Stromversorgung

Ein Umspannwerk nur für Rechenzentren

Von Thorsten Winter, Frankfurt
 - 16:25

Das neue Umspannwerk zwischen der Hanauer Landstraße und dem Main könnte 26.000 Haushalte mit Strom versorgen - also eine Stadt wie Bad Homburg zum Beispiel, sagt Lothar Herbst. Doch die Mainova AG, in deren Vorstand Herbst für die Netze zuständig ist, beliefert keine Kleinstadt von diesem Standort aus mit Strom. Vielmehr fließt alle Energie daraus künftig in die Rechenzentren von Interxion. Der Datacenter-Betreiber investiert 20 Millionen Euro in das Umspannwerk, das die Mainova-Tochter Netzdienste Rhein-Main betreiben wird. Im August soll es in Betrieb gehen. Die Großinvestitionen ist ein weiterer Beleg für das anhaltende Wachstum in der Rechenzentrumsbranche am Main.

Das Werk wird nach Angaben von Interxion rund 39 Megawatt Leistung für die Kunden bereitstellen und soll das weitere Wachstum des Unternehmens in Frankfurt unterstützen. Interxion verfügt bisher über zehn Rechenzentren am Standort, ein elftes befindet sich im Bau und soll in mehreren Bauabschnitten nacheinander in Betrieb gehen. Wie diese Zeitung berichtete, liegen Pläne für zwei weitere Datacenter am Main schon fertig in der Schublade. In die beiden jüngsten Rechenzentren investierte die Tochtergesellschaft eines börsennotierten Amsterdamer Konzerns jeweils gut 90 Millionen Euro.

Höherer Strombedarf als der Flughafen

Vor allem die Nachfrage nach sogenanntem Cloud Computing („Software aus der Steckdose“) treibt das Geschäft von Interxion an, wie der neue Geschäftsführer Jens Prautzsch sagt. Auch Unternehmen aus der Industrie griffen vermehrt auf Kapazitäten zur Speicherung und Verarbeitung von Daten in fremden Hochleistungsrechnern zurück, statt weiter eigene Rechenzentren zu betreiben. Das spielt Anbietern wie Interxion in die Karten, denn in ihren Immobilien stellen Cloud-Betreiber solche Hochleistungsrechner auf. Interxion muss für ständige Stromzufuhr und Kühlung der Computer sowie für Sicherheit sorgen. Außer durch Cloud Computing steigt die Nachfrage nach Stellplätzen für Hochleistungsrechner auch wegen des weiter wachsenden Datendurchsatzes in Smartphones. Zudem erzeugen Videostreaming-Dienste wie Netflix einen enormen Datenverkehr.

Und das Wachstum nimmt weiter zu: Laut Prautzsch hatte Interxion von 1999 bis 2014 seine Kapazitäten in etwa in gleichem Maße ausgebaut wie von 2014 bis jetzt. Die Rechenzentren ziehen längst mehr Strom ab als der hiesige Flughafen - und sie sind für die wirtschaftliche Entwicklung der Region genauso elementar wichtig wie das Luftfahrtdrehkreuz, wie Mainova-Vorstand Herbst hervorhebt. Er erwarte weitere Ansiedlungen von Datacentern. Schon jetzt beliefere die Mainova vier Fünftel der Branche am Main.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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