Kommentar

Die Formel 1 als Formel Dreikampf

Von Christoph Becker, Mexiko-Stadt
 - 10:58

Die Karten sind verteilt in der Formel 1 für die kommenden Jahre, es herrscht Ruhe auf den teuren Plätzen. Max Verstappen, jüngster Sieger eines Grand Prix, hat seinen Vertrag bei Red Bull vor einigen Tagen verlängert. Verstappen, von nahezu jedem im Fahrerlager als Superstar für die Post-Hamilton-Vettel-Jahre gesetzt, jung genug, um alle bestehenden Rekorde zu brechen, will für den Rennstall bis 2020 starten. Das heißt: In den kommenden Jahren wird die Formel 1 einen Dreikampf erleben, mindestens. Verstappen gegen Vettel im Ferrari, der seinen Vertrag im Spätsommer ebenfalls bis 2020 verlängert hatte, und Hamilton, dem nichts übrigbleibt, als bei Mercedes zu bleiben. Ein hartes Los? Wohl kaum. Die deutsch-britische Kombination ist zum Branchenmaßstab geworden, was der Konstrukteurstitel beweist, der am vergangenen Sonntag in Austin wieder eingefahren wurde.

Hamilton, der große, vielleicht der größte Individualist, der in der Rennserie in den vergangenen Jahrzehnten unterwegs war, ist für den Daimler-Konzern zum globalen Imageträger geworden. Die Carte blanche, die Hamilton für seine Extratouren hat, zahlt er mit Siegen in Serie zurück. Wird es Vettel sein, der Hamilton übertrumpfen kann? In dieser Saison war Vettel nahe dran, nun scheint der Brite auch dank Ferraris Defektserie enteilt, die WM entschieden vor dem Rennen in Mexiko an diesem Sonntag (20.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky).

Vettel und Ferrari werden einen neuen Anlauf nehmen. Und Verstappen ist der erste Fahrer seit Michael Schumacher, der sein Heimatland in einen Formel-1-Rausch versetzt. Was Deutschland mit dem Rekord-Weltmeister vor zwanzig Jahren erlebte, geschieht den Niederlanden heute. Verstappen aber hatte im Sommer deutlich seinen Unmut über die Rückschläge bei Red Bull kundgetan. Inzwischen sind das Team und er auf die Siegerstraße zurückgekehrt. Er hat das Rennen in Malaysia gewonnen, und nicht nur Vettel sagt, dass Red Bull zu Ferrari und Mercedes aufgeschlossen zu haben scheint. Die Gehaltsaufstockung, von der man bei Verstappen ausgehen darf, wird seine Ungeduld nur kurzfristig bremsen. Er wird für Tempo sorgen, mit Red Bull wird zu rechnen sein.

Der Verdrängungskampf an der Spitze wird zunehmen. Das dürfte für steigende Zuschauerzahlen und TV-Quoten sorgen, einerseits. Andererseits aber kaum dafür, dass die Etats sinken. Schon die Regeländerungen zur laufenden Saison hatten für einen erheblichen Kostensprung gesorgt. Dabei will Liberty Media, der amerikanische Rechte-Inhaber, die Rennwochenenden zum Showspektakel machen wie zuletzt in Austin, aber zugunsten der chancenlosen kleineren Teams in einigen Jahren, wohl ab 2021, eine Kostendeckelung durchsetzen. Von 150 Millionen Euro ist die Rede, selbst von 100 Millionen. Das wäre ein Drittel dessen, was Mercedes 2015 investiert hat.

Lassen sich Mercedes und Ferrari das bieten? Sie werden auf die Show verweisen, die der Kampf zwischen Hamilton, Vettel und Verstappen zu werden verspricht. Als sie mit Bernie Ecclestone verhandelten, konnten sich die Großen stets durchsetzen. Derzeit vermisst den alten Mann, er wird 87 Jahre alt an diesem Samstag, kaum einer im Fahrerlager, derzeit ziehen Vermarkter und Teams an einem Strang. Wie es mit der Formel 1 nach Vettel und Hamilton weitergeht, wird sich entscheiden, wenn die Harmonie endet.

Quelle: F.A.S.
Christoph Becker - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christoph Becker
Sportredakteur.
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