Wohnungsmarkt in Mainz

„Preissprünge sind eher die Ausnahme“

Von Markus Schug
 - 11:36

Mit bis zu 14 Euro Kaltmiete je Quadratmeter muss man laut Statistik derzeit für eine Neubauwohnung in Mainz rechnen, wenn es sich um einen Erstbezug handelt. Für Eigenheime in sehr guten Lagen werden nach Angaben des Immobilienverbands Deutschland, IVD West, in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt im Durchschnitt 685 000 Euro verlangt. Doch obwohl die Immobilienpreise innerhalb eines Jahres landesweit abermals um drei bis sechs Prozent gestiegen sind, sprechen die Makler von einer „Phase der Konsolidierung“. Schließlich habe es in den vergangenen Jahren an begehrten Adressen zum Teil „exorbitante Preissprünge im zweistelligen Prozentbereich“ gegeben. Das sei momentan eher die Ausnahme.

Dass Häuser und Wohnungen teurer werden, ist laut IVD West aber nicht mehr nur ein Phänomen in den Metropolregionen. „Die Nachfrage ist in der Fläche angekommen“, sagte Andreas Schnellting, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, bei der Präsentation des Immobilien-Preisspiegels 2018 für Rheinland-Pfalz in Mainz. „Die Speckgürtel weiten sich aus.“ Selbst in bisher eher „schwierigen“, weil von Abwanderung geprägten Regionen wie Westpfalz, Südeifel und Westerwald brauchten Kunden nicht mehr auf Abschläge zu hoffen.

Zweckentfremdung verhindern

Tatsächlich gingen die Baulandpreise in allen Landesteilen nach oben – wenngleich auf unterschiedlichem Niveau. Zu den begehrten Städten mit guter Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet gehören Bingen, Ingelheim, Bad Kreuznach und Worms. Doch selbst in kleinen Gemeinden wie dem verkehrsgünstig gelegenen Bodenheim werden je nach Lage und Ausstattung Mieten von bis zu 12,50 Euro je Quadratmeter aufgerufen.

Weil das Wohnen immer teurer werde, müsse gerade in Mainz geförderter Wohnraum für jene geschaffen werden, die auf dem freien Markt kaum eine Chance hätten, sagte der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Daniel Köbler, mit Blick auf den neu erstellten Preisspiegel. Außerdem gelte es in Zentren wie Mainz und Trier durch ein Zweckentfremdungsverbot zu verhindern, dass dringend benötigte Wohnungen in Gästezimmer für Touristen verwandelt würden, weil das für den Besitzer lukrativer sei.

In Mainz hat man sich schon vor einigen Jahren darangemacht, ein Bauprogramm in die Tat umzusetzen, das bis 2020 im Vergleich zu 2011 rund 6500 zusätzliche Wohnungen bringen soll. Dieses Ziel werde man aller Voraussicht nach übertreffen, äußerte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Zum Beispiel deshalb, weil nach dem Zollhafen-Areal mit gut 1400 neuen Wohnungen und zirka 4000 Arbeitsplätzen jetzt mit dem früheren IBM-Gelände zwischen Hechtsheimer Straße und Heiligkreuzweg noch eine weitere große Entwicklungsfläche zur Verfügung stehe.

Vergangene Woche wurde auf dem 30-Hektar-Gelände, das Platz für bis zu 2000 Wohnungen und rund 6000 Bürger bieten soll, mit den Arbeiten begonnen. Die Investorengemeinschaft Richter-Ten Brinke will dort ein als Treffpunkt für Bewohner gedachtes Quartierszentrum schaffen: mit Supermarkt und Kindertagesstätte, Läden und Gastronomie sowie mit Platz für 242 Wohnungen, von denen fast die Hälfte für Geringverdiener vorgesehen seien. Insgesamt wollen die Investoren allein für dieses Projekt, das bis 2020 vollendet werden soll, rund 95 Millionen Euro ausgeben. Weitere Gebäude sind in Planung.

Auch auf den Nachbargrundstücken haben vorbereitende Arbeiten begonnen. Zweidrittel des alten IBM-Areals befinden sich im Besitz der Stadtwerke Mainz AG, die das Heiligkreuz-Viertel zusammen mit Partnern gestalten und „gut durchmischen“ soll. Fest steht, dass 25 Prozent der Wohnungen sozial gefördert sein werden. Somit dürften rund 500 Wohnungen zu für Mainz eher untypische Kaltmieten von 6,40 bis 7,25 Euro angeboten werden. Und selbst im teuren Zollhafen-Quartier wird laut Investor Sahle Wohnen auf dem „Rheinallee IV“ genannten Baufeld auch günstiger Wohnraum entstehen. Von dem Neubau in Höhe der ehemaligen Kommissbrotbäckerei dürften demnach vor allem Studenten profitieren.

Quelle: F.A.Z.
Markus Schug
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.
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