Tenor Michael Porter

Von Indiana an die Oper Frankfurt

Von Eva-Maria Magel
 - 08:28

Das Kostüm aus Ernst Kreneks Einakter „Schwergewicht oder Die Ehre der Nation“ ist ein Gag: Ein Ganzkörperanzug mit Schlaghose, über und über mit lila Pailletten bestickt – dieses augengiftige Outfit kann man wohl nur noch toppen, wenn man darin ein hohes A im Handstand singt. Was Michael Porter tut, zur größtmöglichen Verblüffung des Publikums. In die Wiege gelegt worden ist dem jungen Tenor das allerdings genauso wenig wie die Liebe zur klassischen Musik. „Als Kind hatte ich große Angst vor Leuten“, sagt Porter. Nie und nimmer wäre er auf die Idee gekommen, sich auf einer Bühne zu produzieren, mit Handstand oder ohne.

Das hat sich gründlich geändert. Michael Porter, 28 Jahre alt, ist seit 2015 Ensemblemitglied an der Frankfurter Oper. Zuvor, 2013, kam er direkt von seiner Hochschule in Indiana an die Talentschmiede des Frankfurter Opernstudios. Ohne Masterabschluss, den hat er sausenlassen, als er, eher zufällig, bei einem „europäischen Vorsingen“ in New York gleich von Intendant Bernd Loebe eingeladen wurde. „Ich habe sofort zugesagt.“ Deutschland, das war immer ein „Fernziel“ für Porter, „aber ich dachte, ich muss mir erst einmal eine Reputation aufbauen.“

Gleich zweimal Liebling Mozart

Stattdessen ging es Schlag auf Schlag. Am ersten Tag an der Frankfurter Oper traf er seine ebenfalls neue Studiokollegin Nora Friedrichs. „Das war unser Anfang.“ Heute sind die beiden verheiratet, und Porter ist der größte Fan seiner Frau. Die junge aufstrebende Sopranistin gastiert an großen Häusern, in dieser Spielzeit ist sie Ensemblemitglied an der Komischen Oper in Berlin, Wohnsitz des Paares aber bleibt Frankfurt. „Wir sind beide happy hier“, sagt Porter, und man kann nicht anders, als ihm das zu glauben, wenn er, locker, gelassen und sehr fröhlich, vom Glück seines Berufs als fest engagierter Opernsänger spricht. Ein Leben, diszipliniert wie das eines Sportlers – „aber wir dürfen dick werden“, sagt er und lacht.

Deutsch hat er schnell und gut gelernt, auch, um sich mit seinen Schwiegereltern unterhalten zu können. Dass ihm sein auch privat praktiziertes Aussprachetraining hilft, seine Lieblingsrollen zu singen, kommt hinzu: „Ich liebe Mozart!“, ruft Porter – auch wenn sein vor fünf Jahren noch gehegtes Deutschlandbild von der Realität ein kleines bisschen verändert worden ist. „Mein Bild war, dass es überall in Deutschland Mozart zu hören gibt. Und dass alle tierisch auf Mozart und Wagner stehen.“ Ganz so ist es zwar nicht, aber dass Vorstellungen wie „Der fliegende Holländer“ oder „Die Zauberflöte“ immer ausverkauft sind, kann er nicht anders als „sehr cool“ finden. Was es schließlich auch ist, nicht nur, wenn man aus der Perspektive eines jungen Amerikaners auf das deutsche Theatersystem schaut.

Viele seiner amerikanischen Musikerfreunde wünschten sich, in Europa zu arbeiten. „Es gibt in Deutschland so viele Möglichkeiten zu singen“, schwärmt Porter. Und angesichts der aktuellen politischen Lage in den Vereinigten Staaten, wo Künstler Kürzungen und Einschränkungen befürchten, empfindet er sein Glück vielleicht noch ein bisschen mehr. Zumal er in dieser Spielzeit gleich zweimal seinen Liebling Mozart singen wird: zur Saisoneröffnung am 27. August den Pedrillo in „Die Entführung aus dem Serail“ und im November den Ferrando in „Così fan tutte“, seinen Favoriten. Das Glück wird noch getoppt, wenn, wie vorgesehen, am 29. September seine Frau als Blonde mit ihm die „Entführung“ singen wird: Gemeinsam auf der Bühne zu stehen, was sie auch in eigenen Duettabenden ab und an tun, ist ihm eine besondere Freude.

Zuhause ist jetzt Deutschland

Denn die Bühne ist ihm lieb geworden, auch wenn er immer Gesangslehrer hatte werden wollen, nachdem er, über Stationen im Schulchor, mit 16 Jahren erste Gesangsstunden hatte. Gitarre spielt er heute noch gern und liebt Karaoke, da kann er schon auch mal AC/DC schmettern. „Ich habe mit 18 auf DVD meine erste Oper gesehen“, erinnert er sich. „Meine Großmutter war ein Opernfan.“ Aber in Little Rock, Arkansas, wo er aufwuchs, hörten die Eltern Beatles und die Rolling Stones, und sein Großvater „ein richtig cooler Typ“, führte die erste Künstleragentur, die auch schwarze Musiker engagierte, sogar verhaftet worden ist er dafür einmal.

Was in jener Stadt wohl noch einmal mehr Gewicht bekommt, in der 1957 die „Little Rock Nine“, neun schwarze Schüler, für ihr Recht auf den Besuch der High School kämpften. Mag sein, dass Michael Porter auch deshalb so interessiert an den politischen Entwicklungen in seinem Geburtsland ist. Sein Zuhause aber, das ist jetzt Deutschland.

Die Saison der Oper Frankfurt beginnt am 27. August um 18 Uhr mit „Die Entführung aus dem Serail“ mit Michael Porter als Pedrillo.

Quelle: F.A.Z.
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Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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