World Cup in Frankfurt

„Darts boomt bei uns“

Von David Lindenfeld
 - 08:07

Als am Sonntagabend die Halbfinalspiele beim World Cup of Darts ausgetragen wurden, war das deutsche Duo längst abgereist. Wieder platzte im Viertelfinale der große Traum des Idsteiners Max Hopp und seines Partners Martin Schindler, beim World Cup of Darts in der Frankfurter Eissporthalle für eine Überraschung zu sorgen. Wieder waren die übermächtigen Niederländer Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld der Stolperstein für das junge deutsche Duo. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als die Deutschen im Viertelfinale nur knapp am späteren Sieger scheiterten, der in diesem Jahr wieder triumphierte, blieben Hopp und Schindler diesmal chancenlos.

Und das, obwohl vor allem Schindler im Einzel gegen van Gerwen eine gute Partie spielte und mit seinen drei Darts im Schnitt 110 Punkte pro Aufnahme warf. Ein höherer Durchschnitt als der Weltranglistenerste, der jedoch bei den entscheidenden Würfen auf die Doppelfelder, mit denen die Spieler sich am Ende eines Spiels auf null bringen müssen, eine deutlich bessere Quote vorweisen konnte.

„Viel Erfahrung und gute Nerven“

Dartsexperte Gordon Shumway, der unter dem aus der Fernsehserie „Alf“ bekannten Künstlernamen jahrelang als Caller der Professional Darts Corporation (PDC) aktiv war und am Sonntag das Finale beim TV-Sender Sport1 kommentierte, war trotz des Ausscheidens zufrieden mit der Leistung des deutschen Duos: „Zweimal hintereinander ins Viertelfinale zu kommen ist eine tolle Leistung. Man darf nicht vergessen, dass beide noch sehr jung sind. Dafür haben sie schon eine Menge Erfahrung und gute Nerven.“

Dass die beiden 21 Jahre alten Dartsprofis es wieder ins Viertelfinale geschafft und dabei Nordirland mit dem Weltranglistenfünften Daryl Gurney bezwungen haben, ist Shumway zufolge ein Beleg dafür, dass der deutsche Dartssport auf einem guten Weg ist. Die deutliche Niederlage gegen die Niederlande zeigt jedoch auch, dass die Weltspitze noch ein gutes Stück entfernt ist. „Wir sind hinter den anderen Nationen in der Entwicklung dreißig Jahre zurück“, sagt Shumway mit Blick auf England und die Niederlande, wo der Sport schon länger große Popularität genießt und junge Spieler von klein auf in Akademien und Leistungszentren gefördert werden.

In Deutschland fehlen solche Strukturen zur Nachwuchsförderung noch – das Interesse an der Konzentrationssportart ist zuletzt jedoch immer größer geworden: Das diesjährige WM-Finale verfolgten im Schnitt 2,15 Millionen Zuschauer beim TV-Sender Sport1. Erst kürzlich wurde beim German Darts Masters mit 20.100 Besuchern in der Schalker Fußballarena ein Zuschauerrekord aufgestellt. „Wir sind jetzt die dritte Nation auf der Welt, wo der Sport richtig boomt, aber wir sind nach wie vor noch am Anfang“, sagt Shumway.

Das Feld für die Sponsoren aufbereiten

Er hofft, dass die Sportart aufgrund der größeren medialen Aufmerksamkeit in Zukunft attraktiver für potentielle Sponsoren wird, die die deutschen Spieler seiner Meinung nach benötigen, um in der „Order of Merit“, der Weltrangliste der PDC, weiter nach vorn zu kommen und bessere Ergebnisse zu erzielen. „Man muss sehr viel trainieren und vor allem konstant gegen gute Leute spielen, deshalb bin ich froh, dass Hopp und Schindler mittlerweile fast jedes Wochenende in England sind und bei Turnieren mitspielen“, sagt der Dartsexperte.

Viele deutsche Spieler können es sich momentan allerdings nicht leisten, zu den vielen Wettbewerben zu reisen, um sich mit den Besten der Welt zu messen. Wer an allen 41 Turnieren der PDC Pro Tour teilnehmen will, von denen ein Großteil in England stattfindet, benötigt rund 40.000 Euro für die Reisekosten. „Es ist eigentlich unmöglich, das zu finanzieren, wenn man keine Sponsoren hat“, sagt Shumway, der optimistisch ist, dass sich das in der Zukunft ändern könnte: „Da das mediale Interesse jetzt so groß ist, denke ich, dass auch immer größere Firmen kommen werden, die Geld in den Sport stecken, um ihre Produkte vermarkten zu können.“

Hopp möchte in die Weltspitze

Die Entwicklung von Max Hopp, der sich nach seiner schwachen Phase im Jahr 2017 zuletzt in guter Form präsentierte und bei den German Darts Masters 2018 sein erstes großes Turnier gewann, zeigt laut Shumway, was mit finanzieller Unterstützung durch Sponsoren und der damit verbundenen gesteigerten Anzahl an Turnierteilnahmen möglich ist.

Nach seinem ersten großen Erfolg ist das Selbstvertrauen bei Hopp derzeit größer als je zuvor: „Ich bin auf dem Weg zurück. Ich hatte letztes Jahr einen extremen Hänger, aber ich weiß, woran es gelegen hat, habe daran gearbeitet und mich verbessert. Jetzt hoffe ich, dass es noch besser wird, weil ich irgendwann mal in die Weltspitze möchte und nicht irgendwo auf Platz 40 stehen bleiben will“, sagt Hopp, der zuletzt angekündigt hatte, van Gerwen irgendwann als Nummer eins ablösen zu wollen.

Auch was den World Cup of Darts betrifft, hat der 21 Jahre alte Idsteiner einen großen Wunsch: „Ich kann mir keinen besseren Partner als Martin vorstellen und hoffe, dass wir die nächsten zehn Jahre auch noch zusammenspielen werden. Und ich würde mir wünschen, dass uns irgendwann der ganz große Coup gelingt und wir als Team Weltmeister werden.“

Quelle: F.A.Z.
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