Offenbacher Kickers

„15000 Euro sind ein interessanter Betrag“

Von Jörg Daniels, Offenbach
 - 07:24

Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz boykottieren wohl jeweils das Testspiel an ihren spielfreien Tagen gegen die chinesische U20-Nationalmannschaft in der Rückrunde der kommenden Saison. Gibt die Regionalliga Südwest ein gutes Bild nach außen ab?

Das vom Deutschen Fußball-Bund gemachte Angebot muss jeder Verein individuell für sich bewerten. Die große Mehrheit macht jetzt mit. Aber es gibt natürlich auch Gründe, die gegen das Projekt sprechen. Wenn zum Beispiel ein wirtschaftlicher Nachteil für einen Verein entsteht. Dann ist es legitim, sich dagegen zu entscheiden.

Wer befürchtet einen wirtschaftlichen Schaden?

Die Kollegen aus Koblenz habe ich so verstanden, dass dort Fans zum Beispiel von Dauerkartenkäufen für die Saison absehen würden, wenn sich ihr Klub an der Sache beteiligt.

Auch Anhänger der Offenbacher Kickers kritisieren das Projekt.

Ich kann viele Punkte auch verstehen, ich habe mit unseren relevanten Fans gesprochen. Was ich jedoch gut fand, war, dass sie herausgehoben haben, dass sich ihre artikulierte Kritik gegen den DFB und nicht gegen den eigenen Verein und dessen Entscheidung richtet. Diese Einstellung ist sehr lobenswert, und ich zolle dem höchsten Respekt. Wir haben bisher gut 2000 Dauerkarten verkauft. Auf unsere normalen Saisonspiele wird die Sache keine Auswirkungen haben. Wie das dann am vorletzten Spieltag bei der Partie gegen die Chinesen sein wird, kann ich natürlich nicht vorhersehen. Es wäre sozusagen unser letztes Saisonheimspiel außer Konkurrenz.

Wie viele Zuschauer könnte diese Begegnung in Offenbach anlocken?

Aus dem Bauch heraus vielleicht 3000 bis 4000. In unserem Fall könnte das ein schöner Saisonausklang mit verschiedenen Aktionen werden. Man könnte die chinesische Community miteinbeziehen.

Als Garantiesumme erhält jeder Klub 15000 Euro für dieses Spiel. Hätten Sie das auch gemacht, wenn es kein Geld dafür gegeben hätte?

Dann hätte ich mich schwerer damit getan, so ehrlich muss ich sein. In unserer Liga und in unserer wirtschaftlichen Situation – es ist ja kein Geheimnis, dass wir aus einer abgewendeten Insolvenz kommen – sind die 15 000 Euro schon ein wichtiger Punkt. Und mit unserer Stadioninfrastruktur, der Miete und dem Ordnungsdienst, sind die Kosten bei uns intensiver als in Stadtallendorf, ohne das despektierlich zu meinen. Uns war es deshalb wichtig, dass wir diese Kosten zusätzlich anmelden können – und dass die Summe von mindestens 15 000 Euro auch netto hängenbleiben wird.

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Ursprünglich sollte es auch in der Hinrunde Testspiele gegen die Chinesen geben. Wurde das auf Druck der Klubs geändert?

Das war eher überraschend für uns. Es muss wohl erst am Montag so entschieden worden sein. Ich finde die jetzige Lösung deutlich besser – zumal es jetzt für dieses eine Spiel die 15 000 Euro gibt.

Auch die Fußballanhänger der Traditionsvereine wie Offenbach, Mannheim, Saarbrücken und Kassel haben den Ausverkauf des Fußballs mit dem Projekt kritisiert und die Menschenrechtsverletzungen in China angeprangert. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Zu einem gewissen Teil, ja. Wäre es jetzt eine bulgarische oder slowakische Mannschaft, würde es trotzdem auch dagegen kritische Stimmen geben. Der entscheidende Punkt ist, dass in so einer globalen Kommerzialisierung eine eher allgemeine politische Kritik hinter der Sache steckt. Aus Fansicht kann man das auch verstehen. Ich muss hingegen eher die wirtschaftlichen Interessen für unseren Klub berücksichtigen.

Sollte das Projekt mit den Chinesen Schule machen und Nachahmer finden?

Das ist für mich nicht vorstellbar. Als einmalige Sache mit unserer 19er-Liga ist es im Rahmen einer transnationalen Kooperation in Ordnung. Alles andere fände ich zu viel des Guten.

Generell kann Sie die finanzielle Unterstützung durch den DFB in der Regionalliga nicht zufriedenstellen, oder?

15000 Euro sind für einen Regionalligaverein schon Geld. Der Aussage von DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann am Dienstag kann ich nicht ganz zustimmen. Er hatte gesagt, dass es für manche Klubs sehr viel Geld, für die anderen aber nur eine Kontobewegung sei. Ich glaube, dass die 15 000 Euro ein interessanter Betrag auch für die großen Regionalligavereine sind. Die Summe ist vergleichbar mit der Unterstützung durch einen kleinen bis mittleren Sponsor. Grundsätzlich ist das Bemühen ein bisschen da, die Regionalliga wirtschaftlich zu stärken. Es gibt einen neuen TV-Vertrag, jede Woche wird nun am Montag ein Regionalligaspiel auf dem alten Zweitliga-Sendeplatz gezeigt. Aber es ist und bleibt natürlich schwierig.

Sie sagten mal, mit dem Fernsehgeld können die Klubs gerade die Schiedsrichterkosten decken.

Das wird jetzt ein Tick mehr durch die neuen Live-Spiele. Im Vergleich zu den Lizenzligen ist dieser Betrag aber vernachlässigbar. Als Klub in der Regionalliga wirtschaftlich zu überleben ist auf jeden Fall schwer.

Das Gespräch führte Jörg Daniels.

Quelle: F.A.Z.
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