Nach Gewinneinbruch

Die Commerzbank steckt in der Klemme

Von Daniel Schleidt
 - 06:10

Ausgerechnet diese Glückwünsche hätte Martin Zielke wohl eher nicht gebraucht. Kurz vor dem Ende der gestrigen Bilanz-Pressekonferenz der Commerzbank gratulierte ein Journalist dem Vorstands-Chef Zielke dafür, im bisherigen Verlauf der Veranstaltung vielen Fragen der anwesenden Reporter erfolgreich ausgewichen zu sein.

Und in der Tat gab sich Zielke bei der Beantwortung zahlreicher Fragen reichlich unkonkret. Eine Aussage zum Koalitionsvertrag? Möchte er nicht, schließlich hänge die Regierungsbildung ja noch vom Votum der SPD-Basis ab. Eine Konkretisierung des laufenden Stellenabbaus mit Blick auf bestimmte Segmente und Standorte des Unternehmens? Macht die Bank nicht. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Aufgehübschte Bilanz

Dass sich Zielke zugeknöpft gibt, hängt vielleicht mit der Situation seines Hauses zusammen. Unter dem Strich landete der Konzern – mittlerweile Deutschlands viertgrößte Bank gemessen an der Bilanzsumme, nach Deutscher Bank, KfW und DZ Bank – zwar im vergangenen Jahr mit einem Überschuss in Höhe von 156 Millionen Euro in den schwarzen Zahlen. Allerdings liegt der Gewinn deutlich unter den 1,1 Milliarden aus 2015 und sogar unter den bereits enttäuschenden 279 Millionen des Vorjahres. Hinzu kommt, dass die Bilanz durch den Verkauf ihrer markanten Unternehmenszentrale in der Frankfurter Innenstadt aufgehübscht wurde. Wie viel Geld ausländische Banken inzwischen verdienen, während die deutschen Mitbewerber um den Anschluss kämpfen, zeigte zudem gleichzeitig die italienische Unicredit, die am Donnerstag einen Gewinn in Höhe von 5,5 Milliarden Euro vermeldete.

Zielke selbst findet, das Ergebnis der Commerzbank sei „ordentlich“ – und verweist darauf, dass die Jahre 2017 und 2018 noch dem Umbau des Konzerns gehören sollen, dem bis 2020 mehr als 7000 Stellen in dem Geldhaus zum Opfer fallen werden. Die Zahl der Mitarbeiter sinkt damit auf 36.000. Doch Anleger und Investoren warten auf das Signal, dass die Strategie der Bank, offensiv um Privatkunden zu werben und im Gegensatz zur Konkurrenz weiter auf eine starke Präsenz in der Fläche durch die rund Filialen zu setzen, bald spürbare Früchte trägt.

Digitalisierung der internen Prozesse

Die Commerzbank scheint derweil in einer Klemme zu stecken. Einerseits müssen die Kosten sinken, um die Bilanz zu verbessern. Gleichzeitig muss die Bank investieren. Zielke will bis 2020 80 Prozent der internen Prozesse digitalisiert haben, dieser Wert lag bei seinem Amtsantritt im Mai 2016 noch bei 30 Prozent. Erschwerend kommt in dieser ohnehin schon schwierigen Gemengelage hinzu, dass das Marktumfeld vor allem mit Blick auf die niedrigen Zinsen als wichtige Ertragsquelle der Banken schwierig ist.

Zielke glaubt, dass der Weg aus diesem Dilemma über die Privatkunden führt. Das im Herbst 2016 verkündete Ziel, bis 2020 zwei Millionen neue Kunden zu gewinnen, scheint erreichbar: Derzeit liegt die Bank bei etwa 640.000. Doch weil sich das Haus dieses Ziel mithilfe von aggressive Werbemaßnahmen wie einem Begrüßungsgeld bei Kontoeröffnung erkauft hat, muss sie den Beweis erst noch erbringen, mit neuen Kunden auch Geld verdienen zu können. Immerhin machte Zielke den Anlegern Hoffnung, bei der Hauptversammlung im Mai eine kleine Dividende auszuschütten– seit der Finanzkrise vor zehn Jahren gab es das nur einmal, 2015.

Für die Aktionäre ist die Commerzbank somit weiterhin eine Art Wette auf die Zukunft. Zwar wurden Altlasten bereinigt und zum Beispiel Kosten für den bis 2020 laufenden Stellenabbau in Höhe von 800.000 Euro bereits im vergangenen Jahr verbucht. Doch es ist kaum absehbar, ob die Maßnahmen reichen, um die Bilanz aufzubessern.

Für die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer kündigte die Bank gestern eine weitere Werbe-Offensive an. Der Sponsoring-Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund wurde dafür um weitere fünf Jahre verlängert. Jogis Jungs sollen dem Konzern noch mehr Bekanntheit verleihen. Was sich die Bank dieses Engagement kosten lässt? Auch da verweigerte Martin Zielke eine konkrete Antwort.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Schleidt
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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