FAZ plus ArtikelMusikmesse in Frankfurt

Klangvolle Spezialitäten aus Hessen

Von Thorsten Winter
 - 08:45
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Da Kaufleute gerne das Klagelied singen, muss Martin Seeliger etwas falsch verstanden haben. Auf die Frage, wie das Geschäft so laufe, antwortet der Chef der Gitarren-Manufaktur Lakewood an seinem Musikmesse-Stand gutgelaunt: „Ich bin sehr zufrieden.“ Wie kann das sein, wenn der Branchenverband vor Eröffnung der Schau gemahnt hat, strenge Vorschriften zu Edelhölzern machten Gitarrenbauern das Leben schwer? Der Gießener verweist auf eine gute Nachfrage. Nun zählen Lakewood-Gitarren nicht gerade zu den Billigprodukten. „Made in Germany“ will bezahlt sein. Wer eine Westerngitarre aus Gießen will, muss eine vierstellige Summe locker machen. Und das mögen sich jedes Jahr mehr als 1000 Kunden in Deutschland und anderswo leisten, wie Seeliger berichtet.

Die Gründe dafür seien vielfältig. „Manche haben einfach den Wunsch, eine Lakewood zu besitzen.“ Hinzu komme, dass man für sein Geld auf der Bank nichts bekomme. „Sechs, acht Prozent Zinsen, diese Zeiten sind ja vorbei.“ Eine Manufaktur-Gitarre könne demgegenüber als Wertanlage dienen. Zudem sei es auch eine emotionale Sache, ein solches Instrument zu kaufen – statt einer „Industriegitarre“ aus der Massenproduktion.

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Bass-Legende als Aussteller: Rolling-Stones-Mitglied zeigt eigene Kollektion

Da steht er, ganz bescheiden mit brauner Tweed-Kappe, hellem Leinen-Schal und Khaki-Hose, und schaut einem Mann beim Bass-Spielen zu. Als wäre er irgendwer. Doch der Mann mit den Rastalocken und dem dunklen Teint am Stand D.24 in Halle 9 der Frankfurter Messe ist nicht irgendwer. Ansonsten stünde er nicht seit 24 Jahren neben Mick Jagger und Keith Richards auf der Bühne und im Studio. Darryl Jones tritt aber nicht als Bassist der Rolling Stones auf der Musikmesse in Frankfurt auf. Er zeigt dort vielmehr seine erste brandneue Kollektion von E-Bässen sowie Gitarren. Erst seit Mittwoch sind seine vier Modelle auf dem Markt.

Die Musikmesse kommt dem 56 Jahre alten Jungunternehmer wie gerufen, mit möglichen Kunden ins Gespräch zu kommen. „Es ist sehr wichtig, den Leuten zu sagen, dass eine solche Firma existiert“, sagt er. Jones lobt die Musikmesse als großartig. „Es ist immer noch die zweitgrößte Schau ihrer Art auf der Welt. Und diese Messe ist ein wichtiger Ort für alle, die Instrumente verkaufen wollen“, hebt er in ruhigem Ton hervor. Überhaupt gibt er sich im Gespräch unaufgeregt-zugewandt.

Jones ist mit zwei Bässen und zwei Gitarren an den Main gekommen. Ein Bass heißt Chatham, benannt nach dem Stadtteil von Chicago, in dem der Musiker aufwuchs. Eine Gitarre hat er Stratham getauft, angelehnt an seine Heimat und die Fender Stratocaster, an die das Instrument stark erinnert. „Leo Fender hat so viel richtig gemacht, wir bauen nur hier und da moderne Technik ein“, sagt Jones.

Aber weshalb versucht sich einer wie er, der für Miles Davis, Sting und Peter Gabriel gespielt hat, als Unternehmer? „Es ist eine andere Art von Kreativität“, antwortet er. Auch sei das Designen ein „Schaffen aus Liebe“. Er wolle Instrumente von bleibendem Wert schaffen, die für die Käufer kostbar seien. „Wenn ich 100 Stück verkaufen kann, bin ich froh, wenn es 10000 sein sollten, bin ich froher.“

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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