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Schwierige Suche nach E-Autos

Zu teuer, zu wenige Angebote

Von Wolfgang Oelrich
 - 17:28

Die Umwelt liegt Malermeister Günter Blasini am Herzen. Daher will er den Fuhrpark seines Zwölf-Mann-Betriebs im mittelhessischen Lich auf Elektrofahrzeuge umstellen. Doch das ist nicht so einfach. Die Preise sind hoch, die Reichweite der Batterien lässt zu wünschen übrig, und das Angebot der Autobauer für Handwerker ist – freundlich ausgedrückt – überschaubar.

Zwei reine E-Autos hat Blasini bereits laufen: einen VW Up und einen Golf. Unübersehbar prangt auf beiden der Schriftzug „sauber fahren, sauber arbeiten“. Nun soll ein Transporter her. Und da hakt es. VW hat seinen E-Crafter erst kürzlich auf der IAA-Nutzfahrzeuge in Hannover vorgestellt. Liefertermin unklar. Iveco will für seinen Daily Electric 72.000 Euro plus Mehrwertsteuer haben. Das ist dem Malermeister einfach zu teuer. Mercedes verlangt für seinen Vito 1000 Euro Anzahlung, Konfiguration sechs Monate später, Auslieferung ein Jahr später. „Diese Auskunft habe ich mündlich erhalten“, sagt der Neunundfünfzigjährige. Diese Erfahrungen zeigten, dass die deutschen Automobilhersteller offensichtlich schlecht vorbereitet seien auf die E-Mobilität.

„Äußerst durchdacht“

Vor einem Jahr hat Blasini einen Kongress über Elektromobilität im Handwerk in Langenselbold besucht. Obwohl sich dort rund 1000 potentielle Käufer tummelten, hätten die meisten Autobauer durch Abwesenheit geglänzt, berichtet er. Präsent gewesen seien lediglich Renault und Streetscooter, eine Tochter der Deutschen Post. Der Kleintransporter von Streetscooter gefällt dem Malermeister, er hält ihn für „äußerst durchdacht“. Der Wagen sei jedoch in der XL-Variante (von 40.000 Euro an) zu klein für seine Bedürfnisse, erst recht in der 32.000 Euro teuren Basisversion.

Nach längerem Hin und Her hat sich Günter Blasini für einen Nissan eNV 200 entschieden, der aber auch eine Lieferzeit von einem halben Jahr hat. Im April bestellt, soll er Ende November ausgeliefert werden. Der Wagen kostet 28.000 Euro. Blasini hat grundsätzlich Anforderungen an den Transporter: Sieben hundert Kilo Nutzlast sollten möglich sein. Das entspreche etwa einer Palette Putz. Zudem müsse der Stauraum groß genug sein, um Rigipsplatten aufnehmen zu können. Sollten die Kapazitäten nicht ausreichen, kann der Malermeister ihn von einer darauf spezialisierten tschechischen Firma für rund 10.000 Euro vergrößern lassen.

Der Nissan-Transporter ist erst der Anfang. In absehbarer Zeit will Blasini die gesamte Flotte mit sieben Firmenwagen aus Strom umstellen. Bei seinen Recherchen ist der Licher auf den italienischen Autobauer Alkè gestoßen, der Arbeitsfahrzeuge herstellt. Dessen E-Modell ist von 9000 Euro an zu haben. Blasini, selbst „zu einem Viertel Italiener“, brennt auf eine Probefahrt, wie er sagt.

Die Vorteile des Elektromotors liegen auf der Hand: keine Emissionen und viel weniger bewegliche Teile aus beim Verbrennungsmotor. Streetscooter spricht von einer Kostenersparnis von 60 bis 80 Prozent bei der Wartung und 60 bis 70 Prozent beim Kraftstoff. Hinzu kommt die Befreiung von der Kfz-Steuer. Dem stehen deutlich höhere Anschaffungskosten gegenüber, die bei einer Ausweitung der Serienproduktion allerdings ebenfalls sinken dürften.

„Natürlich muss es sich rechnen“

Wenn es ums Strom-Tanken geht, ist Blasini gut aufgestellt. Der Unternehmer kann auf selbst produzierten Strom zurückgreifen. Auf seinem Wohnhaus ist eine Zehn-Kilowatt-Solaranlage installiert, auf dem Firmengebäude eine 17-Kilowatt-Anlage. Der erzeugte Strom wird beim Leipziger Energieversorger Senec in eine virtuelle Cloud eingespeist und bei Bedarf abgerufen. Senec ist gerade dabei, ein bundesweites Netz von Ladestationen aufzubauen. Je nach Größe der Solaranlage fällt lediglich eine monatliche Bearbeitungsgebühr an. Das ist wesentlich rentabler als das Angebot des regionalen Energieversorgers, der die Stromeinspeisung mit zwölf Cent pro Kilowattstunde vergütet, für die Abnahme jedoch mit 24 Cent das Doppelte für die Kilowattstunde verlangt.

„Natürlich muss es sich rechnen“, sagt Günter Blasini. Aber Überzeugung spiele die Hauptrolle. „Wenn ich die Gelegenheit habe, etwas für die Umwelt zu tun, dann mache ich das auch.“

Schon vor 30 Jahren habe er mit seiner Frau Claudia im ersten Naturkostladen in Lich eingekauft. Blasini: „Und damals mussten wir noch jede Mark zweimal umdrehen.“

Quelle: F.A.Z.
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