Stada beruft wieder neuen Chef

Der Fünfte in zwei Jahren

Von Thorsten Winter
 - 22:15

Kennt die Belegschaft der Stada Arzneimittel AG ihren obersten Chef? Nun muss nicht jeder Beschäftigte eines Großkonzerns dem Vorstandsvorsitzenden schon persönlich die Hand geschüttelt haben. Aber zu wissen, wie der Mann an der Spitze heißt, das sollte schon drin sein. Mann übrigens deshalb, weil die deutsche Pharmabranche konservativ und eine Frau auf dem Chefsessel eine Rarität ist. Das gilt besonders für Stada in Bad Vilbel. Denn in diesem Konzern hat seit mehr als zwei Jahrzehnten immer ein Mann an der Spitze gestanden, aber nicht immer derselbe.

Womit die Eingangsfrage wieder ins Spiel kommt. Denn in diesem Fall drängt sie sich nicht nur deshalb auf, weil der Aufsichtsrat der Wetterauer schon wieder einen neuen Vorstandschef berufen haben. Schließlich zeichnete Hartmut Retzlaff gut 20 Jahre als Vorstandschef, bis er im Juni 2016 seinen Posten niederlegen musste – aufgrund einer Krankheit, wie es hieß. Zwei Monate später trennte sich Stada von dem Mittelhessen. Für ihn rückte der für Unternehmensentwicklung und Personalwesen zuständige Vorstands Matthias Wiedenfels. Der Jurist blieb gut ein Jahr, dann zauberte der Aufsichtsrat den ehemaligen Boehringer-Ingelheim-Manager Engelbert Tjeenk Willink als Nachfolger aus dem Hut.

„Stada setzt auf Kontinuität“

In jenen Tagen befand sich das 10.000 Mitarbeiter starke Unternehmen in einer Übernahmeschlacht, hatte eine Hauptversammlung hinter sich, in der Aufsichtsräte gerupft wurden und die ihm den Spottnamen „Intriganten-Stada“ einbrachte. Außerdem erwartete Stada ein weiteres Übernahmeangebot zweier zunächst gescheiterter Finanzinvestoren Bain und Cinven. Diese Private-Equity-Firmen kamen auch zum Zug.

Wenn sie sich an diesem Freitag in Frankfurt mit anderen Anteilseignern zur außerordentlichen Hauptversammlung treffen, wird Claudio Albrecht der Stada-Vorstandschef sein. Er löste im September Tjeenk Willink ab. Im nächsten September folgt ihm Peter Goldschmidt, ein ehemaliger Manager des Novartis-Konzerns. Sein künftiger Arbeitgeber meldete das mit ganz eigenem Humor: „Stada setzt auf Kontinuität“.

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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