Kommentar

Weyland läuft die Zeit davon

Von Tobias Rösmann
 - 19:23

Der Oberbürgermeisterwahlkampf in Frankfurt hat eine neue Phase erreicht. Das ist eine gute Nachricht, denn bisher dürften außer regelmäßigen Zeitungslesern noch nicht viele mitbekommen haben, dass in gut drei Monaten in der größten und wichtigsten Kommune Hessens ein neues Stadtoberhaupt gewählt wird. Tatsächlich ist die Zeit für echten Wahlkampf bis zum 25. Februar sogar noch viel kürzer: Vor Weihnachten haben die Frankfurter andere Sorgen, dann dauern die Ferien bis Mitte Januar, und schließlich unterbricht auch noch die Fastnachtszeit die letzten Wochen.

Besonders CDU-Kandidatin Bernadette Weyland hat deshalb keine Zeit zu verlieren. Indem sie nun zum ersten Mal härtere Kritik an Amtsinhaber Peter Feldmann übt, versucht sie, den Sozialdemokraten aus der Deckung zu locken und eine Konfrontation überhaupt erst möglich zu machen.

Ob ihr das mit Vergleichen zu Staubsaugervertretern – gibt es die überhaupt noch? – und dem Vorwurf von Selbstherrlichkeit und Faulheit gelingt, ist allerdings fraglich. Feldmanns Büro reagierte auf die Äußerungen, die Weyland während einer CDU-Veranstaltungen gemacht hatte, maximal professionell und maximal langweilig. „Kein Kommentar“ lautete die Ansage. Die Strategie dahinter ist klar, denn eine heftige Reaktion würde Weyland auf Augenhöhe mit Feldmann erscheinen lassen. So aber soll der Eindruck entstehen: „Was diese weitgehend unbekannte Dame so alles von sich gibt, interessiert uns nicht.“

Einen neuen Sprecher und Organisator verpflichtet

Deshalb muss Weyland den Oberbürgermeister so schnell wie möglich zu inhaltlichen Aussagen zwingen. Am besten geht das dort, wo Feldmann, der sich morgen Abend von der SPD offiziell nominieren lassen will, keine Meinung hat oder wechselnde Ansichten vertritt. Erfolg dabei kann Weyland aber nur haben, wenn sie sich selbst zu den drängenden Themen der Stadt, etwa der Sicherheitslage rund um den Hauptbahnhof, der sehr teuren Sanierung der Städtischen Bühnen und den fehlenden bezahlbaren Wohnungen für jedermann so konkret wie möglich positioniert.

Viel Zeit bleibt Weyland nicht mehr. Sie weiß das. Auch deshalb hat sie kurzfristig einen neuen Sprecher und Organisator verpflichtet, der mehr Zug in den Wahlkampf bringen soll. Unklar bleibt derweil, wie sehr sie von der eigenen Partei getragen wird. Dass der CDU-Kreisverband nächste Woche einen Parteitag abhält, bei dem nicht die selbsterkorene Bewerberin im Mittelpunkt stehen soll, sondern das abstrakte Thema Digitalisierung, ist unverständlich und ein Fehler. Weyland muss es bald gelingen, eine Atmosphäre zu schaffen, die einen Sieg möglich erscheinen lässt. Andernfalls wird der 25. Februar weder ein Freudentag für sie noch für die CDU.

Quelle: F.A.Z.
Tobias Rösmann - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Tobias Rösmann
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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