United Volleys

Bewährungsprobe am Mittelmeer

Von Katja Sturm
 - 10:01

Den Ort der Handlung kennt Lukas Bauer gut. Als der Mittelblocker der United Volleys Rhein-Main von 2012 bis 2014 für den französischen Erstligaverein Arago de Sète am Netz stand, da nutzte sein Klub nicht nur den 30 Kilometer entfernten Palais des Sports Jacques Chaban Delmas als Ausweichspielstätte für die eigenen Champions-League-Begegnungen. Man lieferte sich mit dem heimischen Team, Montpellier Volley UC, auch manch heißes Derby. „Das durfte man nicht verlieren“, erinnert sich der 28-Jährige. Wenn der Bundesligaklub an diesem Mittwoch (20 Uhr) zum Hinspiel im CEV-Cup an der Mittelmeerküste antritt, sieht die Lage etwas anders aus. Natürlich wollen die Spieler von Trainer Michael Warm nach ihrem ersten Saisonauftritt auf europäischer Ebene als Sieger nach Hause fahren. Doch sollte ihnen dieses nicht gelingen, könnten sie im Rückspiel am 21. Dezember in Rüsselsheim den Einzug ins Achtelfinale trotzdem noch klarmachen.

Als Favorit sehen sich die Hessen nicht. Zwar steht der Universitätsclub in der eigenen Liga Pro A aktuell nur auf dem sechsten Rang. Doch der Vorjahresdritte verfügt über einen eigentlich besser eingeschätzten Kader mit vor allem starker Defensivarbeit. „Man hätte ruhig einen leichteren Gegner zugelost bekommen können“, sagt Bauer. So wie in der vergangenen Saison, als der damalige Debütant recht souverän durch die ersten Aufgaben marschierte und erst im Halbfinale vom französischen Vertreter Tours gebremst wurde. Die Frankfurter brennen darauf, endlich auch auf internationaler Ebene zu sehen, wo sie stehen. In der Bundesliga spielen die Volleys auch nach dem Umbruch im Sommer, als die Hälfte der Mannschaft den Vorjahresdritten verließ, wieder ganz oben mit und nehmen als Tabellenzweiter die Rolle des ersten Verfolgers von Supercup-Sieger VfB Friedrichshafen ein.

Einiges zu holen für die Mannschaft

Doch noch hat sich die Leistung des im Durchschnitt jungen Teams nicht auf hohem Niveau eingependelt. „Wir haben bei jedem Spiel noch Phasen, in denen es nicht so läuft und wir unser Potential nicht ausschöpfen“, sagt Bauer. Aber es sei schön zu sehen, wie vor allem die Youngster mit Situationen konfrontiert werden, die sie noch nicht kennen, und daraus lernen. Das stimmt Bauer zuversichtlich, dass in dieser Saison einiges zu holen sein wird für die Mannschaft. „Wir haben eine spannende Truppe zusammen und die Teamchemie stimmt.“

Zudem scheinen die anfänglichen Personalprobleme überwunden. Sowohl Kapitän und Außenangreifer Sebastian Schwarz als auch der EM-Zweite Tobias Krick können nach ihren Verletzungen wieder über längere Phasen hinweg eingesetzt werden. Im Fall des Mittelblockers, der erst mit Knie- und zuletzt mit Rückenbeschwerden ausfiel, bedeutet dies auch eine willkommene Entlastung für Bauer und Georg Escher. Denn diese hatten sich zuletzt kaum Pausen gönnen dürfen. „Aber wir sind relativ gut damit zurechtgekommen und haben das zusammen mit dem Trainer gemanagt“, sagt Bauer. Jetzt, da man auf der gemeinsamen Position wieder komplett sei, „sind wir mit drei gleichwertigen Mittelblockern mit unterschiedlichen Stärken bestens aufgestellt“.

Der frühere Nationalspieler selbst rangiert in den Statistiken allerdings hinter seinen jüngeren Kollegen. Für Bauer könnte es die letzte Saison sein, die er am Main verbringt. Nach einem Berufspraktikum im Sommer treibt der langjährige Frankreich-Legionär nun in den trainingsfreien Stunden sein Masterstudium im Management voran und plant, dieses 2018 abzuschließen. Was danach kommt, sei noch offen. „Mein Vertrag in Frankfurt läuft aus, und ich werde mal sehen, was sich noch Spannendes ergibt.“

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMittelmeer