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Einzelhandel

Streit um „Malls“ in Mittelhessen: „Wir bringen die Innenstädte um“

 - 08:11

Die Absage ist deutlich. Bei der Eröffnung des Einkaufszentrums „Forum Wetzlar“ an diesem Mittwoch wird sich der Marburger Oberbürgermeister Dietrich Möller nicht blicken lassen. Der Christdemokrat ist sauer auf die Nachbarstädte Wetzlar und Gießen, in denen derzeit gleich zwei große Malls entstehen. „Ich halte diesen Kampf untereinander um Kunden für sowas von unsinnig und schädlich“, wettert Möller. „Wir bringen doch nur gegenseitig unsere Innenstädte um.“ Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg dagegen rechnet nach der Eröffnung der Einkaufsgalerien zwar mit einer massiven Umsatzverschiebung innerhalb der Städte, aber kaum zwischen den drei mittelhessischen Zentren.

Was die Kaufkraft angeht, liegt Gießen an der Spitze. Der sogenannte Zentralitätsgrad, ein Indikator für die Attraktivität einer Einkaufsstadt, beträgt etwa 2,2. Das heißt: In der 74.000-Einwohner-Stadt wird mehr als das Zweifache der am Ort vorhandenen Kaufkraft umgesetzt. Wetzlar mit seinen knapp 53.000 Einwohnern hinkt mit einem Wert von 1,85 hinterher. „Nach der Schließung von Kaufhäusern in den letzten Jahren sind viele Käufer zunehmend an Wetzlar vorbeigefahren - nach Gießen, Siegen oder Limburg“, klagt der liberale OB Wolfram Dette. „Mit dem 'Forum' wollen wir die Käuferströme der früheren Jahre zurückgewinnen und ausbauen.“

„Kauflaune nicht beliebig zu steigern“

Wenn das am Bahnhof gelegene neue Einkaufszentrum gut läuft, hofft der Rathauschef auch auf eine Belebung der Innenstadt - etwa eine Aufwertung der Bahnhofstraße, in der sich zahlreiche Billigläden angesiedelt haben. Und die Veranstaltungshalle „Mittelhessen-Arena“, die Mitte März in Wetzlar eröffnet wird, werde ein „zusätzlicher Magnet“, ist Dette überzeugt. „Derartige Veranstaltungen - etwa ein Konzert mit Joe Cocker - hat es vorher zwischen Frankfurt und Kassel nicht gegeben.“ Der Oberbürgermeister setzt für das „Forum“ vor allem auf das Einzugsgebiet aus dem Westerwald, der Gießener Stadtbaurat Thomas Rausch (CDU) geht für die 16 Kilometer entfernte „Galerie Neustädter Tor“ von Käufern etwa aus Marburg und dem Vogelsberg aus.

„Die Städte haben ihre eigenen Einzugsgebiete, die Überschneidungen sind nicht so sehr groß“, betont auch Markus Gilbert. Der IHK-Geschäftsführer warnt allerdings davor, daß sich die vergleichsweise hohe Kauflaune in Gießen nicht beliebig steigern lasse. „In der 'Galerie' müßte rund ein Drittel des jetzigen Innenstadt-Umsatzes erzeugt werden. Man hofft auf Zugewinne aus dem Umland, aber die wird es meines Erachtens kaum geben.“ Statt dessen werde sich der Umsatz dramatisch umverteilen - mit der Folge von Geschäftsaufgaben und Leerständen. Wo diese Entwicklung eintreten werde - in den Randlagen der Innenstadt oder aber im neuen Einkaufszentrum selbst -, sei nicht vorauszusehen.

IHK sieht „Malls“ als übergroß an - Gießen mit Zeitverzug

Das Gießener Projekt leidet zudem unter Zeitverzug: Die „Galerie Neustädter Tor“ am Rande der Innenstadt wird erst zum Weihnachtsgeschäft 2005 eröffnet, ein gutes halbes Jahr später als das „Forum“. „Zunächst wird es einen Neugier-Effekt in Richtung Wetzlar geben“, räumt Rausch ein. Der Stadtbaurat hat hitzige politische Diskussionen über die Galerie hinter sich, das Zentrum ist ungleich umstrittener als das in Wetzlar. Einzelhändler und Anwohner gingen gegen den Bau auf die Barrikaden: Sie befürchten einen Verdrängungswettbewerb und eine Verödung der Fußgängerzone.

Beide Projekte sind nach Ansicht der IHK überdimensioniert - die 120 Millionen Euro teure „Galerie“ des Investors Rosco (19 000 Quadratmeter Verkaufsfläche) und das zehn Millionen teurere „Forum“ der Deutschen Euroshop AG und des Dienstleisters ECE (rund 23.500 Quadratmeter). Bis vor wenigen Monaten sah es so aus, als würde noch ein weiteres Einkaufszentrum in Gießen um Kunden rangeln. Nach dem Absprung mehrerer Mieter gilt der Bau des „Liebig-Centers“ jedoch als unwahrscheinlich. Für das Gießener Regierungspräsidium ist der Mall-Zwist in Mittelhessen dagegen unbegründet: Zwei Gutachten zufolge werde Marburg „so gut wie gar nicht beeinflußt“, und Gießen und Wetzlar würden sich vermutlich so gut wie keine Kunden abjagen.

Quelle: dpa.
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