Crashs in Formel 1

Verärgerter Verstappen droht mit Kopfnüssen

 - 22:19

Wenn Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist, dann hat Max Verstappen noch einen ziemlich weiten Weg vor sich. Auch in Montreal wurde er immer wieder auf seine zuletzt zahlreichen Unfälle angesprochen, doch das Krisenmanagement des jungen Niederländers erreichte dabei einen vorläufigen Tiefpunkt. „Die ständigen Fragen danach gehen mir auf die Nerven“, sagte er, „wenn es noch mehr werden, muss ich jemandem eine Kopfnuss geben.“ Mit versteinerter Miene vorgetragen, sollte es wohl die Entschlossenheit des Red-Bull-Piloten demonstrieren. Stattdessen fragt sich die Formel 1 vor dem Großen Preis von Kanada an diesem Sonntag (20.10 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei RTL) nun mehr denn je, was in den vergangenen Monaten mit dem „Jahrhunderttalent“ passiert ist. Die Kompromisslosigkeit, für die der 20-Jährige seit seiner Ankunft in der Königsklasse gefeiert wurde, ist in diesem Jahr das große Problem des jüngsten Rennsiegers der Geschichte.

An jedem der bisherigen sechs Grand-Prix-Wochenenden ist Verstappen durch Unfälle, Kollisionen oder Unkonzentriertheiten aufgefallen. Und teilweise wurde es richtig teuer. So brachte ihn zuletzt in Monaco sein Crash im freien Training um eine realistische Siegchance, da er anschließend das Qualifying verpasste. Immerhin in Montreal lief es zum Auftakt. Verstappen war am Freitag Trainingsbester, profitierte allerdings auch vom trägen Auftakt der Topteams Mercedes und Ferrari. Schon nach dem Crash in Monaco hatte sein Teamchef Christian Horner angeregt, dass Verstappen langsam mal seine Herangehensweise ändern solle. Nicht formuliert als Standpauke, eher rücksichtsvoll, als väterlicher Rat. „Max hat unheimlich viel Talent. Aber in diesem Jahr sind viele Dinge passiert, und ein neuer Ansatz würde ihm helfen“, sagte er: „Es wirkt, als sei Max momentan zu verbissen. Wenn man in so eine Spirale gerät, muss man den Reset-Knopf drücken.“

Es scheint nicht gefruchtet zu haben, denn Verstappen erwischte mit seinem Rundumschlag in Montreal nun auch den eigenen Chef. „Ich werde meinen Ansatz niemals ändern, denn er hat mich überhaupt erst dahin gebracht, wo ich heute bin“, sagte Verstappen. Er habe in dieser Saison weniger Punkte geholt als erhofft: „Aber das ist nicht alles meine Schuld, ich hatte bislang zwei Fehler drin, der Rest wird einfach dramatisiert.“ Etwaige Unstimmigkeiten wird man ausräumen müssen. Denn Red Bull hat sich ja längst darauf festgelegt, dass Verstappen den Rennstall in eine erfolgreiche Zukunft tragen soll, der Jungstar wurde mit einem langfristigen und hochdotierten Vertrag ausgestattet. Momentan wird er allerdings eher zum Problem für das Team.

Die vielen Zwischenfälle seien nämlich in zweierlei Hinblick kostspielig, sagt Horner: „Es ist teuer, das Auto zu reparieren. Und wir verschenken WM-Punkte im Kampf gegen Mercedes und Ferrari.“ Eine bessere Platzierung in der Konstrukteurs-WM bedeutet am Ende mehr Geld für den Rennstall. „Wir haben in diesem Jahr schon rund 60 Punkte liegen lassen“, sagt Horner. Da kann selbst Verstappens Teamkollege nicht die Bilanz retten. Daniel Ricciardo ist Dritter der WM-Wertung hinter dem Top-Duo Lewis Hamilton (Mercedes) und Sebastian Vettel (Ferrari), er hat schon zweimal gewonnen. Sein Vertrag läuft übrigens aus, und seine Verhandlungsposition wird gerade immer besser. Denn auf Verstappen als alleinigen Top-Piloten sollte Red Bull sich vielleicht doch noch nicht verlassen.

Quelle: tora./sid
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