Wirtschaft
Frankfurt

Ernüchterung nach dem Umbau der Großen Friedberger

Von Petra Kirchhoff, Frankfurt
© Wonge Bergmann, F.A.Z.

Es hat lange gedauert. Frank Ziegler, Inhaber des Einrichtungshauses Leptien 3, kann sich noch gut daran erinnern, wie ein Nachbar bei seinem Einzug an die Große Friedberger Straße vor zwölf Jahren spöttelte: „Jetzt, wo die Straße renoviert wird, da kommen Sie.“ Das war sehr optimistisch, wie sich zeigte. Erst zehn Jahre später rückten die Bauleute an, um die Einkaufsstraße, die bei der Konstablerwache in nördliche Richtung von der Zeil abgeht, so umzubauen, wie von der Stadt seit langer Zeit versprochen. Zwei Jahre lang wurde gebuddelt und gepflastert. Seit diesem Frühjahr ist die Große Friedberger samt zweier Nebenstraßen fertig renoviert. Die Fahrbahn ist jetzt mit 5,50 Metern nur noch knapp halb so breit wie vorher, was dem Verkehrsfluss nach dem Urteil der Anlieger nicht geschadet hat. Dafür haben Fußgänger mehr Platz auf deutlich breiteren Bürgersteigen.

Davon profitieren auch Gastronomiebetriebe wie das Ristorante Rustico, das jetzt alle Tische auf dem Trottoir unterbringt und keine Holzpaneelen mehr auslegen muss, um die Fläche zur Fahrbahn hin zu verbreitern. Auffällig ist die hohe Zahl an Bügeln, an denen Stadtbesucher ihr Fahrrad anschließen können – 43 an der Zahl. Viele sind schon morgens bei Geschäftsbeginn belegt. Dagegen sind die Kurzzeitparkplätze für Autofahrer weggefallen. Stellplätze zum Ein- und Ausladen gibt es jetzt auf einem sogenannten Multifunktionsstreifen. Zehn neue Bäume wurden gepflanzt, steinerne Sitzbänke aufgestellt. Knapp drei Millionen Euro hat die Stadt Frankfurt dafür aus ihrem Topf „Schöneres Frankfurt“ spendiert.

Keine Aufbruchstimmung spürbar

Man könnte sagen: Das Geld ist gut investiert. Denn die Große Friedberger Straße ist die größte und vom Angebot her die interessanteste Nebenstraße der Zeil. Kunden finden hier neben zugkräftigen Ketten wie dm und Aldi eine Reihe inhabergeführte Geschäfte: neben dem Premiummöbel-Anbieter Leptien 3 etwa, den Elektronikfachhändler Hifi-Profis, der erst seit fünf Jahren auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern im ehemaligen Helberger-Haus zu finden ist. Ebenso das Lichtcenter und die Sportfachgeschäfte Frankfurter Laufshop und Alpin Basis, das Spielzeugfachgeschäft Wohnen&Spielen, den Bequemschuh-Spezialisten Schuh Herbert und das Möbel- und Polstergeschäft Powalla, das zu den ältesten Mietern an der Straße zählt, was man dem Geschäft allerdings auch ansieht.

Viele Passanten kennen die Straße auch von der Verbraucherzentrale Hessen, die hier ihren Sitz und eine Beratungsstelle hat. In die Liga verschiedener Essensangebote reihen sich neuerdings zwei größere Kebap-Häuser ein, mit Sitzplätzen vor der Tür. Neu hinzugekommen ist eine Apotheke im denkmalgeschützten Haus „Zum Mohren“. Inhaber Alexander Schwartz ist mit seiner Filiale von der hinteren Zeil dorthin umgezogen und hat mehrere Etagen in dem schmalen Haus aufwändig renovieren lassen. Er habe einen langfristigen Mietvertrag und daher mutig investiert, sagt der Apotheker. Die Händler sind froh, dass die Straße nun fertig ist, hatten ihre Umsätze wegen der Baustelle doch gelitten. Eine Aufbruchstimmung ist nach dem Umbau trotzdem nicht auszumachen.

„Das Geld ist aus dem Fenster geschmissen“

Zwar finden die meisten, dass sich das Bild der Straße insgesamt verbessert hat und sie aufgrund der breiten Gehwege einladender ist als vorher. „Aber wir hatten uns etwas mehr vorgestellt“, meint etwa Hermann Siegfried, Filialleiter von Schuh Herbert. Auch Ernst Schmid, Geschäftsführer der Hifi-Profis, hätte sich das Ergebnis „etwas schicker“ gewünscht. Einerseits. Andererseits stellt er fest: „Je einladender eine Straße ist, umso schneller verkommt sie zur Camping-Zone.“ Auch die Zustände an der Großen Friedberger haben sich nach den Aussagen der Anlieger verschlechtert, seitdem die Straße so bequem zu passieren ist. Vor allem die Sitzblöcke zögen eine Klientel an, die man bisher an der Straße nicht angetroffen habe: Obdachlose, Bettler, alkoholisierte Menschen, die gerne auch mal laut sind und Getränke verschütten. Die Leute in der Innenstadt nähmen grundsätzlich keine Rücksicht mehr, bedauert Leptien-Chef Ziegler. Es fällt auf, wie schmuddelig der neue Belag auf dem Bürgersteig schon nach kurzer Zeit ist. Heruntergefallene Essensreste und Getränke haben deutliche Spuren auf dem Pflaster hinterlassen.

An einer Stelle ist ein Sitzblock aus seiner Verankerung gerissen, was allerdings auf einen resoluten Autofahrer zurückgeht, wie Schmid berichtet. Inga Meyer-Denzel, Inhaberin von Wohnen & Spielen, fragt sich, warum die Stadt einen empfindlichen Belag gewählt hat, der keine Abnutzung verträgt. „Wer fällt solche Entscheidungen?“ Das ärgert auch Ernst Schmid: „Das Geld ist aus dem Fenster geschmissen.“ Bei den nächsten Projekten kann es die Stadt Frankfurt also besser machen. Zehn Millionen Euro stellt sie jedes Jahr für die Verschönerung von Straßen und Plätzen zur Verfügung. Als Nächstes stehen die nördliche Fahrgasse und die Straße An der Staufenmauer auf dem Sanierungsprogramm. Der Beschluss für das mit 4,5 Millionen Euro veranschlagte Projekt soll im ersten Halbjahr 2018 fallen. Baubeginn könnte dann nach Angaben der Verwaltung Ende 2018/Anfang 2019 sein, wenn es nicht, wie die Erfahrungen an der Großen Friedberger zeigen, doch noch ein bisschen später wird.

Quelle: F.A.Z.
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