Opel-Kommentar

Das Zittern hat vorerst ein Ende

Von Thorsten Winter
 - 13:14

Noch am vergangenen Montag standen die Zeichen bei Opel auf Konfrontation. Betriebsräte wiesen die Belegschaft genüsslich per Flugblatt auf einen Lapsus des Managements hin, das etwa 400 Mitarbeiter nach Einschätzung der Arbeitsagentur zu früh aus der Firma verabschiedet hat. Zuvor hatten sich Arbeitnehmervertreter lauthals über „erpresserischen Druck“ aus der Chefetage und über Verunsicherung der Mitarbeiter beklagt.

Nur einen Tag später ist es aber zur erhofften Übereinkunft zwischen Vorstand auf der einen Seite sowie den Betriebsräten und der IG Metall auf der anderen gekommen. Die Eckpunkte zur Zukunftssicherung beenden die seit Herbst währende Unsicherheit – zumindest vorerst.

Die Erleichterung unter den verbleibenden Opelanern muss groß sein. Dafür spricht schon der Beifall für Arbeitnehmervertreter und Geschäftsleitung im Verlauf einer Versammlung in Rüsselsheim am Tag nach der Übereinkunft. Das ist verständlich. Auch wenn zuletzt das Werk Eisenach als besonders gefährdet galt, stellten sich auch zur Zukunft des Stammsitzes in Rüsselsheim viele Fragen. Einiges ist nun tatsächlich klarer geworden – und zwar zum Guten für die Südhessen.

Das liegt zuerst an den neuen Aufgaben für das Entwicklungszentrum. Dass es fortan die neue Generation von Benzinmotoren für die gesamte PSA-Gruppe entwickeln soll, dient der Arbeitsplatzsicherung. Gleiches gilt für die Vorgabe, in der Zukunft jedes europäische Opel-Modell dort zu entwerfen, wenn auch auf Basis von Technik des Mutterkonzerns. Das ist wichtig, arbeiten doch im Entwicklungszentrum etwa doppelt so viele Beschäftigte wie im Rüsselsheimer Produktionswerk. Zumal die Ingenieure mit den Aufgaben in den ausgelobten 15 Kompetenzzentren sicher nicht ausgelastet wären.

Indem er den Mitarbeitern für die Beiträge zur Kostensenkung im Sinne einer besseren Wettbewerbsfähigkeit dankt, trifft Vorstandschef Lohscheller den richtigen Ton. Vor ihm und der Belegschaft liegt aber weiter die eigentliche Aufgabe: Opel wieder profitabel zu machen.

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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