Frauenfußball-EM
Kommentar

Was Steffi Jones lernen muss

Von Daniel Meuren, Enschede
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Die deutsche Beteiligung am Finale der Fußball-Europameisterschaft der Frauen in den Niederlanden war überschaubar. Am Spielfeldrand agierte Bibiana Steinhaus als vierte Offizielle, auf der Tribüne erwies DFB-Präsident und Uefa-Exekutivkomiteemitglied Reinhard Grindel dem neuen Europameister aus den Niederlanden und Endspielgegner Dänemark die Ehre. Das war ungewohnt für einen Wettbewerb, den die Deutschen seit 1995 stets gewonnen und meist dominiert hatten. Nicht einmal bei den individuellen Ehrungen für die beste Spielerin oder die drei besten Torschützinnen oder der Auswahl der Elf des Turniers spielten die deutschen Frauen eine Rolle. Das war die direkte Folge des Viertelfinal-Ausscheidens. Ganz so weit im Abseits stehen die deutschen Fußballerinnen freilich nicht.

Aber Steffi Jones – die vermutlich nach einigen, in dieser Woche anstehenden Gesprächsterminen als Bundestrainerin bis zum Ende der im September beginnenden WM-Qualifikation bestätigt werden wird – sollte sich Halbfinalspiele und Endspiel konzentriert angeschaut haben. Gewonnen hat am Ende das Team, das mit dem klarsten Plan ins Turnier gegangen ist. Die Niederländerinnen wussten genau, was sie können: Mit Leidenschaft und Kampf agieren und die starke Offensivreihe in Szene setzen. Und ebenso wussten sie, was sie nicht können: Der Kader bot in der Breite keinen Raum für personelle Wechsel oder gar allzu gewagte taktische Experimente während des Turniers. Bondscoach Sarina Wiegman blieb ihrer Stammelf und dem in den Niederlanden von Mädchentagen an eingeprägten Stil einer 4-3-3-Grundformation treu.

So sehen Siegerinnen aus: Die Niederlande holen den EM-Titel.
© AP, F.A.Z.

Die deutsche Auswahl startete nach nur einem Testspiel in der heißen Vorbereitungsphase mit einer neuen Grundordnung ins Turnier. Und das Trainerteam um Steffi Jones experimentierte bis in die K.o.-Phase hinein an der vermeintlich idealen Aufstellung. Sie setzte zudem mit aller Gewalt ihr Vorhaben durch, zur Harmonieförderung alle Feldspielerinnen einzusetzen. Und so bleibt wohl als Szene des deutschen Turniers in Erinnerung, dass Abwehrspielerin Tabea Kemme im letzten Gruppenspiel in den Schlussminuten für den Angriff eingewechselt wurde, damit auch sie Spielminuten erhielt.

Ob dadurch der Teamgeist gefördert wurde, ist fraglich. Richtung und Klarheit im deutschen Spiel blieben sicher bei all den Rochaden auf der Strecke. Auch die anderen Favoriten wie Frankreich und England wandten das vermeintlich zum Kräftesparen so günstige Mittel der Rotation an – um sich am Ende selbst aus dem Turnier zu rotieren. Die Lehre aus dem niederländischen EM-Erfolg muss für Steffi Jones lauten, dass für ein Turnier ein eingespieltes Team benötigt wird und nicht falsche Rücksicht auf Einzelschicksale genommen werden darf.

Die Niederländerinnen setzten auf tierische Unterstützung.
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Quelle: F.A.Z.
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