Frankfurter Flughafen

Streit um Bodendienste eskaliert

Von Jochen Remmert, Frankfurt
© dpa, F.A.Z.

Die Unruhe ist groß unter den rund 1300 Mitarbeitern der Frankfurter Tochter des spanischen Mischkonzerns Acciona. Sie fürchten, im Verlauf des Streits um die Aufträge zur Abfertigung von Flugzeugen am Frankfurter Flughafen in Zukunft unter schlechteren Bedingungen arbeiten zu müssen oder ihre Arbeitsplätze ganz zu verlieren. Deshalb wollen sie am Montag in Wiesbaden vor dem hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium protestieren.

Parallel dazu hat die Acciona Deutschland beim Verwaltungerichtshof in Kassel Klage gegen die Auswahlentscheidung des hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsministeriums eingereicht, durch die nicht mehr sie, sondern nun die Frankfurter Wisag Aviation Service GmbH für die Dienstleistungen rund um die Flugzeuge verantwortlich ist. Die Klage der Acciona vor dem Verwaltungsgerichtshof hat nach Angaben des Ministeriums aufschiebende Wirkung. Die Wisag wird also womöglich nicht wie geplant zum November anstelle der Acciona mit der Arbeit beginnen.

Nichts verbindlich zugesagt

Das hessische Verkehrsministerium ist in diese Vergabe nach einer europaweiten Ausschreibung als sogenannter Ersatzentscheider involviert, weil der Flughafenbetreiber Fraport selbst auch als Anbieter für Bodenverkehrsdienste die Fluggesellschaften bedient.

Die Wisag wiederum hatte zuvor gegen die vorherige Vergabe an die Acciona geklagt und auf diese Weise die neuerliche Auswahlentscheidung herbeigeführt. Das Verwaltungsgericht sah es damals nach Angaben der Wisag-Anwälte als erwiesen an, dass das Land gegen die Pflicht zur Offenlegung wesentlicher Entscheidungskriterien für die Auswahl verstoßen habe.

Generell werden die Bodendienste, worunter vor allem das Be- und Entladen der Flugzeuge, die Reinigung und das Betanken zu verstehen ist, spätestens alle sieben Jahre neu ausgeschrieben. Die EU will so den Wettbewerb auf dem Vorfeld der Flughäfen stärken. Nach der Vergabeentscheidung zugunsten der Wisag hatte deren Chef Michael Wisser zwar öffentlich zugesichert, alle Mitarbeiter der Acciona übernehmen zu wollen und die Entgelte nicht zu senken. Im Betriebsrat der Acciona herrscht allerdings trotzdem großes Misstrauen. Wisser habe zwar in der Öffentlichkeit angekündigt, Tarifverhandlungen führen zu wollen, bislang habe die Wisag aber nichts verbindlich zugesagt.

Al-Wazir weißt Vorwurf zurück

Daher fürchteten die Acciona-Mitarbeiter, dass sich die Arbeitsbedingungen verschlechtern würden, wenn man unter das Dach der Wisag wechselte. Bei der Acciona hätten die Mitarbeiter dagegen seit 17 Jahren faire und durch einen Tarifvertrag geregelte Arbeitsbedingungen. Die Arbeitsbedingungen seien auf dem Vorfeld ohnehin schon sehr hart. Aber man habe sich die Vereinbarungen gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi hart erkämpft, argumentiert der Betriebsrat. Das Erreichte werde nun vom Ministerium mit der jüngsten Vergabe der Abfertigungskonzession an ein nicht tarifgebundenes Unternehmen zunichtegemacht.

In einem direkt an den Minister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) gerichteten Schreiben kritisiert der Betriebsrat der Acciona die Entscheidung des Ministeriums scharf. Aus seiner Sicht sei die Entscheidung gegen Acciona gefallen, weil die Wisag massive Lobbyarbeit betrieben und sich öffentlich erfolgreich inszeniert habe.

In seinem Antwortschreiben, das dieser Zeitung vorliegt, weist der Minister den Vorwurf entschieden zurück, sein Ministerium würde sich in solchen Entscheidungen durch Lobbyarbeit und öffentlichen Inszenierungen eines Bewerbers beeinflussen lassen.

Nur in der Luft wird Geld verdient

Sein Haus sei vielmehr immer ganz besonders auf ein transparentes und faires Verfahren bedacht. Die Entscheidungen würden ausschließlich nach Sachgründen und mit besonderer Sorgfalt gefällt. Das sei auch in diesem Fall so gewesen.

Der Tarifstreit und die Turbulenzen um die Neuvergabe der Konzession für die Bodenabfertigung in Frankfurt ist ein heikler, aber nur kleiner Teil der Großbaustelle Bodenverkehrsdienste an deutschen Flughäfen. Denn ohne diese Dienstleistungen funktioniert zwar kein Flugbetrieb, aber sie sind ausgesprochen personalintensiv und ertragsschwach.

Die Sparte steht erheblich unter Druck: Zum einen wollen Fluggesellschaften sparen und verlangen stetig niedrigere Entgelte. Zum anderen fordern sie immer kürzere Umdrehzeiten von den Bodenverkehrsdiensten. Denn für die Airlines gilt: Nur ein Flugzeug in der Luft verdient Geld. Jede Minute am Boden kostet dagegen. Zwischen der Landung und dem Starten (Turn Over) liegt im Idealfall eine halbe Stunde, im Normalfall eher eine Dreiviertel - bis eine Stunde – und nicht selten zwei Stunden.

Quelle: F.A.Z.
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