Vanessa Mai

Nur der Himmel und wir zwei

Von Philipp Schulte
 - 13:56

Es war bezeichnend für den Abend: Das Publikum kam erst gegen zehn Uhr und bei einem Lied von Schlager-Titan Matthias Reim so richtig aus sich heraus. Vanessa Mai verpasste es, die 2000 zumeist sitzenden Zuhörer früher mitzureißen. Nachdem sie einige Songs ihres Albums „Regenbogen“ vorgetragen hatte, stimmte sie „Verdammt ich lieb’ Dich“ an. Das Publikum in der Frankfurter Jahrhunderthalle stand auf und grölte zurück: „Ich lieb’ Dich nicht.“

Von da an lief es besser. Bei ihrem Lied „In all deinen Farben“ schwenkten die Leute die Arme. Kurz danach stand bei „Wolke sieben“ nahezu die komplette Halle und schenkte der 26 Jahre alten Mai, die mit bürgerlichem Namen Ferber heißt, einen Wechselgesang. Mai: „Nur der Himmel und wir zwei.“ Halle: „Wolke sieben ist noch frei.“ Endlich war das erste Mal so richtig Party.

Rückkehr nach Frankfurt im Oktober 2019

Doch die war dann auch fast schon wieder vorbei. Vanessa Mai hatte fertig, verließ die Bühne, es wurde dunkel. „Zugabe, Zugabe!“, hallte es aus den Reihen. Die gelernte Mediengestalterin kam wieder und rockte noch einmal die Hütte. Da fragte man sich, warum sie erst jetzt einen ihrer besten Songs, „Ich sterb’ für Dich“, sang.

Der hat nämlich über 33 Millionen Aufrufe bei Youtube. Mai sprang herum, die Leute klatschten und reckten ihre Arme dabei zum ersten Mal an diesem Abend nach oben. Mai dankte danach ihrer Band, ließ noch ihren Po den Leuten zugewandt wackeln und sagte, dass sie im Oktober 2019 abermals in Frankfurt auftreten werde.

Das Erfolgsrezept von Helene Fischer, aber mit eigener Note

„Sie hat mich daran erinnert, wie Helene angefangen hat“, sagt Sigi nach dem Konzert. Sie lehne sich an das Erfolgsrezept von Helene Fischer an, habe aber eine eigene Note. „Sie kommt mehr aus dem Pop, und das gefällt mir“, äußert sich der 52 Jahre alte Investmentbanker aus Wiesbaden über Mai.

Sigi stand mit einem Schild „Suche Karte“ in der Hand vor der Jahrhunderthalle. Seine Freundin wäre auch mitgekommen, wenn sie nicht krank gewesen wäre. Dabei war der Abend wie geschaffen für Pärchen. In fast jedem Song ging es um das Glück in der Liebe: „Du hast mich einfach wach geküsst“, „Vor Dir wusste ich nicht, was Liebe ist“, „Mit Dir barfuß tanzen im Sandstrand“. Solche Sätze regen die Träume an, besonders die von Teenagern. „Wir sind hier, weil wir Schlager lieben“, sagt etwa die 19 Jahre alte Anna-Lena Schmidt. Sie ist mit ihren drei Freundinnen aus Lennestadt im Sauerland gekommen. „Sie hat eine Message hinter den Texten“, sagt Schmidt über Mai. Die Lieder hätte sie auswendig gekonnt.

Eigentlich keine Stehplätze

Auch die neun Jahre alte Laura dürfte die Songs mitgesungen haben. „Ich habe die CD zu Hause“, sagt sie und meint Mais Regenbogen-Album. Ihre Mutter, die ihr die Konzert-Karte zur Kommunion geschenkt hat, habe schon einen Ohrwurm davon.

Mutter und Tochter haben das Konzert direkt vor der Bühne verfolgt. Dabei waren Stehplätze eigentlich gar nicht zu haben. Doch Mai löste das Problem zu Beginn der Show: „Ich weiß, die Security-Leute hassen mich jetzt dafür, aber ihr dürft alle vorkommen.“ Besonders die jungen Zuhörer stürmten nach vorne, zückten ihre Smartphones. Zumindest sie konnte Mai von Anfang an mitreißen.

Quelle: F.A.Z.
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