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Australian Open

Angelique Kerber kämpft lange und verliert doch

Von Peter Heß, Melbourne
 - 08:45
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Im 15. Spiel ist die Serie gerissen: Mit ihrer ersten Einzelniederlage im Tennisjahr 2018 scheiterte Angelique Kerber im Halbfinale der Australian Open in Melbourne. Die 30 Jahre alte Norddeutsche verlor gegen die Weltranglistenerste Simona Halep 3:6, 6:4, 7:9 und verpasste dadurch ihre vierte Teilnahme an einem Grand-Slam-Finale. „Ich fühle nicht, dass ich das Match verloren habe, sie hat es am Ende gewonnen“, sagte Kerber. „Ich zittere noch", sagte Halep direkt nach dem Sieg. „Es war wie eine Achterbahnfahrt, aber ich habe nicht aufgegeben. Ich bin sehr stolz auf mich."

Aber die Zuschauer verabschiedeten sie aus der Rod-Laver-Arena fast mit mehr Applaus als die siegreiche Rumänin. Seit ihrem Triumph 2016 im Finale über Serena Williams mögen die Australier Kerber ganz besonders. Und wieder vermochte sie das Publikum mit ihrem Kampfgeist zu begeistern. Viele hätten sich zwei oder dreimal in diesem Match aufgegeben. Beim Zwischenstand von 0:5 im ersten Satz, beim 1:3 im zweiten oder bei 3:5 im dritten. Aber sie mochte einfach nicht klein bei geben, solange sie noch laufen konnte. Zwei Matchbälle wehrte sie im dritten Satz ab, hatte dann selbst zwei, konnte sie aber nicht verwerten, weil Halep die Initiative übernahm und Winner schlug.

Kerber war ab Mitte des dritten Satzes am Ende ihrer Kräfte, ihr Wille hielt sie aber im Spiel, bis sie nach 2:20 Stunden Spielzeit und der Abwehr eines weiteren Matchballs dann doch die Niederlage akzeptieren musste. Trotz ihres knappen Scheiterns am Donnerstag verbucht Kerber die Kampagne in Australien als Erfolg. Durch den Turniersieg in Sydney und den Einzug in die Runde der letzten vier in Melbourne steigt sie in der Weltrangliste wieder in die Top Ten auf, nachdem sie bei den Australian Open als Folge ihres desaströsen Jahres 2017 nur als Nummer 21 gesetzt war.

Wie im Achtelfinale gegen die Taiwanesin Hsieh geriet Kerber schnell in Rückstand, nur noch in einem viel dramatischeren Ausmaß – nach 13 Minuten lag sie 0:5 zurück. In dieser Zeit waren ihr mehr leichte Fehler unterlaufen als in der gesamten Viertelfinal-Begegnung mit der Amerikanerin Madison Keys. Die Deutsche ließ sich trotz des aussichtslosen Zwischenstands nicht hängen. Plötzlich fanden ihre aggressiven Grundlinienbälle ihr Ziel und die Auseinandersetzung erhielt das hohe Niveau, das die Experten und Fans von Anfang an erwartet hatten. Schnell verkürzte Kerber auf 3:5. Aber bevor sie sich Hoffnungen auf den Ausgleich machen konnte, nahm ihr die Rumänin abermals den Aufschlag ab – zum Satzgewinn.

Auch im zweiten Durchgang lag Kerber rasch 1:3 zurück, das Halbfinale schien damit eindeutig in Richtung Halep zu gehen. Doch noch einmal vermochte sich die ehemalige Weltranglistenerste zu steigern. In einem nun begeisternden Match mit vielen dramatischen Ballwechseln schaffte sie es, den zweiten Satz 6:4 für sich zu entscheiden. Nach dem Satzball ging sie auf die Knie und rang nach Atem. Die Frau, die von sich behauptet, ewig laufen zu können, rang während ihres 15. Einzels in 25 Tagen erstmals sichtbar nach Atem. Kerber fuhr auf Reserve.

Als Halep im entscheidenden dritten Satz 5:3 in Führung gegangen war, vermochte sich die Deutsche fast nur noch auf die Defensive zu beschränken. Die Auseinandersetzung schien entschieden. Doch Kerber glich mit einer unglaublichen Willensanstrengung noch einmal aus, auch weil Halep der Arm zitterte. Die Rumänin hat noch nie einen Grand-Slam-Titel gewonnen. Doch als Halep 5:6 zurücklag und Kerber zwei Satzbälle hatte, bewies sie gute Nerven, mit zwei Winnern fand sie zurück ins Spiel und glich aus.

Kerbers Widerstandkraft hielt weitere 20 Minuten, dann ging nichts mehr. Mit dem vierten Matchball entschied Halep das Match für sich.

Quelle: FAZ.NET
Peter Heß
Sportredakteur.
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