Formel 1
Großer Preis von Spanien

Hamilton siegt im Duell der Könige

Von Michael Wittershagen, Barcelona
© AFP, F.A.Z.

Aus dem Sieger sprudelte es nur so heraus. Und aus dem Zweiten auch. „Ich rede hier fast genauso viel wie du“, sagte Lewis Hamilton (Mercedes), schaute nach rechts zu seinem großen Rivalen und lächelte. Die vorherigen 66 Runden beim Großen Preis von Spanien hatten es den beiden angetan. „So muss dieser Sport sein, hart, umkämpft – genau deshalb habe ich einmal mit dem Racing begonnen und diese Leidenschaft dafür entwickelt“, sagte Hamilton. Und Vettel sagte: „Es war großartig da draußen, auch wenn wir am Ende nur Zweiter geworden sind.“ Die beiden großen Rivalen im Titelkampf dieses Jahres hatten großen Spaß auf dem Circuit de Catalunya, berührten sich sogar einmal und versicherten sich am Ende des Tages doch gegenseitig großen Respekt. „Lewis hat heute den besseren Job gemacht, wir waren vom Speed her identisch“, sagte Vettel. Etwas mehr als drei Sekunden trennten sie im Ziel. Hamilton hat durch seinen Sieg den Rückstand in der Gesamtwertung verkürzt (98:104 Punkte). Als Dritter kam Daniel Ricciardo (Red Bull) ins Ziel.

Die Strategen wussten, dass der Start einer der Schlüsselfaktoren in diesem Rennen sein würde. Zumindest in der Theorie haben die Mercedes-Fahrer dank der überlegenen Antriebseinheit im Heck gegenüber der Konkurrenz noch immer einen Vorteil in Bezug auf die Beschleunigung. „Unsere Spezialisten haben ausgerechnet, dass wir bis zur ersten Kurve drei Meter auf die anderen gewinnen, wenn der Mensch keinen Fehler macht“, sagte Niki Lauda, der Aufsichtsratsvorsitzende des Rennstalls, zehn Minuten, bevor es losging. Und weiter: „Das kann rennentscheidend sein.“ Drei Meter bei einer Distanz von 740 Metern – das ist nicht viel. Lauda wirkte angespannt. Längst ist sich niemand im Team der Silberpfeile mehr sicher, dass die eigene Stärke ausreicht für Siege. Zu stark ist die Konkurrenz von Ferrari.

Hamilton verschätzt sich beim Überholmanöver gegen Vettel und wird nach außen gedrängt.
© Reuters, F.A.Z.

Als die Startampeln ausgingen, stürmte Vettel sofort nach vorne, blieb auf der Innenbahn und zog so an Hamilton vorbei. „Ich dachte, dass ich alles richtig gemacht habe. Trotzdem sind meine Hinterreifen durchgedreht“, sagte Hamilton. Hinter den beiden ging es zur Sache. Valtteri Bottas (Mercedes), Kimi Räikkönen (Ferrari) und Max Verstappen (Red Bull) gingen nebeneinander in die erste Kurve. Bottas berührte Räikkönen, der wiederum mit Verstappen kollidierte. Beim Ferrari und beim Red Bull brachen die Radaufhängungen, Bottas konnte zunächst weiterfahren.

Und vorne gab Vettel ordentlich Gas, hatte schon nach den ersten vier Kilometern rund zwei Sekunden zwischen sich und Hamilton gelegt. „Er war unglaublich schnell, ich konnte das kaum glauben“, sagte Hamilton. Der Vorsprung blieb konstant zwischen zwei und drei Sekunden, bis Vettel in der 14. Runde erstmals zum Reifenwechsel abbog und wieder die weichere Gummimischung aufziehen ließ. Hamilton blieb auf der Strecke und verlor gegenüber Vettel nun in jeder Runde zwischen einer und zwei Sekunden. Doch der Mercedes-Kommandostand beruhigte ihn und rief Hamilton via Funk zu: „Unsere Chance kommt am Ende des Rennens.“

Diese Chance kam eher, als gedacht. Als Hamilton in der 21. Runde von seinem ersten Stopp zurück auf die Strecke bog – die Mechaniker hatten an seinem Silberpfeil die härtere Mischung aufgezogen – lag er etwas mehr als sieben Sekunden hinter Vettel. Und auf einmal bekam er Hilfe aus dem eigenen Lager. Denn Bottas war noch immer auf seinem ersten Reifensatz unterwegs, als Vettel in dessen Rückspiegel auftauchte. Der Finne fuhr pro Runde mehr als zwei Sekunden langsamer, war auf den Geraden aber derart schnell, dass Vettel drei Umdrehungen für eine erfolgreiche Attacke brauchte.

Am Ende der Start- und Zielgerade täuschte er erst rechts an, zuckte kurz nach links, um dann doch rechts zu überholen. „Er war wie ein Bremsklotz“, sagte Vettel: „Ich wusste, dass ich irgendwie an ihm vorbeikommen musste – selbst wenn ich ein wenig über den Rasen fahre. So habe ich es dann gemacht.“ Jubel und geballte Fäuste in der Ferrari-Garage. Lauda verteidigte die Mercedes-Taktik später: „Ist doch logisch, wir fahren als Team“, sagte der Österreicher.

Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis von Spanien
© AP, F.A.Z.

Der große Profiteur in dieser Phase war Hamilton, der mehr als vier Sekunden gutgemacht hatte und wusste, dass Vettel noch einmal an die Box kommen musste, um ebenfalls die härtere Reifenmischung aufziehen zu lassen. Zwar konnte sich Vettel wieder ein wenig von ihm lösen, als er freie Fahrt hatte. Doch dann wurde das gesamte Feld durch das virtuelle Safety Car eingebremst, als Stoffel Vandoorne (McLaren) nach einem Zweikampf mit Lance Stroll (Williams) im Kiesbett strandete. Mercedes reagierte, holte Hamilton an die Box und schickte ihn mit der weicheren Reifenmischung zurück auf die Strecke (37. Runde). Seite an Seite schossen Hamilton und Vettel dann auf die erste Kurve zu, als der Deutsche eine Runde später ebenfalls vom zweiten Stopp zurückkam.

Hamilton attackierte, Vettel verteidigte sich. So sehr, dass sich die Reifen der Boliden kurz berührten. „Das war gefährlich“, rief Hamilton im Cockpit. Und: „So muss Racing sein, so liebe ich es“, sagte er Minuten nach dem Rennen. Der Deutsche blieb in Führung. Bis zur 44. Runde, da konnte Vettel nur noch staunen, als Hamilton den Heckflügel an seinem Silberpfeil flach stellte und dadurch beschleunigte wie ein D-Zug. Genauso fühlte es sich auch an für Vettel. „Keine Chance. Er hat mich auf der Geraden einfach aufgefressen.“

Vettel liegt während des Rennens vor Hamilton.
© EPA, F.A.Z.

Bottas stand da schon wieder in der Mercedes-Garage, nachdem er wegen eines Motorschadens ausgefallen war. Trotzdem klopften ihm Teamchef Toto Wolff und Daimler-Boss Dieter Zetsche anerkennend auf die Schulter. Sie wussten genau, dass der Hamilton-Triumph ohne den Finnen nicht möglich gewesen wäre, dass er sich an diesem Tag ganz in den Dienst seines Teams gestellt hatte und damit womöglich schon früh in der Saison viele seiner Möglichkeiten verspielt hat, noch selbst in den Titelkampf eingreifen zu können. Sein Rückstand auf Vettel in der Gesamtwertung beträgt bereits 41 Punkte.

Einer der großen Profiteure der Ausfälle bei den Top-Teams an diesem Tag war Pascal Wehrlein, der im Sauber Achter wurde und dabei mit nur einem Stopp über die Runden kam. „Das Rennen war phantastisch, damit hätte ich nicht gerechnet. In Monaco bekommen wir einige Updates ans Auto. Davon versprechen wir uns einiges und holen dann hoffentlich öfter solche Ergebnisse wie heute“, sagte der 22 Jahre alte Deutsche. Vor der Saison galt er schon als möglicher Nachfolger von Rosberg bei Mercedes, nun will er dieses Jahr nutzen, um sich wieder in Position zu bringen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Themen zu diesem Beitrag:
Lewis Hamilton | Max Verstappen | Nico Hülkenberg | Pascal Wehrlein | Sebastian Vettel | Spanien-Reisen | Spanien | Ferrari | Formel 1