Unbeliebte Diesel-Autos

Wichtig ist, was hinten rauskommt

Von Jochen Remmert
© dpa, F.A.Z.

Die Frage, ob man derzeit mit dem Kauf eines Dieselfahrzeuges, das die Norm Euro 6 erfüllt, auf der sicheren Seite ist, lässt sich zumindest nach Ansicht des hessischen Kraftfahrzeuggewerbes im Moment mit „Ja“ beantworten. Wie ein Sprecher wissen lässt, werden „nach jetzigem Stand“ diese Fahrzeuge nicht von Fahrverboten in Städten betroffen sein, wie sie auch in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Offenbach und Darmstadt im nächsten Jahr nicht auszuschließen sind. Die Einschränkung „nach jetzigem Stand“ fügt der Sprecher allerdings aus gutem Grund hinzu, denn garantieren kann man es nicht.

Der Grund: Der Diesel ist ins Visier geraten: in das der Europäischen Union, die schon mehrfach eine gesundheitsgefährdend schlechte Luft in deutschen Innenstädten gerügt hat, in das der streitbaren Deutschen Umwelthilfe, die schon etliche Verfahren ins Rollen gebracht hat; und in das des Umweltbundesamtes. Letzteres zeigt in einer neuen Studie, dass selbst Euro-6-Diesel-Fahrzeuge sechsmal mehr Stickoxide ausstoßen können als erlaubt, wenn auch die Stickoxidemissionen bei Außentemperaturen unterhalb von 20 Grad berücksichtigt werden. Und diese Grenze wird in Deutschland ja nun – man mag es bedauern – ziemlich häufig unterschritten. Das stärkste Argument gegen ein Fahrverbot auch für Euro-6-Diesel-Autos ist derzeit demnach kein technisches, sondern ein politisches. Nämlich die Tatsache, dass man damit einen erheblichen Teil des gesamten Verkehrs lahmlegen und erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen würde. Die Frage, ob es bald eine blaue Plakette geben wird, anhand deren man die weniger schmutzigen Autos erkennen kann, ist klar mit „Ja“ zu beantworten. Auch die Kraftfahrzeugbranche rechnet damit spätestens von 2019 an.

Nutzwert bald stark eingeschränkt

Die Frage, ob man sich vielleicht jetzt sogar noch einen Euro-5-Diesel kaufen sollte, weil die doch nun so billig sind, kann man dagegen mit einem klaren „Nein“ beantworten. Es sei denn, man lebt weit weg von Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet und will auch nie in eine Stadt fahren. Ansonsten gilt: Die Autos sind so billig, weil ihr Nutzwert bald stark eingeschränkt sein wird. Mit Schnäppchen hat das nichts zu tun. Wenn man aber schon ein solches Fahrzeug besitzt und es vielleicht erst vor wenigen Jahren für viel Geld gekauft hat, dann sollte man sich beim Hersteller erkundigen, ob man das gute Stück nicht auf die aktuellen Umweltstandards nachrüsten kann. In der Diskussion ist zwar immer davon die Rede, dass das nicht gehe, gemeint ist dabei aber in der Regel, dass sich das wirtschaftlich nicht rechne. Technisch ist es oft möglich. Ansonsten gilt: Euro-5-Diesel macht wenig Sinn, alles, was darunter liegt, sowieso nicht.

Die Frage, ob man tatsächlich Gefahr läuft, keine TÜV-Plakette mehr zu bekommen, wenn man einen vom Abgas-Skandal betroffenen VW-Diesel besitzt und die Umrüstung verweigert, ist mit „Ja“ zu beantworten. Allerdings muss dazu nach Auskunft des Verbands der Technischen Überwachungsvereine erst einmal die Umrüstaktion des Wolfsburger Autobauers offiziell beendet sein. Von August an wird es dann tatsächlich als „erheblicher Mangel“ gewertet, wenn die Nachrüstung nicht erfolgt ist. Allerdings blieben den Autofahrern immer noch vier Wochen Zeit, den festgestellten Mangel beheben zu lassen.

Die Frage, was man mit Dieselautos tun soll, die gar keine Abgasreinigung haben, hängt davon ab, wie alt sie sind. Jene, die vielleicht 15 und mehr Jahre auf dem Buckel haben, sind im Alltag kaum mehr zu gebrauchen. In Innenstädte mit Umweltzonen darf man damit ohnehin nicht mehr fahren, jedenfalls nicht ohne Ausnahmegenehmigung. Sind sie schon fast 30 Jahre alt, lohnt es sich aber womöglich abzuwarten. Mit 30 kann man sie als Oldtimer zulassen und versichern. Etwa ein schöner „Strich Achter“ von Mercedes mit einem Zwei-Liter-Diesel und 55 PS aus den Siebzigern genießt Dispens. Für die Masse ist das freilich keine Lösung.

Die Frage, ob man sich vielleicht doch lieber einen Benziner kaufen sollte, lässt sich für jenen Fall schnell und einfach mit einem „Ja“ beantworten, wenn man im Jahr nicht mehr als 15.000 Kilometer fährt. Dann stellt sich auch auf längere Sicht kein Preisvorteil ein. Diesel-Treibstoff ist vor allem deshalb billiger als Benzin, weil die Politik – nicht nur in Deutschland – gewerbliche Vielfahrer sowie den Schwerlastverkehr auf Straße und Schiene entlasten will. Dass Diesel weniger CO2-Emissionen verursacht als Benzin, ist jedoch ein Irrglaube. Je Liter Benzin werden rund 2,30 Kilogram CO2 freigesetzt, je Liter Diesel 2,60 Kilogramm CO2.

Ein Benziner, der gleich viel verbraucht wie ein Dieselauto, stößt also weniger CO2 aus und produziert noch dazu erheblich weniger Schadstoffe wie Stickoxide. Der Benziner ist, so gesehen, die bessere Wahl. Allerdings sind die Dieselmotoren derzeit noch insofern im Vorteil, als sie weniger Treibstoff für die gleiche Leistung verbrauchen. Doch der Vorsprung schmilzt.

Die Frage, was man noch tun kann, um den Verbrauch der Autos und damit den Schadstoffausstoß verringern zu können, lässt sich relativ leicht beantworten: Man kann auf Klimaanlagen verzichten oder sie wenigstens ausschalten. Gut, dann schwitzt man im Sommer mehr, aber man kam im Stadtverkehr den Verbrauch um bis zu einem Drittel senken.

Quelle: F.A.Z.
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