Main-Taunus-Zentrum

Verdi protestiert gegen längere Öffnungszeiten

Von Jochen Remmert
 - 10:28

Dass die Einzelhandelsgeschäfte im Main-Taunus-Zentrum von Donnerstag bis Samstag inzwischen nicht mehr bis 20 Uhr, sondern bis 22 Uhr geöffnet haben, belastet nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten ohnehin schon in kaum vertretbarer Weise. Dass die Öffnungszeiten vor Weihnachten nun noch einmal erweitert und nun die ganze Woche über bis 22 Uhr geöffnet ist, bringt offenbar für die Gewerkschafter das Fass zum Überlaufen.

Deshalb sollen heute 500 Unterschriften an die Zentrumsleitung übergeben werden, die Beschäftigte und Betriebsräte der Einzelhandelsgeschäfte des Einkaufszentrums am Rande Frankfurts gesammelt haben. Mit dabei sein wird Gewerkschaftssekretärin Karin Zennig von Verdi. „Kaum ein anderes Einkaufszentrum hat so lange Öffnungszeiten. Das zeigt doch, dass das nicht nötig ist“, argumentiert sie. Vor allem die schlechte Verkehrsanbindung führe dazu, dass die Mitarbeiter, meistens Teilzeitbeschäftigte, oft erst sehr spät wieder daheim seien.

„Richten uns nach Kundenwünschen“

Matthias Borutta, Leiter des Zentrums, weiß wohl, dass die späten Arbeitszeiten auch für die Mitarbeiter der Geschäfte bisweilen eine Last sein können. Die längeren Öffnungszeiten von Donnerstag bis Samstag über das gesamte Jahr hinweg seien aber natürlich nicht „aus Spaß“ 2007 eingeführt worden. „Wir richten uns nach den Kundenwünschen und stehen selbstverständlich auch mit unseren Händlern in ständigem Dialog“, sagte er auf Nachfrage.

Wenn man heute Einzelhandel betreibe, müsse man immer das Internet mit bedenken. Und das habe nun einmal 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet, sagte Borutta. Man müsse nunmal als Einkaufszentrum darauf reagieren, dass sich die gesamte Arbeitswelt gerade tiefgreifend verändere und immer weniger Leute zu den früher üblichen Zeiten arbeiten und einkaufen könnten.

Die Klage über eine schlechte Anbindung des Zentrums via öffentlichem Nahverkehr kann er nicht nachvollziehen. Immerhin gebe es die Möglichkeit, im Sammeltaxi bis zum nächsten Knotenpunkt des Nahverkehrs zu fahren.

Lange Öffnungszeiten lohnen sich für Händler

Auch für Händler steht es offenbar außer Frage, dass sich gerade die späten Stunden am Abend lohnen. Das gilt jedenfalls für Christiane Bailly-Rauch, die zusammen mit ihrem Mann Michael die Bailly Diehl Textil GmbH führt. Das Haus betreibt im Rhein-Main-Gebiet 15 Geschäfte mit Trendmode für Damen und Herren unter dem Namen Bailly Diehl und zudem fünf Geschäfte, die speziell die Marke Timberland führen. „Die verlängerten Öffnungszeiten werden von unseren Kunden sehr gut angenommen“, sagt die Unternehmerin. Da könne sie deshalb sehr genau sagen, weil ihr Haus genau erfasse, wann wie viele Kunden welche Dependance aufsuchten und wie lange sie dort blieben.

Auch in der MTZ Apotheke im Main-Taunus-Zentrum beobachten Mitarbeiter, dass gerade in den letzten Stunden der täglichen Öffnung viele Kunden vorbeikämen. Manche seien sehr froh, zu dieser Uhrzeit doch noch eine geöffnete Apotheke vorzufinden.

Für die Gewerkschaft Verdi steht allerdings etwas anderes im Vordergund: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für das überwiegend weibliche Personal im Verkauf mit diesen Öffnungszeiten nicht mehr umsetzbar, heißt es dort.

Die Gewerkschafter argumentieren, dass verlängerte Öffnungszeiten zudem weder höhere Umsätze generierten noch für mehr Arbeitsplätzen in den Geschäften sorgten, sondern allenfalls zu mehr prekärer Beschäftigung und zu mehr Teilzeit- statt Vollzeitarbeitsplätzen führten.

Das Main-Taunus-Zentrum ist allerdings nicht das einzige Einkaufscenter, das mit verlängerten Öffnungszeiten arbeitet. So hat beispielsweise das Hessen-Center samstags immer bis 21 Uhr geöffnet und am 16. Dezember sogar bis 23.30 Uhr. Das Skyline Plaza hat immer von Donnerstag bis Samstag zwischen 10 und 21 Uhr geöffnet. Und im Nordwestzentrum kann man an den Dezembersamstagen sowie vom 18. bis 22. Dezember jeweils bis 22 Uhr einkaufen.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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