Formel-1-Ärger durch Model

„Ich bin so dankbar, dass niemand verletzt wurde“

 - 08:18

Mit ihrem zu frühen Winken der Zielflagge beim Großen Preis von Kanada hat Model Winnie Harlow für Irritationen auf und neben der Formel-1-Strecke in Montréal gesorgt. „Ich war reichlich verwirrt“, sagte Sieger Sebastian Vettel am Sonntag. „Einige Streckenposten glaubten schon, dass alles vorbei war und schwenkten fröhlich alle Flaggen für die Fahrer.“

Der viermalige Weltmeister wollte mit seinem Ferrari auf die 70. und letzte Runde fahren, als Harlow die schwarz-weiße Flagge schwenkte. „Sag ihnen, nicht die Flagge zu schwenken, wenn es noch nicht vorbei ist“, sagte Vettel über den Boxenfunk. Vom Kommandostand erhielt der Heppenheimer die Anweisung, weiter auf dem Gas zu bleiben. Das Rennen wurde laut dem Reglement mit 68 statt mit 70 Runden gewertet. Am Ergebnis auf den ersten Plätzen änderte das nichts.

Laut Renndirektor Charlie Whiting handelte es sich um Kommunikationsproblem. Winnie Harlow habe keine Schuld getroffen. „Es war ein Missverständnis zwischen Race Control und dem eigentlich für die Flagge Zuständigen“, sagte Whiting. Ein ziemlich peinliches, muss man sagen. „Aber wir sind auch alle nur Menschen.“ Wenige Stunden später meldete sich das Model via Twitter. „Ich war's nicht (Wie schon Shaggy gesungen hat) Wenn sie dir sagen, die Flagge eine Runde zu früh zu schwenken“, schrieb die 23-Jährige, die eine gute Freundin von Vettel-Konkurrent und Mercedes-Pilot Lewis Hamilton ist. „Aber ich bin so dankbar, dass niemand verletzt wurde!“, fügte sie hinzu. Die Kanadierin ist auch bekannt, weil sie an der Vitiligo-Krankheit leidet. Ihre dunkle Haut ist mit weißen Flecken übersät.

Mit seinem Jubiläumserfolg in Kanada meldete sich Vettel an der Spitze der Formel-1-Wertung zurück. Der Ferrari-Pilot liegt nach seinem 50. Karrieresieg nun einen Punkt vor seinem Dauerrivalen und WM-Titelverteidiger Hamilton im Mercedes. Ausgerechnet auf dem Circuit Gilles Villeneuve, auf dem er schon sechs Mal gewonnen hatte, war der Brite mit seinem Team ohne Chance und wurde nur Fünfter. Vettels Start-und-Ziel-Sieg in Montréal vor Mercedes-Pilot Valtteri Bottas und Max Verstappen im Red Bull war gewiss beeindruckend. Nach den schwierigen Trainingseinheiten am Freitag steigerten sich der Heppenheimer und sein Team über die Qualifikation bis zum Rennen. Der dritte Saisonsieg des 30-Jährigen bedeutet aber nicht die Wende im WM-Kampf angesichts von noch 14 ausstehenden Rennen. So will Mercedes beim nächsten Großen Preis von Frankreich in Le Castellet endlich das Motor-Upgrade bringen, das schon für Kanada vorgesehen war. Und auch Red Bull hat sich im Laufe der bisherigen Saison kontinuierlich gesteigert.

Das Silber-Team hat seit 2014 die Formel 1 beherrscht. Doch in diesem Jahr müssen Mercedes und sein Chefpilot Hamilton gegen gleich zwei Konkurrenten kämpfen. So chancenlos wie diesmal in Montréal sind die Silberpfeile sonst nur in Monaco. Die Strecke im Fürstentum gilt schon immer als nicht gerade Mercedes-geeignet. „Das war heute ein Weckruf für jedes Mitglied im Team. Jeder muss überlegen, wie wir uns verbessern können“, forderte Teamchef Toto Wolff. Ein Trost: Beim Grand Prix in Frankreich in zwei Wochen kommt der neue Motor. Und auch das Streckenlayout in Le Castellet sollte besser zum Mercedes passen.

Mercedes, Ferrari und Red Bull sind gleichauf. Jeder ihrer Fahrer kann Rennen gewinnen. Und in der WM-Wertung sind Vettel und Hamilton nur einen Punkt getrennt. Dennoch: So spannend der Dreikampf zwischen den Top-Rennställen um die WM-Wertung ist, die Rennen sind es nicht. Der Grand Prix in Montréal war schon der dritte nach Barcelona und Monaco, der nur wenig Unterhaltsames zu bieten hatte. Überholmanöver unter den ersten Sechs – Fehlanzeige. Da waren der Crash des kanadischen Williams-Piloten Lance Stroll mit Brendon Hartley im Toro Rosso in der ersten Runde und das zu frühe Abwinken des Rennens durch Kanadas Model Winnie Harlow noch die spannendsten Momente.

Solche Worte hören die Ferrari-Fans gern. Schon nach der Qualifikation hatte Vettel an Kanadas Volksheld und Ferrari-Ikone Gilles Villeneuve erinnert, der vor 40 Jahren die Premiere auf dem Kurs in Montréal gewann. Vier Jahre später wurde die Strecke kurz nach seinem tragischen Tod nach ihm benannt. Am Sonntag dann sprach Vettel auch über Michael Schumacher, der vor ihm der letzte Kanada-Sieger in einem Ferrari war. „In den letzten Runden habe ich viel an Michael Schumacher gedacht“, sagte er. „Ich bedaure sehr, dass er heute nicht bei uns sein kann. Es war nicht ganz einfach, die Augen auf der Strecke zu halten.“

Quelle: tora./sid/dpa
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