Formel 1

Hamilton nutzt Vettels Pech zur Pole

Von Anno Hecker, Sepang
 - 12:14

Als Sebastian Vettels Gegner um die beste Startposition für den Großen Preis von Malaysia fuhren, stieg der Hesse aus seinem Ferrari und schüttelte jedem Mechaniker die Hand. Sie hatten alles versucht, den Formel-1-Motor in der Mittagspause gewechselt. Aber schon auf der ersten Runde Qualifikationstrainings spürte er eine Leistungsschwäche: „Da ist kein Turbolader.“ Zurück in der Box musste der viermalige Weltmeister zusehen, wie seine Chancen auf den WM-Titel unter dem Zeitdruck weiter schmolzen. Der Fehler konnte nicht rechtzeitig vor Ablauf des ersten Durchgangs entdeckt werden. Feierabend am späten Nachmittag. Vettel blieb ohne Versuch und wurde Letzter.

Das Abschiedsrennen der Formel 1 in Malaysia am Sonntag (9 Uhr MESZ/RTL/SKY und F.A.Z.-Liveticker) wird er voraussichtlich von ganz hinten aufnehmen müssen, noch hinter Pascal Wehrlein im Sauber (18.) und weit hinter dem erfolgreichsten Deutschen am Samstag, Nico Hülkenberg (Renault/8.). Vettels Rivale um den Fahrer-Titel, Lewis Hamilton, startet dagegen von der Pole-Position aus, vor Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari und Max Verstappen (Red Bull). Hamilton hat vor dem 15. von 20 Rennen 28 Punkte Vorsprung in der Fahrerwertung vor Vettel. Für einen Sieg gibt es 25 Punkte.

Hamilton war im vergangenen Jahr souverän in Führung liegend wegen eines Motorschadens ausgefallen. Später hatte er den Kampf um den WM-Titel gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg mit 380 zu 385 verloren. Wie aussichtsreich Vettel in einem funktionierenden Boliden gewesen wäre, zeigte der geringe Vorsprung Hamiltons vor Räikkönen (0,045 Sekunden). „Es tut mir Leid für Sebastian. Er wäre sehr schnell gewesen. Nachdem, was am Freitag war, ist die Pole-Position eine Überraschung für mich. Wir waren im Nirgendwo.“

Vettel lächelte in der Box, wiewohl seine Aufholjagd jäh gebremst wurde. „Man hat ja in Singapur gesehen, wie schnell sich ein Rennen drehen kann. Es ist hart, aber das gehört dazu. Ich habe den Jungs gesagt, dass wir ein paar Reifen für das Rennen gespart haben. Also, alles auf Angriff.“

Vettel muss auf Regen hoffen

Nach dem Startunfall in Singapur vor zwei Wochen, der Heppenheimer war zusammen mit Räikkönen und Verstappen (Red Bull) ausgeschieden, hatte sich Ferrari in Malaysia zunächst mit beiden Autos von der besten Seite gezeigt. Die Bestzeit Vettels im Training vor Räikkönen am Freitag deutete gute Chancen auf die Pole-Position an. Am Samstagnachmittag aber musste Vettel schon das dritte Training auf Rang zwei liegend abbrechen. Ferrari ließ den Antrieb bis zum Startplatzrennen zur Vorsicht gegen die nächste Evolutionsstufe tauschen, ein stärkeres Modell, das vierte von vier pro Saison erlaubten Aggregaten.

Dass der nächste Wechsel eine Versetzung in der Startaufstellung nach sich ziehen wird, nahm Ferrari notgedrungen in Kauf in der Hoffnung, der neue Vortrieb würde die Aufholjagd des Chefpiloten beschleunigen. Das Gegenteil ist eingetreten. Nach Angaben von Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene könnte der Ausfall eine kleine, reicht reparierbare Ursache haben: „Es sieht so aus, als liege es an einem Luftschlauch, der den Motor mit dem Turbolader verbindet.“

In Malaysia setzen früh gebeutelte Piloten auf die Laune der Natur. Der vorhergesagte Regen könnte die Karten im Grand Prix neu mischen, wie 2001. Damals rauschte Michael Schumacher in die Wiese, stand dann fast zwei Minuten an der Box - und gewann doch.

Quelle: FAZ.NET
Arno Hecker
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