktionen und verteidigten das torlose Unentschieden beherzt.

Und so soll das Team nun auch im Duell mit dem Champions-League-Anwärter aus Gelsenkirchen auftreten. „Wir müssen jedes Spiel als Chance und Herausforderung ansehen, etwas gewinnen zu können, und dürfen nicht Angst haben, etwas verteidigen zu müssen oder gar verlieren zu können“, sagt Schwarz. Die Herausforderung Schalke 04 kommt freilich mit dem Rückenwind einer kleinen Siegesserie nach Mainz. Drei Erfolge haben den Klub des früheren Mainzer Managers Christian Heidel auf Rang zwei geführt, verantwortlich dafür war vor allem die gute Defensivorganisation der Schalker. „Sie spielen ein aggressives Pressing, sind aber auch hinten schnell wieder organisiert, wenn du sie mal überspielst“, sagt Schwarz. „Durch Bentaleb, Meyer oder auch die Tiefenläufe von Goretzka, so er spielen kann, haben sie im Umschalten viele Möglichkeiten.“

Die Mainzer werden deshalb versuchen, Schalke die Initiative im Spiel zu überlassen. Denn im Herausspielen von Torchancen aus eigenem Ballbesitz sind die Schalker nicht unbedingt die stärksten. „Es wird Phasen im Spiel geben, in denen Schalke viel Ballbesitz haben wird. Aber unsere defensive Stabilität dürfen wir uns nicht erhoffen, indem wir allein tief hinten drin stehen. Wir müssen Schalke auch beschäftigen.“

Zu Stabilität soll zudem beitragen, dass abermals Florian Müller im Tor stehen wird. Der erst 20 Jahre alte Schlussmann hatte in Hamburg ein glänzendes Bundesligadebüt erlebt und soll mit diesem Schwung nun abermals Sicherheit ausstrahlen. Der wieder genesene René Adler, vor der Saison als erfahrener Rückhalt verpflichtet, muss deshalb auf der Bank Platz nehmen. Der ehemalige deutsche Nationaltorwart wäre nach viermonatiger Verletzungspause und überstandener Grippe eigentlich erstmals wieder einsatzfähig. „Wir haben das mit der Leistung aus dem Hamburg-Spiel begründet und keine Notwendigkeit gesehen, einen abermaligen Wechsel zu veranstalten“, sagte Schwarz. „René Adler hat mit Verständnis reagiert. Er hat nach seiner Verletzung und einer Grippeerkrankung noch keinen Rhythmus, und nach Flos Leistung in Hamburg war es einfach logisch, dass wir so entscheiden.“ Die Entscheidung für Müller gilt nach Worten von Schwarz nicht ausschließlich für dieses eine Spiel. „Wir haben erst mal keine Veranlassung, weitere Torwartwechselspielchen zu veranstalten. Aber das Leistungsprinzip gilt natürlich weiterhin.“

Jenes Leistungsdenken müssen die Mainzer auch bei ihrem früheren Macher Heidel akzeptieren. Der 54 Jahre alte gebürtige Mainzer will trotz der misslichen Lage seines Herzensvereins Mainz 05 kein Mitleid gelten lassen, nachdem Schalke schon die bisherigen drei Duelle der Ära Heidel gegen Mainz 05 gewonnen hatte. „Ich weiß, dass wir den Mainzern weh tun müssen, das ist alles andere als angenehm“, sagte Heidel. Für den Fall eines weiteren Sieges will Heidel mit seinen Schalkern aber immerhin in den kommenden Wochen Schützenhilfe leisten gegen Mainzer Konkurrenten im Abstiegskampf.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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