Autobauer in der Krise

Durchbruch in der Opel-Sanierung

Von Martin Gropp, Berlin
 - 22:55

De Hängepartie um die Zukunft der rund 19.000 deutschen Opel-Mitarbeiter hat ein Ende. Am Dienstagabend teilten das Unternehmen, die Arbeitnehmervertreter sowie die Gewerkschaft IG Metall mit, sich auf Eckpunkte zur Zukunftssicherung der Opel-Standorte in Deutschland geeinigt zu haben. Demnach will Opel unter dem neuen Eigentümer, dem französischen Konzern PSA Peugeot Citroën, hierzulande insgesamt 3700 Stellen abbauen, das entspricht rund 20 Prozent der derzeitigen Angestellten hierzulande. Der Abbau erfolge ausschließlich über die in den vergangenen Monaten vereinbarten ausgeweiteten Programme für Altersteilzeit, Vorruhestand sowie über Abfindungsangebote für Mitarbeiter, die Opel freiwillig verlassen wollen.

Bisher hätten 3500 Arbeitnehmer eines dieser Programme in Anspruch genommen, teilte das Unternehmen mit. Die verbleibenden Arbeitnehmer erhalten eine fünf Jahre lang geltende Beschäftigungsgarantie. Im Gegenzug verzichten sie laut Opel auf tariflich vereinbarte Zusatzzahlungen, die von Mitte nächsten Jahres an fällig geworden wären. Mögliche weitere Tariferhöhungen vom Jahr 2020 an würden verschoben, hieß es.

Personalabbau soll freiwillig erfolgen

Eine Einigung gibt es auch in der Frage, welche Opel-Autos die Mitarbeiter des Werks in Eisenach künftig herstellen sollen. Demnach soll am Standort in Thüringen von Mitte des nächsten Jahres an der sportliche Geländewagen Grandland X mit Verbrennungsmotor in zwei Schichten vom Band laufen. Mitte übernächsten Jahres folgt dann eine Hybridversion dieses Autos. Die schlechte Nachricht: Opel wird dafür weniger Mitarbeiter benötigen als bisher. Von zuletzt rund 1300 Stellen fallen 450 weg. Der Personalabbau soll laut Betriebsrat und IG Metall freiwillig erfolgen. Eigentlich war vorgesehen, in Eisenach zwei Fahrzeugmodelle bauen zu lassen. Die Gewerkschaft hatte bestritten, dass der Grandland X, wenngleich in zwei Motorversionen, ein adäquater Ersatz für den ursprünglichen Plan sei.

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ZukunftsängsteOpelaner demonstrieren gegen mögliche Stellenstreichungen

Die Eckpunkte seien ein wichtiger Schritt, um den Umbauplan „Pace“ umzusetzen, ließ sich Opel-Chef Michael Lohscheller zitieren. Opel werde so wettbewerbsfähiger, und das sei auch für die Mitarbeiter die beste Zukunftssicherung. „Wir schauen nach vorne, und wir haben es wie versprochen ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen geschafft“, sagte Lohscheller. „Wir haben mit den Eckpunkten endlich das bekommen, was wir seit langem fordern: eine Absicherung der Beschäftigten für die nächsten fünf Jahre und eine Investitionszusage für alle deutschen Standorte“, sagte Wolfgang Schäfer-Klug, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel. Jörg Köhlinger, der Leiter des für den Autohersteller zuständigen IG-Metall-Bezirks Mitte nannte die Einigung einen wichtigen Meilenstein. „Damit sind erhebliche Hürden aus dem Weg geräumt.“

Die Einigung ist den Angaben der Parteien nach in intensiven Verhandlungen zustandegekommen. Am Montag und Dienstag hatte die sogenannte Einigungsstelle getagt, ein Gremium von Vertretern von PSA und Opel, Betriebsrat sowie Gewerkschaft. Zwischenzeitlich stand auch im Raum, dass die von einem unabhängigen Arbeitsrichter geleitete Einigungsstelle zu keinem Ergebnis kommt. Für diesen Fall hatte die Arbeitnehmerseite angekündigt, den Konflikt um die Zukunft der deutschen Standorte eskalieren lassen zu wollen. Das hätte wohl auch Streiks umfasst. Eine Ausweitung des Konflikts ist mit der Einigung nun vom Tisch. In Deutschland betreibt Opel derzeit zwei Fahrzeugfabriken – eine am Standort in Rüsselsheim und das Werk in Eisenach. Hinzu kommt eine Fabrik in Kaiserslautern, in dem die Mitarbeiter Fahrzeugkomponenten fertigen sowie das Testzentrum in Dudenhofen nahe Rüsselsheim und ein zentrales Ersatzteillager am früheren Werksstandort in Bochum.

An den anderen Opel-Standorten in Europa hatten sich PSA und Opel mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretern schon auf Investitionspläne geeinigt, teils unter großen Zugeständnissen der Arbeitnehmerseite. Außerhalb Deutschlands arbeiten gut 17.000 Menschen für Opel. Nun könne auch in den Betrieb hierzulande etwas Ruhe einkehren, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Schäfer-Klug. „Alles weitere werden die weiteren Verhandlungen zeigen.“

Quelle: F.A.Z.
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
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