Breitbandgipfel

Bis 2025 soll jeder Hesse superschnelles Internet haben können

Von Thorsten Winter
 - 12:15

Gut vier von fünf hessischen Haushalten können über ein schnelles Internet verfügen. Damit liege Hessen unter den ersten drei Flächenländern in Deutschland und habe sich in den vergangenen Jahren vorgearbeitet. „Darauf können wir alle ein Stück weit stolz sein“ - aber das reiche nicht. Dies sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) beim laufenden hessischen Breitbandgipfel vor etwa 500 Gästen aus Wirtschaft, Verbänden und Politik. Im House of Mobiliy and Logistics am Frankfurter Flughafen stellte er die Gigabit-Strategie des Landes vor.

Ein Gigabit sind 1000 Megabit - bisher verfügen gut 84 Prozent der Haushalte und Gewerbegebiete landesweit über etwa 50 Megabit. Sie sind also von Gigabit weit entfernt. Selbst im Deutschlands Internethauptstadt Frankfurt gibt es noch sogenannte weiße Flecken auf der Landkarte der schnellen Netze. So schilderte zuletzt der Intendant des mitten in der Stadt liegenden English Theatre, des größten in Kontinentaleuropa seiner Art, im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung, sein Haus verfüge nur über Netzgeschwindigkeiten aus dem vergangenen Jahrhundert.

Fokus auf Frankfurt

Al-Wazir hob beim Breitbandgipfel hervor, vor vier Jahren seien weniger als 70 Prozent der hessischen Haushalte mit schnellen Netzen versorgt gewesen. Jetzt könnten 60 Prozent auf 400 Megabit zurückgreifen, wenn sie wollten. Dieses Ziel habe sich das Land ursprünglich für 2020 gesetzt. „Aber auf diesem Erfolg dürfen wir uns nichts ausruhen“, sagte der Minister.

Er gab das Ziel aus, bis 2025 solle die Dateninfrastruktur Bandbreiten von einem Gigabit pro Sekunde ermöglichen. Superschnelle Netze seien ein Mittel gegen Landflucht und das Gefühl, abgehängt zu sein. Dies sei eine hochpolitische Frage. Firmen benötigen solche Netze für den Datentransfer und damit für ihren wirtschaftlichen Erfolg. Schnelle Netze seien auch wichtig für Tele-Medizin (E-Health). Al-Wazir setzt nach seinen Worten auf einen Ausbau des Festnetzes, der mobilen Netze und frei verfügbarem W-Lan auch in öffentlichen Gebäuden.

Die extrabreite Datenautobahn sei an einem Standort wie Frankfurt von besonderer Bedeutung, sagte Unitymedia-Chef Lutz Schüler im Verlauf laut dpa. „In einer Finanzmetropole wie Frankfurt sind viele Unternehmen und Privathaushalte auf eine superschnelle Anbindung angewiesen.“

„Wieso kriegen die das hin?“

Der IT-Manager und Wissenschaftler Gunter Dueck bemängelte in seinem Vortrag, dass während Bahn- und Autofahrten immer wieder das Netz abreiße. Selbst in Peru und Südafrika gebe es praktisch überall LTE-Standard - anders als hierzulande. „Wieso kriegen die das hin?“, fragte er und erntete Raunen und Gelächter angesichts der Mängel hierzulande. Am Rande sagten Praktiker, viele Privatleute zeichneten keine Verträge für schnellere Netze, wenn diese mit höheren Kosten verbunden seien.

Einen ausführlichen Bericht zum neunten hessischen Breitbandgipfel mit weiteren Angaben und Stimmen lesen Sie an diesem Mittwoch Abend nach 22 Uhr im E-Paper, in unserer digitalen Ausgabe FAZplus sowie am Donnerstag in der Rhein-Main-Zeitung.

Quelle: FAZ.NET
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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