Australian Open

Kolossale Niederlage für Petkovic

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Andrea Petkovic ist bei den Australian Open nach einem unerklärlichen Leistungseinbruch in der zweiten Runde ausgeschieden. Die 30 Jahre alte Tennisspielerin aus Darmstadt verlor am Donnerstag in Melbourne gegen die Amerikanerin Lauren Davis nach einem skurrilen Spielverlauf 6:4, 0:6, 0:6. Bei Temperaturen von etwa 37 Grad musste sich die Hessin nach 1:40 Stunden geschlagen geben und schied damit als sechste von anfangs sieben deutschen Spielerinnen in Melbourne aus. „Ich habe sehr gut angefangen und mich super bewegt, dann war die Energie weg“, sagte Petkovic und konnte das deprimierende Ergebnis der letzten beiden Sätze aber auch nicht wirklich erläutern. „Ich versuche es mir selbst zu erklären, ich wollte, aber es ging einfach nicht“, sagte die ehemalige Weltranglisten-Neunte und fügte an: „Ich mache jetzt einen auf Amnesie und lösche die letzten zwei Sätze aus.“

Petkovic verpasste damit ihren ersten Drittrunden-Einzug bei einem Grand-Slam-Turnier seit knapp zweieinhalb Jahren. In der dritten Runde eines Grand Slams stand die Weltranglisten-98. zuletzt bei den US Open 2015. Gegen Davis gelangen Petkovic nur fünf Gewinnschläge, sie leistete sich 29 leichte Fehler. „Sie liegt mir überhaupt nicht“, sagte Petkovic nach der dritten Niederlage im dritten Duell mit der Nummer 76 der Tennis-Welt.

Ob Petkovic nach den Absagen von Angelique Kerber und Julia Görges im Fed Cup Anfang Februar in Weißrussland spielt, ist noch offen. Vor den Australian Open habe sie mit dem neuen Teamchef Jens Gerlach ein Gespräch geführt, sagte Petkovic nach ihrem Aus. „Ich muss mal ein bisschen in mich reinhorchen. Es gab keine Zusage, aber auch keine Absage“, sagte sie. In der Weltrangliste ist die Hessin auf Platz 98 die deutsche Nummer sieben. Noch ist offen, wen der Nachfolger von Barbara Rittner nominieren wird und ob die zuletzt kriselnde Petkovic in seinen Überlegungen eine Rolle spielt.

Die deutschen Damen bestreiten am 10./11. Februar in Minsk ihre Erstrunden-Partie gegen den Vorjahresfinalisten. Die beiden besten Spielerinnen Kerber und Görges haben bereits ihren Verzicht erklärt. Als Kandidatinnen gelten unter anderen Tatjana Maria (Bad Saulgau/47.), Carina Witthöft (Hamburg/50.), Mona Barthel (Neumünster/53.) und Anna-Lena Grönefeld als Doppelspezialistin. Laura Siegemund (Metzingen/69.) ist noch verletzt. Vermutlich werde Mitte nächster Woche eine Entscheidung fallen, sagte Petkovic.

Immerhin befand sie sich am bislang heißesten Turniertag in prominenter Gesellschaft. Auch Wimbledonsiegerin Garbiñe Muguruza aus Spanien und die an Nummer neun gesetzte Britin Johanna Konta scheiterten in der zweiten Runde. Die Weltranglisten-Dritte Muguruza musste sich Hsieh Su-Wei aus Taiwan völlig unerwartet mit 6:7 (1:7), 4:6 geschlagen geben und schied als 16. gesetzte Spielerin frühzeitig aus. Hsieh ist die Nummer 88 der Weltrangliste und trifft jetzt auf die Polin Agnieszka Radwanska. Die Wimbledon-Halbfinalistin und Weltranglisten-Zehnte Johanna Konta verlor gegen die als sogenannter Lucky Loser in das Hauptfeld gerutschte Bernarda Pera aus den Vereinigten Staaten 4:6, 5:7. Die 26 Jahre alte Britin Konta wurde an Position neun der Setzliste geführt. Von den am höchsten eingestuften Spielerinnen sind unter anderen auch Venus Williams (Vereinigte Staaten /5), Coco Vandeweghe (Vereinigte Staaten /10), Julia Görges (Bad Oldesloe/12), Sloane Stephens (Vereinigte Staaten/13) und Anastasija Sevastova (Lettland/14) bereits gescheitert.

An ihrem 30. Geburtstag erreichte Angelique Kerber dagegen die dritte Runde und das mit Spannung erwartete Duell mit Maria Scharapowa. Gegen die von ihrem früheren Coach Torben Beltz trainierte Kroatin Donna Vekic hatte Kerber keine Probleme und gewann nach nur 70 Minuten klar mit 6:4, 6:1. „Es fühlt sich großartig an“, sagte die Kielerin nach einem „Happy Birthday“-Geburtstagsständchen der Zuschauer. Die zuletzt wiedererstarkte Kerber spielte souverän auf und kam zu ihrem elften Sieg nacheinander. Auf die Frage, ob sie sich nun auf ein Eisbad freue, sagte die Australian-Open-Siegerin von 2016: „Ein Eis wäre besser.“

Nach dem Aus ihrer Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic ist Kerber damit die einzige von anfangs sieben deutschen Tennisspielerinnen in der dritten Runde. Im Kampf um den Einzug in das Achtelfinale kommt es nun zu einer schweren Herausforderung. Kerber und Scharapowa sind die einzigen ehemaligen Australian-Open-Siegerinnen im Feld. Beide sind frühere Weltranglisten-Ersten und standen sich bereits siebenmal gegenüber. Im direkten Vergleich führt Scharapowa knapp mit 4:3. Die Russin schlug die an Nummer 14 gesetzte Anastasija Sevastova aus Lettland 6:1, 7:6 (7:4).

Bei ihrem Grand-Slam-Comeback nach einer 15-monatigen Dopingsperre hatte Scharapowa im vergangenen Jahr bei den US Open noch gegen Sevastova im Achtelfinale verloren. Am bislang heißesten Tag der diesjährigen Australian Open aber ließ die Siegerin von 2008 ihrer Gegnerin bei Temperaturen von etwa 35 Grad Celsius keine Chance und verwandelte nach 1:20 Stunden ihren dritten Matchball. Während der Australian Open 2016 war Scharapowa positiv auf Meldonium getestet worden. Sie erklärte, seit Jahren ein Herzmedikament genommen zu haben, das die seit 2016 verbotene Substanz enthielt. Der Internationale Sportgerichtshof Cas reduzierte ihre zunächst zweijährige Sperre auf 15 Monate. 2017 fehlte sie daher bei den Australian Open. Im April kehrte sie beim WTA-Turnier in Stuttgart auf die Tour zurück, erhielt aber für die French Open keine Wildcard und sagte für die Wimbledon-Qualifikation wegen einer Verletzung ab. In der Weltrangliste liegt Scharapowa aktuell auf Platz 48.

Bei den Männer entschied der Weltranglisten-Vierte Alexander Zverev das deutsche Tennis-Duell mit Peter Gojowczyk für sich und erreichte die dritte Runde. Der 20 Jahre alte Hamburger setzte sich gegen den acht Jahre älteren Münchner mit 6:1, 6:3, 4:6, 6:3 durch. Im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale bekommt es Zverev am Samstag mit dem Südkoreaner Chung Hyeon zu tun. Chung hatte zum Auftakt von der Aufgabe von Alexander Zverevs älterem Bruder Mischa profitiert und in der zweiten Runde den Russen Daniil Medwedew geschlagen.

Quelle: rad./dpa
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