Wirtschaft
Matratzen-Start-up

Keine Zeit für ein Nickerchen

Von Martina Propson-Hauck, Frankfurt
© Junker, Patrick, F.A.Z.

Rund ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett. Damit er morgens nicht müder als am Vorabend oder mit Rückenschmerzen aufwacht, sollte er sich gelegentlich Gedanken über seine Matratze machen. „Zwei Drittel aller Menschen wissen aber nicht einmal, worauf sie aktuell eigentlich schlafen“, sagt Dennis Schmoltzi, Geschäftsführer und Mitgründer der im Frankfurter Bahnhofsviertel ansässigen Bettzeit-Gruppe. Alle zehn Jahre sollte man die Matratze wechseln, empfehlen Experten – auch wenn manche Nutzer damit gern ein paar Jahre länger warten. 1,5 Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland mit Matratzen umgesetzt, 15 Prozent davon mittlerweile im Internet. „Das ist eine steile Entwicklung, in den letzten zwei Jahren hat sich der Online-Matratzenmarkt verdreifacht“, sagt Manuel Müller. In den Vereinigten Staaten werde bereits jede dritte Matratze per Klick im Netz gekauft.

Vor vier Jahren hat der heute 37 Jahre alte Müller den Online-Handel mit Matratzen als Gründer von Frankfurt aus gestartet, sein Fachhandelsportal „Dormando“, das zur Bettzeit-Gruppe gehört, vertreibt mittlerweile nicht nur Matratzen der verschiedensten Fabrikate, sondern auch Lattenroste, Decken, Kissen und Bettwäsche. Ein Fragebogen zu individuellen Schlafgewohnheiten und Körpermerkmalen des Kunden auf der Internetseite soll die Auswahl einschränken und leichter machen. In der Frankfurter Moselstraße sitzen auf mehreren Etagen viele junge Menschen, die Käufer telefonisch beraten. Mitten drin im Gründer-Großraum mit Skyline-Blick steht ein großes Bett. Zeit für ein Nickerchen hat hier aber niemand. Von einer nur zwölf Quadratmeter großen Kammer aus hat sich das ursprüngliche Zwei-Mann-Start-up von 2013 an auf eine Fläche von heute 1000 Quadratmeter entwickelt, wo derzeit rund 100 Mitarbeiter ihrer Tätigkeit nachgehen.

Emma ist der Renner im Internet

Ende 2016 übernahm die Bettzeit-Gruppe die 1952 in Hanau gegründete Traditionsmarke Dunlopillo, die zuletzt in Alzenau ansässig war und mit der Insolvenz auch die Produktion eingestellt hat. Techniker des Reifenherstellers Dunlop haben bereits in den dreißiger Jahren in Hanau den weltweit ersten Latexkern für Matratzen entwickelt. Der bekannte blaue Marken-Schriftzug des Unternehmens hängt jetzt in der Moselstraße groß an der Wand. Im Gegensatz zu den anderen Produkten sollen die Dunlopillo-Matratzen weiterhin über den stationären Handel vertrieben werden. „Das große Wachstum des Online-Marktes wird vermutlich bald erschöpft sein, deshalb setzen wir auch noch auf den klassischen Kauf beim Händler im Fachgeschäft“, sagt Müller, der zuvor bereits ein Unternehmen für medizinische Pflegematratzen betrieb.

Mit Max Laarmann stieß vor eineinhalb Jahren ein dritter Gründer dazu; er ist der Chef der Emma Matratzen GmbH, einer weiteren Tochter der Bettzeit-Gruppe. „Emma“ heißt auch das einzige Produkt dieses Unternehmens, eine Matratze, die für (fast) alle Menschen passen und deshalb die lange Suche nach der geeigneten Schlafunterlage vereinfachen soll. 1500 Stück der geschäumten Matratze verkauft das Unternehmen pro Woche im Netz an Kunden aus acht Ländern. Ohne Zwischenhandel – nur deshalb sei sie deutlich unter 500 Euro zu haben –, mit eigener Produktentwicklung, fast komplett „Made in Germany“ und lieferbar innerhalb von ein bis zwei Werktagen: Das sind Eckdaten, die offenbar ein junges Publikum zwischen 20 und 40 Jahren ansprechen. Werbe-Ikone für die „Emma“ ist Sängerin Lena Meyer-Landrut.

Probeliegen wird überschätzt

„Wir haben eine eigene Forschung und Entwicklung aufgebaut, die europaweit sehr weit vorn liegt“, werben die Gründer. Probeliegen könne man mittlerweile auch in einem Showroom in Frankfurt, doch diese Möglichkeit werde von Skeptikern eines Online-Matratzenkaufs überschätzt. „Man kann nicht nach einigen Minuten oder auch nach einer Stunde feststellen, ob eine Matratze wirklich geeignet ist“, sagt Schmoltzi. Die jungen Gründer, Laarmann ist erst 24 Jahre alt, setzen deshalb vor allem auf gründliche Beratung und eine 100-Tage-Rückgabe-Garantie.

„Wir wollen die zufriedensten Träumer haben“, sagen die drei, das sei ihr Anspruch. Es klingt wie ein Werbespruch, obwohl sie ihn in ihrer Werbung gar nicht verwenden. Auch Marken unterliegen oft eher Träumen. Denn ganz unabhängig vom Vertriebskanal werden demnächst sowohl die noch junge „Emma“ als auch ein großer Teil der Traditionsmatratzen Dunlopillo von demselben Zulieferer hergestellt.

Quelle: F.A.Z.
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