Darmstädter Defizite

„Diese Saison wird zäh“

Von Alex Westhoff, Darmstadt
 - 08:26

Fußballerische Defizite verzeiht das Darmstädter Publikum immer. Schließlich kommt es nach Jahrzehnten in der Versenkung erst seit einigen Jahren wieder hochklassigen Fußball am Böllenfalltor geboten. Was aber an diesem Standort nicht geht, ist, wenn die Mannschaft es an Kerntugenden dieser körperbetonten Sportart mangeln lässt. Und genau dort setzte Aytac Sulu im Nachgang der bitteren 1:2-Heimniederlage im Zweitligamatch gegen den VfL Bochum am Sonntag an. Der Kapitän gab im Kabinengang nämlich zu Protokoll, dass es wohl um die Motivation seiner Mitspieler nicht mehr gut bestellt war nach der Pause. Dies könnte ein zielführender Erklärungsversuch sein, um zu ergründen, warum die „Lilien“ einer sehr guten ersten eine sehr schlechte zweite Halbzeit folgen ließen.

Nach der druckvollen ersten Hälfte voller Power und Elan war es ein kapitaler Einbruch nach Wiederanpfiff. Linksverteidiger Fabian Holland glaubt, dass „wir unterbewusst den Schritt weniger gemacht und dann kamen wir nicht mehr rein. Wir haben zu sehr verwaltet und zu sehr gehofft, dass es gut geht. Meistens geht es dann eben nicht gut“. Trainer Torsten Frings hatte zuletzt schon beständig darauf hingewiesen, dass sein neu zusammengestelltes Team vor Rückschlägen nicht gefeit sei und am Saisonstart zwar von der Punkteausbeute her nichts auszusetzen, aber auch nicht alles Gold war, was glänzte.

Frings: „Wissen unsere Mannschaft einzuschätzen“

Bislang musste das Erstrunden-Pokalmatch in Regensburg in Darmstadt herhalten als Negativbeispiel für das, was passiert, wenn der SVD nicht hundert Prozent Leistungsvermögen abruft. Nun kommt das Bochum-Spiel hinzu. „Wir wissen unsere Mannschaft einzuschätzen in dieser engen Liga“, sagte Frings nach der ersten Saisonniederlage, welche den SVD aber auf Tabellenrang zwei beließ. Nur ist Rang zwölf nur drei Zähler entfernt. Auch Rüdiger Fritsch mochte in dem Niedergang nach der Pause kein grundsätzliches Problem erkennen. „Uns bereitet dies keine Sorgen. Weil wir ernst nehmen, was wir immer gesagt haben. Nämlich, dass diese Saison hart, zäh und anstrengend wird“, sagte der „Lilien“-Präsident am Montag. „Es ist doch klar, dass nicht alles wie mit dem Messer durch Butter geht.“

Was aber das Zeug für ein Problem von Tragweite beim SVD hat, ist die Besetzung der Stürmerposition: Artur Sobiech und der später für den Polen eingewechselte Terrence Boyd waren auch gegen Bochum die personifizierte Tor-Ungefährlichkeit. Sobiech erreichten zwei gute Flanken, die er nicht mal ansatzweise Richtung gegnerisches Tor zu bugsieren vermochte. Boyd reihte in seinem nächsten Kurzeinsatz abermals viele unglückliche Szenen aneinander. Und bei dem Amerikaner tun sich schon Parallelen zum in der Vorsaison ewig glücklosen Sven Schipplock auf – nämlich, dass das Publikum allmählich die Geduld mit dem wuchtigen Center verliert.

Nach den Eindrücken von Sonntag dürfte Neuzugang Felix Platte flugs die Chance erhalten, das Angriffsspiel entscheidend zu beleben. Das ist angesichts von bisher null Stürmertoren in dieser Spielzeit auch dringend notwendig. Schon am kommenden Sonntag, wenn die „Lilien“ gegen Bielefeld abermals ein Heimspiel haben.

Quelle: F.A.Z.
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