Ringen

Nur scheinbar komfortabler Vorsprung für Mainz 88

Von Daniel Meuren, Mainz
 - 23:03

In der Ringerszene wird darüber gestritten, was die nun in ihre entscheidende Phase eintretende Bundesligasaison wert war. Der Wettbewerb stand schließlich im Zeichen der Abspaltung von fünf Topklubs, die parallel zur Bundesliga in der privat organisierten Deutschen Ringerliga (DRL) ihre Kräfte messen. Statt Vereinen wie dem Vorjahresmeister Germania Weingarten, dem ASV Nendingen, Serienmeister der vorangegangenen Jahre, oder dem Traditionsverein VfK Schifferstadt fanden sich die Ringer des ASV Mainz 88 plötzlich als einziger verbliebener Bundesligaklub neben dem KSV Köllerbach und TuS Adelhausen in einer auf Verbandswillen um die gesamte zweite Bundesliga aufgeblähten Liga mit drei Siebenerstaffeln wieder.

Der sportliche Wert der Vorrunde war entsprechend niedrig, da für eine festgelegte Quote von sechs Deutschen pro Zehnerteam schlicht und ergreifend die Qualität an Ringern mit deutscher Staatsangehörigkeit fehlt, um gegen ausländische Weltklasseringer bestehen zu können. Spannende Kampfabende und hochklassige Duelle gleichwertiger Gegner waren entsprechend bis hin zu desaströs einseitigen Play-off-Duellen in Achtel- wie Viertelfinale Mangelware, was die Rufe nach einer Wiedervereinigung mit der DRL lauter werden ließ. Dennoch gab es von Liganeulingen wie Nackenheim oder Aue durchweg positive Saisonbilanzen. Jene Play-off-Teilnehmer, die ohne die Vergrößerung der Liga nicht erstklassig gerungen hätten, haben in ihren Regionen einen Aufschwung festgestellt.

Nuancen werden entscheiden

Nun im Halbfinale atmet die Ringerwelt endgültig auf: Endlich geht es auf höchstem Niveau um alles beim Rückkampf zwischen Mainz 88 und Wacker Burghausen am Samstag (19.30 Uhr), einem ebenfalls erst durch die Reform in die Erstklassigkeit zurückgekehrten und erstaunlich finanzstarken Verein. „Da geht es in jedem Kampf in jeder Sekunde um Nuancen, die entscheiden“, sagt der Mainzer Trainer David Bichinashvili, der wie im Hinkampf in der Vorwoche vermutlich trotz seiner 42 Jahre wieder selbst auf der Matte zu sehen sein wird. Als einziger Neuling neben den Alt-Bundesligaklubs aus Adelhausen, Köllerbach und eben Mainz ist Burghausen ins Halbfinale vorgedrungen. In der vermutlich ausverkauften Halle am Großen Sand im Mainzer Stadtteil Mombach gehen die Rheinhessen, 2013 letztmals deutscher Meister, mit einem 14:10-Vorsprung auf die Matte, der nur scheinbar komfortabel ist.

Den Burghausenern kommen die Wechsel in Stilarten und Gewichtsklassen entgegen, zumal die Mainzer womöglich auf zwei Weltklasseringer verzichten müssen. Der Greco-Ringer Mark Madsen tritt am Samstag zu einem MMA-Kampf in seiner dänischen Heimat an, das Fehlen von Soner Demirtas im Hinkampf heizte Spekulationen bezüglich einer Verletzung des türkischen Freistilspezialisten an. „Egal, wer am Ende für uns kämpft: Entschieden wird alles auf der Matte“, sagt David Bichinashvili. Spätestens dann enden auch die Diskussionen um die Qualität der Bundesliga.

Ringen im Selbstversuch
Am Boden und in der Luft
© Wonge Bergmann, FAZ.NET
Quelle: F.A.Z.
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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