French Open
Vorteil Nadal und Federer

Wie einst im Mai

Von Peter Penders
© dpa, F.A.Z.

Mit Prognosen ist das so eine Sache – es bleibt doch immer ein Restrisiko, dass man grandios danebenliegt, mag die Vorhersage noch so gut begründet sein. Die Tenniswelt etwa, sie war sich zu Beginn des Jahres ganz sicher: Bei den Herren würde man einen Zweikampf an der Spitze zwischen Andy Murray und Nowak Djokovic erleben. Der Serbe hatte die erste Hälfte der vergangenen Saison mit beeindruckender Leichtigkeit beherrscht, der Schotte dann den zweiten Teil des Jahres dominiert und das Jahr mit knappem Vorsprung als Weltranglistenerster beendet.

Von zwei anderen war nur am Rande die Rede gewesen, aber welche Rolle sollten sie auch noch spielen? Roger Federer hatte ein halbes Jahr pausieren müssen, und gewiss, ein paar aufsehenerregende Demonstrationen seiner Kunst hier und da hatte man ihm schon zugetraut, aber wohl kaum mehrere am Stück bei den großen Turnieren. Die Zeit des 35 Jahre alten Schweizers schien ebenso abgelaufen wie die seines langjährigen Konkurrenten Rafael Nadal, dem seine Verletzungsanfälligkeit immer wieder in die Quere gekommen war in den vergangenen Jahren, was viele als Folge seiner kraftraubenden Spielweise ohnehin für unausweichlich gehalten hatten.

Es schien unendlich lange her zu sein, als der Zweikampf diese beiden Heroen zu unvergesslichen Endspielen getrieben hatte, als sie die Branche beherrschten und die großen Turniere unter sich aufteilten. Es war nur noch die Erinnerung an diese Tage übrig geblieben, es würde nie mehr so werden.

Zweiter Frühling im Plural

Mittlerweile wissen wir, dass es ganz anders gekommen ist. Schaut man sich die Jahresbilanz an, dann steht Nadal dort auf Platz eins, und überholt hat er in der vergangenen Woche in Madrid eben jenen in die Jahre gekommenen Federer, der zu Beginn des Jahres mit seinem Sieg bei den Australian Open (im Finale gegen Nadal) und seinen Masters-Siegen in Indian Wells und Miami (im Finale gegen Nadal) ein Comeback hingelegt hatte, für dessen Beschreibung das Adjektiv beeindruckend nicht ausreicht.

Weil man aber im Alter durchaus mit den Kräften haushalten sollte, legte der Schweizer danach eine Pause ein, verzichtete auf die Sandplatzsaison und überlegt noch, ob er bei den French Open mitmachen soll, weil sein Saisonhöhepunkt natürlich Wimbledon ist. „Auf Sand wirst du alles zertrümmern“, soll er Nadal nach dem Finale in Miami gesagt haben – falls es nicht stimmt, ist es zumindest gut erfunden.

Nimmt derzeit nur noch an Charity-Turnieren teil: Roger Federer beim „Match for Africa“ in Seattle.
© EPA, F.A.Z.

Nadal hat nun nacheinander in Monte Carlo, Barcelona und Madrid gewonnen – 15 Spiele auf Sand, 15 Siege, und wenn man Tennisfan ist, dürfte man sich freuen, dass die Prognosen am Jahresbeginn so falsch waren. Irgendwann werden sie uns ja wirklich mal fehlen, und solange sie noch dabei sind, sollten wir jeden Tag genießen.

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Wer hätte das gedacht? Im Tennis sind zwei Altstars wieder der Maßstab. Ein Kommentar von Peter Penders.
Quelle: F.A.Z.
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