Triathletin Laura Philipp

Über den Römerberg nach Hawaii

Von Alex Westhoff
 - 08:07

Sie ist das Paradebeispiel für eine erfolgreiche Quereinsteigerin. Laura Philipp kann weder auf eine langjährige Basis im Schwimmen, noch im Radfahren oder Laufen bauen – und ist dennoch eine ausgezeichnete Triathletin geworden, die sich am 8. Juli das erste Mal auf eine Langdistanz wagen wird. Natürlich in Frankfurt, quasi vor der Haustüre für sie. In weniger als sechs Wochen ist es wieder so weit: Über 3000 Athleten stellen sich der sommerlichen Mammutaufgabe Ironman, werden 3,8 Kilometer durch den Langener Waldsee schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und einen finalen Marathonlauf am Mainufer angehen. Beim Ironman Frankfurt will Laura

Philipp dem größten Publikum, das sie je hatte, zeigen, dass auch verschlungene Pfade ans Ziel führen können. Natürlich will die 31-Jährige nicht nur den Zielstrich auf dem Römerberg erreichen, sondern hat als Profi auch im Blick, dass mindestens Platz sieben die Qualifikation für die Weltmeisterschaften auf Hawaii bedeutete. „Ich muss mich an meinen Plan halten und an meinen Fähigkeiten orientieren. Den Druck kann ich auf jeden Fall bei den Favoritinnen abladen“, sagte Laura Philipp bei einer vom Frankfurter Titelsponsor ausgerichteten Veranstaltung am Montagabend.

„Fest des Langstrecken-Triathlons“

Mit Triathlon-Topstar Daniela Ryf, der dreimaligen Hawaii-Siegerin, führt die dominierende Kraft der Szene das stark besetzte Frauenfeld an. Auch die australische Titelverteidigerin Sarah Crowley ist wieder in Frankfurt am Start. Bei den Männern wird das große deutsch-deutsche Duell der Weltmeister der vergangenen beiden Jahre Jan Frodeno und Patrick Lange – im Fokus stehen. In Abwesenheit von Vorjahressieger Sebastian Kienle sind mit dem Freiburger Andreas Böcherer und dem Schweden Patrik Nilsson der Zweit- und Drittplazierte von 2017 wieder dabei. Björn Steinmetz, Geschäftsführer von Ironman Deutschland, spricht angesichts der vielen Weltklasseathleten im 2018er-Starterfeld bei Männern und Frauen von einem „Fest des Langstrecken-Triathlons“.

Dennoch werden bei den Europameisterschaften auch viele Blicke auf die Heidelbergerin mit der spannenden Athletenlebensgeschichte gerichtet sein. Bislang war Laura Philipp auf der Mitteldistanz sportlich zu Hause. Und ist dort, nachdem sie 2016 Profi geworden ist, zur Seriensiegerin geworden. Bei zehn ihrer letzten zwölf Starts erreichte sie als Erste das Zielband. Die beiden jüngsten Triumphe innerhalb von vier Wochen bei den 70.3-Rennen in Marbella und am vergangenen Sonntag in St. Pölten (Sieg in Streckenrekordzeit) belegen eine stabile Topform. Bei den 70.3-Weltmeisterschaften im Vorjahr schaffte sie es als Dritte aufs Podium. Sie fühlt sich zwar der Mitteldistanz nicht entwachsen, aber der Schritt hin zur Königsdisziplin erscheint nicht sonderlich gewagt angesichts des Fundaments, das sie gelegt hat.

„Kraulen habe ich mir selbst beigebracht“

In jungen Jahren eher unbewusst, wie sie schmunzelnd erzählt. 30 Kilometer je Strecke betrug einst ihr Schulweg, der durchs Neckartal führte. Und weil die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln umständlich war, beschloss sie, die Distanz täglich bei jedem Wetter mit dem Rad zu bewältigen. Die Grundlage für ihr heutiges Tun war gelegt – und den Rest eignete sie sich in Eigenregie – „Kraulen habe ich mir selbst beigebracht“ – und später mit professioneller Hilfe an.

Es gibt wohl nichts Motivierenderes für einen Ausdauerathleten als regelmäßige enorme Leistungssprünge, wie sie Laura Philipp erlebt, nachdem sie vor zwei Jahren ihren Job als Physiotherapeutin zugunsten des Sports aufgegeben hat. „Ich bin ja noch immer recht frisch dabei und habe noch viel Entwicklungspotential“, sagt Laura Philipp. „Ich verbessere mich noch in großen Schritten und bin neugierig, wo mich das hinführt. Es fühlt sich jedenfalls nicht so an, als sei ich schon nahe an meinem Limit.“ Trainiert wird die Athletin von ihrem Mann Philipp Seipp. Gerade in so einer aufwendigen Sportart wie Triathlon müsse man sich in dieser Konstellation gegenseitig öfter zu einem Themawechsel oder zum Feierabendmachen ermahnen, so Laura Philipp, die in der Spitze 32 Stunden und im Schnitt zwischen 20 und 25 Stunden wöchentlich trainiert für ihr großes Ziel in Frankfurt. Ein Langdistanz-Debüt habe immer „ein paar Variablen. Ich bin noch nie 180 Kilometer Rad gefahren oder mehr als 30 Kilometer gelaufen. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf den 8. Juli“, sagt Laura Philipp.

Überwiegend vegane Kost

Die Radstrecke wird wie im Vorjahr (da war sie „nur“ 177 Kilometer lang) auch 2018 nicht den exakten Vorgaben entsprechen. Wegen Baustellen muss der Ironman-Tross Karben umfahren und kommt so auf 185 Kilometer. Immerhin kehrt mit der sogenannten „Burg-Meile“ in Friedberg ein stimmungsvolles, weil bei den Zuschauern beliebtes Teilstück wieder ins Programm zurück. Laura

Philipp, die sich überwiegend vegan ernährt, hat ihren Umstieg auf die Langdistanz von langer Hand geplant. In den vergangenen beiden Jahren hat sie als Teamchefin und Teilnehmerin einer Sponsoren-Staffel schon ein Gespür für die Frankfurter Strecke bekommen. Im vergangenen Oktober dann bei ihrem Besuch der WM auf Hawaii war der Entschluss reif: „Dort hat es mich dann richtig gepackt und ich konnte plötzlich verstehen, warum jeder sagt, dass dies etwas ganz Besonderes ist.“

An diesem Sonntag folgt für sie der letzte Test beim 70.3 Kraichgau. Und dann ist die Sicht frei auf den 8. Juli in Frankfurt. Dann gibt es für die Quereinsteigerin kein Zurück mehr.

Quelle: F.A.Z.
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