DFB droht hohe Strafe

Beckenbauer gehört zu Zeugen der Staatsanwaltschaft

Von Michael Ashelm
 - 14:25

Der WM-Skandal um den dubiosen Geldfluss von 6,7 Millionen Euro zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 könnte für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) weitere finanzielle Folgen haben. So hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt im Strafverfahren gegen die beiden früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie die ehemaligen Generalsekretäre von DFB und Internationalem Fußball-Verband (Fifa), Horst R. Schmidt und Urs Linsi, die Nebenbeteiligung des Verbandes beantragt. Dies sei im Strafrecht möglich, wenn eine leitende Person der Institution eine Straftat begangen habe. Werde Vorsatz festgestellt, könne das Gericht eine Geldbuße bis zehn Millionen Euro verhängen, bestätigte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen gegenüber der F.A.Z. Im Fall von fahrlässiger Begehung könnte es bis zu fünf Millionen Euro teuer werden.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag die Anklage gegen vier ehemalige Fußballfunktionäre – wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Gegen Franz Beckenbauer, den einstigen Präsidenten des deutschen WM-Organisationskomitees, sei in diesem Zusammenhang nicht ermittelt worden, weil dieser keine Verantwortung für die Steuererklärungen gehabt habe. Delikte wegen Bestechung wurden offenbar nicht näher geprüft, weil sie schon verjährt waren.

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gehört Beckenbauer aber wie sein ebenfalls ins Zwielicht geratener ehemaliger WM-OK-Kollege Fedor Radmann zu den 40 benannten Zeugen der Staatsanwaltschaft. Es ist davon auszugehen, dass das Landgericht Frankfurt in den nächsten Wochen oder Monaten nach einer Prüfung ein Verfahren eröffnen wird. Ob Beckenbauer als Zeuge aussagen muss, ist eine offene Rechtsfrage. Dazu ist er womöglich nicht verpflichtet, weil er sich nicht selbst belasten muss. Auch von der Schweizer Bundesanwaltschaft wird im WM-Skandal gegen ihn sowie Radmann ermittelt.

Niersbach müsste sich nach Aussage der Frankfurter Staatsanwaltschaft möglicherweise einem zusätzlichen Verfahren stellen. Denn nach dem Abschlussbericht der Frankfurter Steuerfahndung, welcher der Anklage zugrunde liegt, sollen unter seiner DFB-Präsidentschaft Dokumente, Archivunterlagen und Mails gezielt gelöscht, zerstört oder entwendet worden sein.

Quelle: F.A.Z.
Michael Ashelm
Redakteur in der Wirtschaft.
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