Formel 1 in Mexiko

Vettel rast im letzten Augenblick auf die Pole Position

Von Christoph Becker, Mexiko-Stadt
 - 22:04

Die Luft ist dünn, die Strecke ist rutschig, den Autos fehlt Haftung. „Es ist sehr schwierig hier herumzukommen“, sagte Sebastian Vettel nach dem Qualifying auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexiko-Stadt. Ein weiterer Rückschlag für Vettel und Ferrari im fast verlorenen Kampf um die Fahrer-Weltmeisterschaft? Im Gegenteil. Vettel startet von der Pole Position in den Großen Preis von Mexiko an diesem Sonntag. In einem äußerst knappen und hochspannenden Qualifying war bis zur letzten Runde unklar, wer sich an die Spitze setzen würde. Mercedes? Red Bull? Ferrari? Hamilton, Verstappen, Vettel? Oder gar die zweiten Männer, Bottas, Ricciardo, Räikkönen?

Vettel löste die Spannung auf. Für die 4,304 Kilomter auf rund 2200 Metern Höhe brauchte er 1:16,488 Minuten. Bestzeit, Pole Position. Zum vierten Mal in diesem Jahr, zum 50. Mal in der Karriere. Nur Senna (65), Schumacher (68) und Hamilton (72) starteten öfter vom ersten Platz. Mercedes-Pilot Hamilton, der mit einem Vorsprung von 66 Punkten ins Rennen geht und dem ein fünfter Platz für den Gewinn seiner vierten Fahrerweltmeisterschaft genügt, startet von Startplatz drei ins Rennen, war fast eine halbe Sekunde langsamer als Vettel. „Glückwunsch an Sebastian zur 50. Pole. Ich wollte das verhindern, aber wir hatten bislang ein schwieriges Wochenende“, sagte Hamilton.

Vettel hatte mit seiner letzten Runde in Streckenrekordzeit den Niederländer Max Verstappen übertroffen. Der 20-Jährige hatte im zweiten Qualifikationsabschnitt die mit Abstand schnellste Zeit gefahren und schien da auf dem Weg zur ersten Pole Position seiner Karriere. „Da hatte ich auf mehr gehofft“, sagte Verstappen anschließend, „aber im dritten Abschnitt haben die Vorderreifen nicht mehr richtig funktioniert.“ Er wurde mit einem Rückstand von 86 Hundertstelsekunden Zweiter, auch weil er Vettels Bestzeit in seinem letzten Umlauf nicht mehr übertreffen konnte. „Als ich gehört habe, dass es reicht, war das wie eine Explosion im Auto“, sagte Vettel anschließend. „Gestern ist der Feuerlöscher geplatzt, jetzt war es eine echte Explosion.“

„Wir verdienen ein gutes Ergebnis, Ferrari verdient ein gutes Ergebnis“, sagte Vettel anschließend. Angesprochen auf seine minimale Chance auf den Fahrertitel sagte er: „Wir müssen aus jeder Einheit das Beste herausholen, heute, und morgen wieder. Es liegt nicht mehr in unseren Händen.“ Vettel und Ferrari hatten in den letzten Rennen ihre gute Ausgangsposition in der Fahrer-Weltmeisterschaft verloren und liegen nun nahezu aussichtslos zurück.

Hamilton beantwortete die Frage, ob er denn schon überlegt habe, wo er die WM feiern wolle, dennoch kurz und knapp: „Nein. Das werde ich auch nicht tun.“ Für das Rennen erhofft sich der Engländer allerdings einen Schub: „Unser Renntempo ist besser als die Qualigeschwindigkeit.“ Das Problem: In Mexiko ist das Überholen eine Kunst. „Du brauchst einen Zeitüberschuss von mehr als einer Sekunde.“ Umso mehr wird es auf den Start ankommen. Und auf einer möglichst fehlerfreie Fahrt auf einem Kurs, der die Piloten in dieser Hinsicht so fordert wie kaum ein zweiter abseits der Stadtkurse in Monaco und Singapur.

Quelle: F.A.S.
Christoph Becker - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christoph Becker
Sportredakteur.
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