Australian Open

Nadal gibt auf

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Mit schmerzverzerrtem Gesicht schlich Rafael Nadal erst zum Schiedsrichter und gab ihm die Hand, ehe er seinem Kontrahenten Marin Cilic zum Halbfinal-Einzug bei den Australian Open gratulierte. Für den Weltranglisten-Ersten und Vorjahresfinalisten endete das erste Grand-Slam-Turnier nach seiner Verletzungspause und seinem Rückzieher bei der ATP-WM mit einem erneuten Rückschlag.

„Es ist ein schwerer Moment und eine verpasste Chance. Es ist schwer für mich, das zu akzeptieren“, sagte Nadal. Beim Stand von 6:3, 3:6, 7:6 (7:5), 2:6, 0:2 aus seiner Sicht gab der 16-malige Grand-Slam-Turniersieger am Dienstagabend (Ortszeit) im Viertelfinale gegen den US-Open-Champion von 2014 wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel auf. Über Art und Schwere der Blessur wollte der sichtlich frustrierte Nadal nicht spekulieren und kündigte stattdessen für Mittwoch weitere Untersuchungen an.

Im dritten Satz habe er den Muskel bereits gespürt, im vierten sei es dann nach einem Stoppball heftiger geworden. „Ich habe nicht sofort gemerkt, wie schlimm es war“, schilderte Nadal die Momente auf dem Platz. Beim Stand von 1:4 im vierten Satz ließ er sich behandeln, griff sich an den rechten Oberschenkel und schüttelte den Kopf. Einen Tag nach dem Achtelfinal-Scheitern des sechsmaligen Melbourne-Champions Novak Djokovic schied damit der nächste ganz große Name frühzeitig aus. Um einen Platz im Endspiel kämpfen stattdessen am Donnerstag Cilic und der Brite Kyle Edmund.

Im November beim Saisonabschluss der besten acht Profis des Jahres hatte Nadal nur ein Gruppenspiel bestritten und anschließend zurückgezogen. Zuletzt sagte er für ein Einladungsturnier in Abu Dhabi und die ATP-Veranstaltung in Brisbane ab. Wie auch beim sechs Monate pausierenden Djokovic war die Frage nach Nadals körperlicher Verfassung eine der am meisten diskutierten Fragen vor Turnierbeginn. Anfangs steuerte Nadal jedoch problemlos und ohne Satzverlust durch die ersten drei Runden.

Im Achtelfinale gegen Diego Schwartzman gab er erstmals einen Durchgang ab, wirkte aber dennoch insgesamt fit und stabil. Doch wie schon 2010, als Nadal im Viertelfinale gegen den diesmal von Anfang an verletzt fehlenden Andy Murray aufgab, wurde er wieder einmal von äußeren Umständen und nicht vom Gegner gestoppt. Und damit setzte der Spanier die unfreiwillige Pointe unter einen Tag voller Überraschungen: Die Belgierin Elise Mertens und der Brite Kyle Edmund erreichten ihre ersten Grand-Slam-Halbfinals, Jan-Lennard Struff zog mit dem Japaner Ben McLachlan in das Doppel-Halbfinale ein.

Eigentlich wollte der 27 Jahre alte Sauerländer Struff nach seinem Zweitrunden-Aus im Einzel gegen Roger Federer bereits mit der ersten Abordnung des deutschen Davis-Cup-Teams an die Gold Coast reisen zur Vorbereitung auf das Auswärtsspiel in Brisbane gegen Gastgeber Australien Anfang Februar. Doch Struff und McLachlan, die vorher noch nie Doppel zusammen gespielt hatten und sich auch nur flüchtig kannten, warfen das an Nummer eins gesetzte polnisch-brasilianische Duo Lukasz Kubot/Marcelo Melo mit 6:4, 6:7 (4:7), 7:6 (7:5) aus dem Turnier und kämpfen nun sogar um den Einzug in das Endspiel.

„Ich kann es selbst nicht glauben, dass wir gewonnen haben und so weit gekommen sind“, sagte Struff im TV-Sender Eurosport. „Wir sind sehr happy, dass wir hier im Halbfinale stehen und den Titel vor Augen haben, das ist völlig klar. Wir geben auch im Halbfinale Vollgas.“ Im deutschen Team für Brisbane ist Struff die Nummer zwei hinter Alexander Zverev. Dessen älterer Bruder Mischa Zverev musste krank absagen, nominiert sind noch Peter Gojowczyk und Tim Pütz.

Einen Trost gab es jedoch für Nadal: Egal, wer die Australian Open 2018 gewinnen wird, er bleibt die Nummer eins der Weltrangliste.

Quelle: ad./dpa
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