Biathlon-Weltcup

Gemeinsam schießt es sich besser

Von Claus Dieterle, Ruhpolding
 - 16:24

Es war genau die richtige Antwort nach dem Fehlschuss-Festival am Donnerstag im Einzel. Endlich ein Erfolg auf heimischem Boden. Und dann noch zu viert, als Staffel-Gemeinschaftswerk. Aber Laura Dahlmeier hatte keine Zeit mehr, sich eine schwarz-rot-goldene Fahne zu schnappen und die letzten Meter vor den begeisterten 24.000 Zuschauern in der ausverkauften Ruhpoldinger Chiemgau Arena in aller Ruhe zu genießen.

Denn zum einen leistete die Italienerin Federica Sanfilippo heftigen Widerstand, und zum anderen ist Deutschlands Vorzeige-Biathletin noch nicht in der Verfassung, um die Konkurrenz in Grund und Boden zu laufen. Auch drei Nachlader am Schießstand sind für eine Präzisionsschützin wie die 24 Jahre alte Bayerin noch nicht das Nonplusultra. Das sah auch Bundestrainer Gerald Hönig bei aller Freude über den Erfolg seiner 4×6-Kilometer-Staffel vor Italien und Schweden nicht anders: „Der Sieg war schwer verdient und hat uns gutgetan, aber wir haben bei Laura gesehen, dass sie noch dabei ist, ihre Form zu finden. Bis Olympia bleibt noch viel zu tun.“

Mit den Positionen eins und zwei in seinem Quartett konnte der Thüringer vollauf zufrieden sein. Startläuferin Franziska Preuß, bislang nur mit der halben Norm für Pyeongchang ausgestattet, machte ihre Sache ausgezeichnet: kein einziger Nachlader, souverän, flott unterwegs, eine Empfehlung für Olympia. „In der Staffel geht es mir so leicht von der Hand“, beschrieb Franziska Preuß den Unterschied zum Einzelwettbewerb. „Da spüre ich den Olympia-Druck, weil ich nur die halbe Norm habe.“ Den hat ihr der Bundestrainer am Samstag ein wenig genommen: „Sie hat in Oberhof in der Staffel eine gute Leistung gezeigt, sie war hier stark – auf so jemanden würde ich in Pyeongchang nur ungern verzichten.“

Denise Herrmann, mit zwei Weltcupsiegen die derzeit erfolgreichste deutsche Biathletin, hatte beim Duell mit der italienischen Schnellschützin Dorothea Wierer im Stehendanschlag mit zwei Zusatzpatronen eine kleine Schwäche, bekam sie aber in den Griff, und übergab dank ihrer Laufstärke als Nummer eins. „Ich wusste, dass ich gegen Doro am Schießstand Zeit verlieren würde, aber ich bin froh, dass ich sie noch hinter mir lassen konnte“, sagte die Langlauf-Umsteigerin, die längst zur festen Größe geworden ist.

Aufbauwettkampf, um die Verkrampfung zu lösen

Ganz und gar nicht reibungslos lief es für Franziska Hildebrand, die Erfahrenste im Team. Sturz, gebrochener Skistock, insgesamt vier Nachlader. „Da ist einiges zusammengekommen“, sagte sie. Und auch wenn bei Schlussläuferin Laura Dahlmeier nicht alles nach Plan lief – am Ende stand der zweite Staffel-Erfolg des Winters, und das bei der Olympia-Generalprobe. „Das tut uns allen gut“, sagte die fünffache Weltmeisterin von Hochfilzen, „wir haben gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist.“

Die Staffel war der ersehnte Aufbauwettkampf, um die Verkrampfung zu lösen, die das deutsche Team bei den Heim-Weltcups befallen hat. Denn im Quartett standen die deutschen Skijägerinnen in dieser Saison bislang stets auf dem Treppchen. Auch der Bundestrainer hofft, dass der Gemeinschaftserfolg die mentale Bremse löst, dass die Lockerheit zurückkehrt, die Frechheit. Und dass seine Frontfrau ihren Killerinstinkt wiederentdeckt, ihr Sieger-Gen. „Ich hoffe, dass sich Laura in der Staffel frei gelaufen hat.“ Hönig weiß aber auch, dass die 24 Jahre alte Skijägerin die Wettkämpfe nächste Woche in Antholz noch dringend braucht, um in Bestform zu kommen. Um dann in Pyeongchang vielleicht wieder diese Unerschütterlichkeit auszustrahlen, die sie letzte Saison ausgezeichnet hat.

Quelle: FAZ.NET
Claus Dieterle
Sportredakteur.
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