Basketball

Play-Off-Partie mit Nachspiel

Von Michael Reinsch
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Gefasst und souverän wirkte der Ludwigsburger Trainer John Patrick, erleichtert und souverän präsentierte sich sein Ulmer Kollege Thorsten Leibenath. Dabei war die einzige Viertelfinal-Serie dieser Basketball-Meisterschaft, die über fünf Spiele ging, mit einer unerfreulichen Wendung am Donnerstagabend zu Ende gegangen. Meister Bamberg, Bayern München und Oldenburg hatten sich schon für das Halbfinale qualifiziert, als ratiopharm Ulm, überragender Erster der Punktrunde, sich gegen Ludwigsburg nach zwei Siegen und zwei Niederlagen beim 91:81-Sieg in die nächste Runde quälte – oder doch (noch) nicht? Ludwigsburg hat Protest gegen die Wertung eingelegt und verlangt ein Wiederholungsspiel.

Die Ulmer wirkten vor ihrem begeisterten Publikum zunächst nicht, als verfügten sie noch über die Überlegenheit, mit der sie in der Liga von Sieg zu Sieg gedribbelt waren. Aber sie hatten mit der Truppe von Patrick während der gesamten Saison ihre Schwierigkeiten und unterlagen ihr in Liga und Pokal. Diesmal ließen sie sich nach einem schwachen Start von ihren Zuschauern immerhin zu mehr als zwanzig Punkten Vorsprung treiben und mussten erleben, dass die schwäbischen Riesen zweieinhalb Minuten vor dem Spielende auf sechs Punkte herangekommen waren – ohne ihren Cheftrainer und ohne ihren stärksten Spieler. Beide waren von den Schiedsrichtern der Halle verwiesen worden.

Manchmal sei das Siegen, besonders wenn man hoch führe, gar nicht so einfach, kommentierte Leibenath, ganz Trainer des Jahres, den Einbruch seines Teams. Beim Gegner hätten die Disqualifikationen einen „Jetzt-erst-recht-Effekt“ ausgelöst. Im Halbfinale wartet nun Oldenburg; jeder Gegner ist Ulm in dieser Saison lieber als Ludwigsburg.

Hier wirkt er eher ausgleichend: Riesen-Trainer John Patrick
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Die Ludwigsburger dagegen wollen ein Wiedersehen – jetzt erst recht. Coach Patrick hatte kurz vor dem Ende des zweiten Viertels Protest gegen eine Bestrafung mit einem Technischen Foul einlegen wollen und tat, obwohl Schiedsrichter Martin Matip ihn zu stoppen versuchte, den entscheidenden Schritt zum Anschreibetisch. Sofort entschieden alle drei Schiedsrichter auf ein zweites Technisches Foul, was den Ausschluss zur Folge hat. Dabei habe er, sagt Patrick, mit dem Technischen Kommissar, der am Anschreibetisch sitzt, abgestimmt, dass er das Formular für den Protest ausfüllen werde.

„Das war eine Provokation vom Schiedsrichter“

Nur wenige Minuten später bestrafte Matip den überragenden Ludwigsburger DJ Kennedy mit einem Technischen Foul. Auch diese Situation war zunächst nicht zu verstehen. Kennedy hatte gemault, weil er sich gefoult fühlte, lief zurück in die eigene Hälfte und stand, die Arme auf die Beine gestützt, auf dem Feld; der Ball lag dicht bei ihm, als Matip ihm wegen des Meckerns das Technische Foul anzeigte, was Kennedy veranlasste, wütend den Ball in Richtung des Schiedsrichters zu werfen. Prompt wurde er disqualifiziert.

Patrick erklärte die Situation in einem Fernsehinterview so: „Das war eine Provokation vom Schiedsrichter. Es ist nicht in Ordnung, wenn der Schiedsrichter sagt, du musst mir den Ball geben, oder hol den Ball für mich. Er ist kein Ball-Boy, er ist ein Spieler. Er hat nein gesagt, was viele Spieler tun würden, dann hat er ein Technisches bekommen und dann war er richtig frustriert.“ Die Halbfinal-Partien sind für Samstag (Meister Bamberg gegen Bayern) und Sonntag terminiert. Über den Protest soll bis zu diesem Samstag entschieden sein.

Quelle: FAZ.NET
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