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Nationalmannschaft

Der Fall Schweinsteiger

Von Christian Kamp
 - 17:20
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„Sechs zu Hansi, sechs zu Shad, sieben zu mir!“ Das machte summa summarum 19 Feldspieler, die am Mittwochvormittag auf Kommando von Fitnesstrainer Yann-Benjamin Kugel in die letzte Trainingseinheit des Nationalteams in Tourrettes starteten. Einer also fehlte auf dem Platz, und das war derselbe wie schon an den vergangenen Tagen: Bastian Schweinsteiger. Es war also mitnichten so, dass sich die am Vortag vom Bundestrainer geäußerte leise Hoffnung, die Lage bei Schweinsteiger und dessen malader Wade könne sich quasi über Nacht „entscheidend verbessern“, erfüllt hätte. Die Folgen des Schlages, den der Münchner in den ersten Minuten des Champions-League-Finales gegen Chelsea zu beklagen hatte, erweisen sich vielmehr als ziemlich hartnäckig. Um Fußball mit den Kollegen zu spielen, das war spätestens klar, als Schweinsteiger sich am Mittwoch wieder mal für sich im Fitnesszelt abstrampelte, hätte er jedenfalls nicht nach Südfrankreich zu reisen brauchen.

Und so war es auch kein Wunder, dass die Fragen zum Zustand des Mittelfeldstrategen etwas besorgter ausfielen als in den vergangenen Tagen. Von einem möglichen Einsatz an diesem Donnerstag im letzten Test in Leipzig gegen Israel war schon gar nicht mehr ernsthaft die Rede. Es ging vielmehr darum, ob nach Michael Ballacks Blessur kurz vor dem WM-Auftakt 2006 ein weiteres Mal ein Fall von „Wade der Nation“ drohe.

„Das glaube ich nicht“, antwortete Oliver Bierhoff auf die entsprechende Frage. Der Teammanager konnte zwar wie schon Joachim Löw tags zuvor keine genaue Diagnose liefern. Den Gedanken an Langzeitfolgen, die bis in die Europameisterschaft hineinreichen könnten, die für die Deutschen am 9. Juni mit dem Spiel gegen Portugal beginnt, versuchte er aber zu zerstreuen.

„Es dürfte kein größeres Problem fürs Turnier sein“, sagte Bierhoff und bemerkte, dass das Trainerteam bei der Nominierung des endgültigen Kaders wohl anders vorgegangen wäre, „wenn wir die Info hätten, dass es sich durchs ganze Turnier zieht“. Bierhoff wagte sich sogar an eine ganz andere Interpretation: dass es sich auch positiv Richtung EM auswirken könne, wenn Schweinsteiger jetzt eine „Mini-Vorbereitung“ mit Fitnesseinheiten absolviere.

Philipp Lahm, der Kapitän, äußerte sich ähnlich hoffnungsvoll, dass Schweinsteiger „zur EM fit wird und dann keine Probleme mehr hat“. Aber es sei „immer etwas Ernstes“, wenn ein Spieler nicht am Training teilnehmen könne. Und so schien Lahm auch schon mal den negativen Fall in seine Überlegungen mit einzubeziehen. „Wenn es nicht so wäre, würde ich mir auch keine Sorgen machen“, sagte er unter Hinweis auf die personellen Möglichkeiten im Kader.

Bis auf weiteres: Khedira plus X

Gegen Israel wird Löw die Gelegenheit haben, die Form der anderen Bewerber für Schweinsteigers Position in der Mittelfeldzentrale zu überprüfen. An der grundsätzlichen Ausrichtung, das hat der Bundestrainer schon deutlich gemacht, werde sich, auch nach dem 3:5 von Basel, nichts ändern.

Er setze im Mittelfeld auf „drei spielstarke zentrale Spieler, die offensiv und defensiv richtig gut sein müssen, egal welche Namen auf den Trikots stehen“, sagte der Bundestrainer und brachte sein Erfolgscredo so auf den Punkt: „6-8-10 in größter Form der Variabilität“. Die „10“, das ist Mesut Özil, „6“ und „8“, das sind eigentlich Schweinsteiger und Sami Khedira. Doch die beiden haben seit Oktober kein Länderspiel gemeinsam bestritten.

Alternativen: Kroos und Gündogan

Nun heißt es also erst einmal weiter Khedira plus X. Als erster Anwärter wird Toni Kroos gesehen. Der Münchner gilt zwar als etwas phlegmatisch, hat seine Sache aber in Schweinsteigers Abwesenheit zuletzt recht ordentlich gemacht.

Für Kroos spricht auch, dass er im Doppel mit Khedira den etwas offensiveren Part übernehmen kann, was auch dem Profil des Madrilenen entgegenkommt. Ein weiterer Kandidat wäre Ilkay Gündogan. Der Dortmunder hat seine herausragende Rückrundenform mit in die Vorbereitung des Nationalteams gebracht und wurde von Löw gar als „kleiner Schweinsteiger“ bezeichnet.

Lahm links - oder doch rechts?

Ob der Bundestrainer sich aber noch einmal auf eine völlig neue Konstellation einlässt, ist eher ungewiss. Was Mario Götze betrifft, den Löw auch als Mann für diese Position nannte, ist davon auszugehen, dass dessen Vorspielen gegen die Schweiz vorerst genügt haben dürfte.

Auch sonst wird Löw gegen Israel noch nicht seine EM-Elf präsentieren. Er hat angekündigt, dass er „das eine oder andere probieren“ wolle. Zu den offenen Fragen gehört auch noch, auf welcher Seite Lahm ins Turnier geht. In Leipzig soll er auf links beginnen. Auf rechts wäre Jérôme Boateng „denkbar“, wie der Bundestrainer sagte.

Und auch wenn Löw betonte, dass das noch nichts für das Portugal-Spiel zu bedeuten habe: Der Dortmunder Marcel Schmelzer dürfte sich sowohl mit seinen Trainingsleistungen als auch mit seinem Auftritt in Basel aus dem Spiel für den Posten hinten links gebracht haben.

Endgültig werden die offenen Fragen erst in Danzig geklärt werden. Wie Löw überhaupt große Hoffnungen in die gemeinsame Trainingswoche dort vor dem Auftaktspiel setzt. Die allerletzte Frage in Tourrettes ließ sich noch ganz leicht und launig beantworten. Ein Kinderreporter sprach Lahm darauf an, dass der als Kind doch erst Bäcker, dann Banker hätte werden wollen. Ob es ihm denn jetzt mit dem Wunsch, Europameister zu werden, ein bisschen ernster sei, fragte er den deutschen Kapitän. Lahm lächelte und bejahte. „Das ist gut“, sagte der Junge.

Quelle: F.A.Z.
Christian Kamp
Sportredakteur.
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