Kommentar

Superstau in der Wetterau

Von Thorsten Winter
 - 12:22

Bevor wir zum Thema kommen, halten wir fest: Außer einem selbst sind nur noch Leute auf den Autobahnen unterwegs, die lieber die Bahn nehmen sollten. Ganz im Ernst: Im November und Dezember tummeln sich besonders viele von dieser Sorte auf der A5, der A3 oder auch der A661. Zumindest erlebt der Pendler eine erhöhte Zahl an Unfällen und Staus. So wie am Mittwoch in der Wetterau. Bis in die Nacht bildeten Autos und Lastzüge von Frankfurt bis Friedberg einen Superstau von bis 25Kilometern Länge. Manch ein Autofahrer brauchte dadurch viereinhalb Stunden statt 45 Minuten für den Heimweg.

Drei Lastwagen waren ineinander gefahren und blockierten alle drei Fahrspuren. Als Ursachen gibt die Polizei schlechtes Wetter und viel Verkehr an. Das klingt harmlos, verlangt jedoch genau deshalb einen zweiten Blick auf die Vorgänge.

Ein Naturgesetz?

Zugegeben: Im November ist auf den Autobahnen mehr los als in den Wochen zuvor. Schließlich sind keine Ferien mehr und kaum jemand nimmt in dem grauen Monat länger Urlaub. Doch erklärt das sicher nicht die Unfälle. Eine höhere Zahl von Autos bedeutet nicht automatisch ein höheres Unfallrisiko. Womit der Faktor Mensch ins Spiel kommt: Vermutlich sei ein Lastwagen-Fahrer aufgefahren und habe so den Unfall ausgelöst, heißt es bei der Polizei. Gemeint ist sicher, er sei zu dicht aufgefahren. In der Folge habe es bei Schneeregen mehrfach gekracht.

Da drängt sich die Frage auf, ob hier ein Naturgesetz vorliegt. Ob also zu dichtes Auffahren sozusagen gottgegeben ist, zumal bei nasser Fahrbahn und schlechter Sicht. Ein Nein als Antwort dürfte nicht gewagt sein. Hat nicht jeder vom Fahrlehrer etwas über den Sicherheitsabstand gehört? Wer aber den halben Tacho-Abstand etwa auf der A5 bei Tempo 120 einhalten will, fährt besser gleich Bahn. Quetschen in die sogenannte Lücke doch zwei bis drei Autofahrer ihr Gefährt hinein.

An die eigene Nase fassen

Was tun? Wenn schon der gesunde Menschenverstand diese Vorstufe fahrlässiger Körperverletzung nicht verhindert, könnte es die Technik tun. Es gibt ein System, das bremst, wenn der Fahrer zu dicht auffährt. Dumm nur, dass es nicht in jedem Kraftfahrzeug eingebaut ist.

Dessen ungeachtet muss sich jeder selbst prüfen. Wenn alle im Straßenverkehr stets nur den eigenen Vorteil suchen, wird es nichts mehr mit dem staufreien Hessen. So einfach ist das.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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