Werk der Technik-Tochter

Lufthansa rollt die Räder in den Frankfurter Osten

Von Jochen Remmert
 - 18:43

Ein Airbus A380 setzt mit bis zu 391 Tonnen Gewicht und rund 230 Stundenkilometern mit seinen 22 Rädern auf der Landebahn auf, bevor er in wenigen Augenblicken auf etwas mehr als Schritttempo heruntergebremst wird. Diese Zahlen lassen erahnen, welche Belastungen die Räder und Bremsen Tag für Tag aushalten müssen, die die Lufthansa Technik fortan im Frankfurter Osthafen in der modernsten Räder- und Bremsenwerkstatt des Konzerns prüft und repariert.

Knapp 60 Millionen Euro hat die Lufthansa-Tochter in dieses Stück Hightech-Industrie mit 200 Arbeitsplätzen gesteckt. Auf dem 35.000 Quadratmeter großen Grundstück ist in zwei Jahren das moderne Werk im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen entstanden, wie Thomas Stüger, Vorstand Technical Operations der Lufthansa-Technik-Tochter, sagte. Wenn die Rahmenbedingungen stimmten, sei es mit modernsten Produktionsverfahren und einer besonders erfahrenen Mannschaft wie der seinen möglich, auch im Hochlohnland Deutschland effizient und wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten, hob er hervor.

5000 Hochleistungsbremsen überholt

Dass der Umzug des Unternehmens in ein neues Servicewerk für Räder und Bremsen nötig war, lässt sich daran ablesen, dass in den alten Werkstätten auf dem Areal des Frankfurter Flughafens im vergangenen Jahr bereits 27.000 Räder und 5000 der Hochleistungsbremsen überholt wurden, obwohl die Anlage ursprünglich auf eine Kapazität von lediglich 15.000 Rädern und 2500 Bremsen ausgelegt war. Im neuen Werk sind in der aktuellen Ausbaustufe rund 32 000 Räder und 6000 Bremsen im Jahr zu warten und in einen Neuzustand zu versetzen.

Die Flugzeugteile durchlaufen am neuen Standort etliche Stationen von der ersten Sichtkontrolle, einer Rissprüfung der aus Stahl gefertigten Felgen mit Schwarzlicht und fluoreszierender Flüssigkeit bis hin zur neuerlichen Lackierung. Praktisch alle Arbeitsschritte inklusive der Lagerung, Sortierung und Beförderung der bis zu 300 Kilogramm schweren Räder wird per Rechner gesteuert, um eine maximale Effizienz sicherzustellen. So mussten in der alten Reifenwerkstatt am Flughafen die 300-Kilogramm-Kolosse öfter händisch bewegt werden. An neuen käfigartigen Rollgestellen werden die Schwergewichte nun per Laufkran rasch durch die Hallen transportiert und bis zum Abtransport zum Flughafen, automatisch sortiert, in einer Art Hochregal gelagert.

Neben den Fluggesellschaften der Lufthansa Gruppe selbst gehören etliche andere Fluggesellschaften zu den Kunden der Räder- und Bremsenexperten der Lufthansa Technik, darunter die schwedische SAS und Thomas Cook.

Derzeit läuft das neue Servicewerk im Ein-Schicht-Betrieb, bei Bedarf lässt sich dort ohne Veränderungen ein Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb etablieren, wie Lufthansa-Projektleiter Frank Zimmermann erläuterte.

Der größte Arbeitgeber in Hessen

„Ich freue mich sehr über dieses eindrucksvolle Bekenntnis der Lufthansa Technik zum Standort Frankfurt“, sagte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) gestern in seiner kurzen Rede und wies darauf hin, dass die Lufthansa mit zirka 38.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Hessen ist. Schäfer nahm den Start des Servicewerks im Frankfurter Osten zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass die Stabilität der deutschen Wirtschaft nicht zuletzt darauf beruhe, dass die industrielle Produktion in Deutschland mit fast einem Viertel nach wie vor einen erheblichen Anteil an der Wirtschaftsleistung erbringe. Zum Vergleich: Beispielsweise in Frankreich ist dieser Anteil auf gut elf Prozent geschrumpft.

Für den Frankfurter Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU) war der gestrige Tag der eines persönlichen Erfolges. Er hatte – nicht ohne Kritik aus der Stadtverordnetenversammlung – dafür gesorgt, dass das Gelände, das zuvor von einem Fahrzeugaufbereiter genutzt worden war, rechtzeitig freigegeben wurde und so der Weg frei war für die Lufthansa. Er sagte dem Konzern zu, ihn weiter nach Kräften zu unterstützen, wenn es darum gehe, in Frankfurt zu wachsen. Denn gerade die Lufthansa verschaffe der Stadt mit ihren Verbindungen erst die gute weltweite Erreichbarkeit, die sie für Unternehmen aus aller Welt so attraktiv mache.

Klaus Froese, im Konzernvorstand für das Luftverkehrsdrehkreuz Frankfurt zuständig, bekräftigte denn auch den Willen der Lufthansa Gruppe, hier zu wachsen. Auch das Verhältnis zum Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport habe man nach dem in jüngster Zeit zeitweise eskalierten Streit längst wieder verbessert und spreche inzwischen ganz offen über Themen, über die man früher kein Wort verlorenen habe.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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